Kondome mit Speckaroma

Dass die WHO vom Speck abrät, befeuert nur den Kult um ihn.

Bekenntnis zur kulinarischen Vorliebe: Ein Mann mit Speckhose und Gürtel.  Bild: AP/Charlie Neibergall

Bekenntnis zur kulinarischen Vorliebe: Ein Mann mit Speckhose und Gürtel. Bild: AP/Charlie Neibergall

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Die WHO, die traut sich was. Nach Tabak und Alkohol nimmt sie sich jetzt vor, was der führenden Industrienation wirklich heilig ist: den Speck. Laut der Weltgesundheitsorganisation soll sein Verzehr zu Krebs führen können. Eine Kriegserklärung. «War on Bacon!», titelt diese Woche das amerikanische «Men’s Journal». Die Zeile weckt Assoziationen. Zum «War on Christmas», bei dem politisch korrekte Leisetreter der Bevölkerung empfahlen, statt Christbaum lieber das religionsneutrale «Holiday Tree» zu verwenden. Und zum «War on Coal», dem von rechter Seite behaupteten Feldzug der Umweltschützer gegen Bergbau und Kohlekraft.

Speck ist eine Religion in Amerika. Er muss in die Hamburger, den Salat, ja in die Schoko-Cookies. Es gilt das Gesetz der «Baconomics» – wenn Speck drin ist, verkauft es sich. Der Blog «DudeFoods» führt ein Rezept für krosse Speckstreifen, die erst mit weisser Schokolade überzogen und dann mit Speckstreuseln verziert werden. «Alles sollte wie Speck schmecken», sagen die Erfinder der Aromapaste «Baconnaise».

Längst ist der Speck der Welt der Nahrungsmittel entwachsen. Vom Speckduftbäumchen bis zur Zahnpasta mit Speckgeschmack: Es gibt nichts, was durch Speck nicht besser würde. Im Spielwarenladen besiegt die Actionfigur Mr Bacon ihren Erzfeind Monsieur Tofu. Verliebte schenken sich nach Bratspeck duftende Unterwäsche oder Kondome mit Speckaroma.

Natürlich ist der Kult politisch. Es geht darum, den Spassverderbern ins Gesicht zu lachen, unkorrekt und säuisch zu sein. Speck ist Freiheit. Klar auch, dass besonders viele Kerle über fettige Schwarten zurück zu wahrer Männlichkeit finden möchten: «Ein Streifen Speck funktioniert als Mittelfinger, gereckt gegen all die Kinderwagen-Joggerinnen und Progressiv-Puritaner, die Männer von den Dingen abhalten wollen, die sie wirklich begehren», sagte der im Mai verstorbene Gastro-Proll Josh Ozersky. Speck ist Widerstand. Wahre Specktremisten wird die WHO nicht schrecken, sondern bestärken. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 28.10.2015, 21:45 Uhr

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