Rein ist beim Wein nicht immer besser

Die Kunst der Cuvée setzt eine grosse Erfahrung des Winzers voraus – und wird dennoch zu Unrecht vernachlässigt.

Reinsortig oder Verschnitt? Weindegustation in Bordeaux, Frankreich.

Reinsortig oder Verschnitt? Weindegustation in Bordeaux, Frankreich. Bild: Regis Duvignau/Reuters

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Was ist eigentlich der Grund, weshalb gewisse Weine, wie beispielsweise der Barolo, der Sancerre und der Beaujolais, reinsortig und andere wiederum aus verschiedenen Traubensorten gekeltert werden? So banal die Frage klingt, so schwierig ist sie zu beantworten. Wichtig zu wissen ist, dass die Wein­bereitung oft auf der Erfahrung mehrerer Generationen fusst. So erwies sich im Laufe der Zeit, dass gewisse Weine geschmacklich davon profitieren, wenn sie mit anderen Rebsorten verschnitten werden.

Im Burgund, der wohl berühmtesten Region, in der Weine reinsortig ausgebaut werden, gelang offensichtlich der Pinot noir derart gut und komplex, dass er keiner weiteren Ergänzung bedurfte. Auch war es nicht notwendig, allfällige Ernteausfälle zu kompensieren. Im ­ebenso bekannten Bordelais hingegen ist der Merlot beliebt, weil er deutlich früher als der Cabernet Sauvignon ausreift. Dies ist besonders wichtig in einer Gegend, die klima­bedingt während der Erntezeit von Regenfällen heimgesucht wird und dem Cabernet dadurch nicht immer genügend Zeit zur Reifung lässt. Geschmacklich bietet der Merlot zudem den Vorteil, den von Natur aus eher strengen, tanninbetonten Cabernet Sauvignon abzurunden. Wird er geschickt gemacht, verbindet ein Verschnitt der beiden verwandten Traubensorten oft ihre besten Qualitäten: Noblesse und Tiefgang des Cabernet ­sowie Charme und Geschmeidigkeit des Merlot.

Dies darf als das eigentliche Geheimnis der Cuvée, die häufig auch Assemblage genannt wird, bezeichnet werden: Wird sie von einem talentierten, erfahrenen Winzer vorgenommen, ist das Endergebnis deutlich besser als dessen Komponenten. Rodolphe de Pins, einer der erfahrensten Winzer der Rhône, schwört geradezu auf die alther­gebrachte Tradition des Verschnitts mit möglichst verschiedenen Trauben­sorten. So enthalten seine Weine, die mit jenen des benachbarten Châteauneuf-du-Pape verwandt sind, oft bis zu zehn verschiedene Rebsorten. Er betont, dass es sehr bedauerlich sei, wie in Châteauneuf die Kunst der Cuvée zugunsten von Syrah und Grenache vernachlässigt werde. Gerade vermeintlich weniger renommierte Sorten hätten in diesem sehr heissen Anbaugebiet ihre grosse Bedeutung. So bringen zum Beispiel Cinsault, Counoise und Carignan Eleganz und die notwendige Frische in die oft sehr alkoholbetonten Rhône-Weine.

Nicht zuletzt mag es erstaunen, dass manchmal bereits sehr kleine Zugaben den Geschmack entscheidend verändern können. Vor vielen Jahren durfte ich beim Zusammenstellen der Assemblage des Monte Bello auf dem renommierten, in den frühen 60er-Jahren gegründeten kalifornischen Weingut Ridge mit dabei sein. Ich werde nie vergessen, wie der Wein (Hauptsorte ist auch hier der Cabernet Sauvignon) durch die Zugabe von bloss drei Prozent Petit Verdot deutlich besser wurde. Entscheidend für das Gelingen eines Verschnitts ist allerdings immer die grosse Erfahrung des Winzers und wie sich die einzelnen Teile in das Gesamte einfügen. Ein Aussenstehender – verkostet er noch so gut – wird in den seltensten Fällen einen stimmigen Verschnitt zustande bringen.

Ein prächtiges Beispiel einer gelungenen, nicht zu stark von Syrah dominierten Cuvée ist der herrliche Châteauneuf-du-Pape der führenden Domaine de la Janasse. Ihr Vieilles Vignes 2011 ist ausgezeichnet und dürfte jeden Rhône-Liebhaber begeistern.

Châteauneuf-du-Pape, Domaine de la Janasse, Vieilles Vignes 2011, ca. 85.35 Fr. erhältlich bei Granchâteaux, La Conversion. Tel. 021 796 16 80, www.granchateaux.ch

Erstellt: 26.09.2014, 18:45 Uhr

Philipp Schwander. Foto: PD

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