So bringen Sie Ihr Gemüsebeet richtig zum Blühen

Wer die richtigen Pflanzen miteinander wachsen lässt, hat höhere Erträge und weniger Schädlinge.

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Eine gängige Praxis im Bionutzgarten ist die Mischkultur. Diese Anbauform, bei der man verschiedene Pflanzen nebeneinander wachsen lässt, hat im Vergleich zur Monokultur eine ganze Reihe von Vorteilen: Unterschiedliche Wuchs­formen nutzen den Platz und das Licht optimal aus. Die Kombination von verschiedenen Wurzeltypen (Flach- und Tiefwurzler) erlauben die Wasser- und Nährstoffaufnahme in der gesamten fruchtbaren Bodentiefe. Die unterschiedlichen Nährstoffbedürfnisse der einzelnen Pflanzen verhindern zudem, dass der Boden auslaugt. Das Stichwort dazu lautet Bodenmüdigkeit – auch Böden können müde werden bei einseitiger Belastung.

Des Weiteren ist bei Mischkulturen der Befall von Schädlingen geringer, weil diese, meist über den Geruchssinn, ihre Wirtspflanze inmitten der Vielfalt nicht mehr so einfach finden. Die Pflanzen beschützen sich also gegenseitig und vergesellschaften sich.

Ein Blick in die nicht kultivierte Landschaft genügt: Monokulturen sind eine Erfindung der intensiven Landwirtschaft, als Bodengesundheit und Biodiversität noch kein Thema waren. Lässt Mensch die Natur machen, entstehen ­garantiert keine Monokulturen.

Unterschiedliche Bedürfnisse

Um im eigenen Beet die vielfältige Natur durch eine Mischkultur nachzuahmen, sollten Hobbygärtnerinnen und -gärtner vorab darauf achten, dass die gewählten Pflanzen unterschiedliche Nährstoffbedürfnisse haben. Beim Gemüse gibt es diesbezüglich drei Arten: Starkzehrer (etwa alle Kohlgewächse ausser Kohlrabi, Kartoffeln, Tomaten), Mittelzehrer (Salate, Zwiebeln, Fenchel) und Schwachzehrer (Erbsen, Kräuter, Kefen). Diese gilt es miteinander zu kombinieren. Es wäre zum Beispiel ungünstig, nur starkzehrende Pflanzen zu vergesellschaften. Mischen ist auch bei der Zugehörigkeit zur botanischen Pflanzenfamilie vorteilhaft. Ausschliesslich Nachtschattengewächse wie Auberginen, Kartoffeln, Paprika oder Tomaten nebeneinander zu pflanzen, ist nicht empfehlenswert.

Es gibt verschiedene erprobte Mischkultur-Kombinationen: Karotten zum Beispiel können es ganz gut mit Zwiebeln, Gurken mit Dill oder Erdbeeren mit Knoblauch. Eine besonders interessante Pflanztechnik ist die aus Südamerika stammende Drei-Schwestern-Mischkultur, die auch unter den Namen Indianerbeet oder Milpa bekannt ist. Diese setzt sich aus Mais, Kürbis und Stangenbohnen zusammen. Dass diese Geschwister ausgesprochen gut miteinander auskommen, sich ideal ergänzen und ein ertragsreiches Trio bilden, haben schon vor über 3500 Jahren die Maya herausgefunden. Die Drei-Schwestern-Mischkultur macht Sinn ab einer Fläche von zehn Quadratmetern, da alle drei starkwüchsige Gemüse sind, die, ab Mitte Mai gepflanzt und gesät, munter wuchern, wenn genügend Platz vorhanden ist. Pro vier Quadratmeter kann mit ein bis zwei Kürbispflanzen, fünf bis sieben Maispflanzen und ein bis zwei Tellersaaten mit Stangenbohnen gerechnet werden.

Die Drei-Schwestern-Mischkultur macht Sinn ab einer Fläche von zehn Quadratmetern.

Mais ist ein typischer Tiefwurzler und Starkzehrer. In kleinen Gruppen gepflanzt, ist die Wahrscheinlichkeit für eine Befruchtung und somit für die Kolbenbildung höher. Er wächst straff aufrecht und benötigt minim Platz in der Horizontalen. Es gibt neben den herkömmlich gelben Zuckermaissorten auch schwarzen (Black Aztek) oder regenbogenfarbigen (Rainbow Inka). Mais kann direkt gesät werden, für die 3-Schwestern-Mischkultur sind jedoch Setzlinge empfehlenswert. Neben dem Zuckermais gibt es Mehlmaissorten, die sich zum Mahlen eignen oder auch Popcornmais, wie die Sorte Popi Hopi. Der Mais ist erntereif, wenn die hellen Fäden am spitzen Ende des Kolbens braun ­werden und schrumpfen.

Der Kürbis ist wie der Mais ein Starkzehrer, aber ein Flachwurzler. Eine Pflanze kann dank ihrer langen Ranken und dem grossen Blattwerk locker innert kurzer Zeit zwei bis vier Quadratmeter Boden überwuchern. Besonders schmackhaft sind die Sorten Butternuss, der orange und der grüne Hok­kaido und die Blaue Banane. Kürbisse werden vorzugsweise als Setzlinge gepflanzt und sind meist im September reif.

Feuerbohnen gehören zu den Schwachzehrern. Rund um ein drei Meter hohes Klettergerüst ausgesät, ergeben sie ein wunderbares feuerrotes Blütenspektakel. Die Bohnen können jung als Schnippelbohnen gegessen werden, traditionell bleiben sie jedoch an der Pflanze hängen, bis die Schoten aus­getrocknet und braun sind.

Willkommene Besonderheit

Neben den oben genannten positiven Effekten aller Mischkulturen gibt es bei dieser alten indianischen Pflanztechnik eine willkommene Besonderheit: Die Bohnen als Angehörige der Familie der Leguminosen beherbergen an ihren Wuzeln sogenannte Knöllchenbakterienkolonien. Diese sind in der Lage, Stickstoff aus der Luft zu fixieren und ihren Nachbarspflanzen, hier insbesondere dem ausgesprochen stickstoffhungrigen Mais, zur Verfügung zu stellen.

Die traditionelle Anbauweise bei der Drei-Schwestern-Mischkultur ist ohne Klettergerüst für die Bohnen, diese Funktion übernimmt der Mais. In unseren Gefilden, wo Landi und Gartencenter nah sind, lohnt es sich, sich ein paar hohe Stickel zu besorgen. Ein alter Christbaum tuts aber auch. Oder man sät mittendrin ein paar hochwachsende Sonnenblumen. An ihren grossen Stängeln ranken die Bohnen ebenfalls gerne hoch – und sie bringen erst noch zusätzliche Farbe in den Garten.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 29.04.2018, 17:26 Uhr

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