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«Von Sushi raten wir ab»

Thunfisch, Lachs, Pangasius: Die Schweizer essen immer mehr Fisch. Josianne Walpen von der Stiftung für Konsumentenschutz sagt, welche Sorten man nicht essen sollte.

«Im Spezialitätenrestaurant erwarte ich Eglifilet aus dem heimischen See»: Josianne Walpen.

«Im Spezialitätenrestaurant erwarte ich Eglifilet aus dem heimischen See»: Josianne Walpen.

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Umweltschutzorganisationen warnen vor der Überfischung der Meere, andererseits propagiert man uns, dass Fisch gesund und deshalb oft zu konsumieren sei. Wie passt das zusammen?
Josianne Walpen: Natürlich ist Fisch sehr gesund, aber als Konsument sollte man nicht nur auf diesen Aspekt achten. Die Gefährdung der Fischbestände wegen der massiven Überfischung der Meere kann man nicht einfach ausklammern. Man sollte deshalb zurückhaltend Fisch konsumieren – und darauf achten, welchen Fisch man isst.

Welchen Fisch darf man essen?
Von Dorsch, Heilbutt oder Thunfisch sollte man wegen der gefährdeten Bestände absehen. Es gibt von Greenpeace und WWF sehr gute Ratgeber zum Fischkauf. Im Detailhandel erfährt man in der Regel, woher der Fisch kommt und ob er aus Zucht oder aus Wildfang stammt. Leider ist dies in der Gastronomie nicht der Fall, man muss explizit nachfragen.

Soll man sich beim Kauf für Zuchtfisch oder Wildfang entscheiden?
Bei Zuchtfischen kann die Haltung zum Problem werden. Durch die intensiven Zuchten werden die Tiere auf engem Raum gehalten. Weil das Krankheitsrisiko hoch ist, werden häufig grossflächig Medikamente eingesetzt. Deshalb sollte man beim Kauf von Zuchtfisch auf das Biolabel achten: Fütterung, Medikamenteneinsatz oder Bestandesdichte sind dort reglementiert. Beim Wildfang ist man mit Produkten, die mit dem MSC-Label gekennzeichnet sind, auf der sicheren Seite. Das Label hat zwar gewisse Schwächen in Bezug auf Risiken und auch Umweltschutzauflagen fehlen. Aber man achtet sehr genau darauf, dass die Fischereien den Bestand erhalten.

Worauf muss man beim Fischkauf generell achten?
Beim Zuchtfisch auf das Biolabel, beim Wildfang auf das MSC-Label. Und falls vorhanden, einheimischen Fisch bevorzugen.

Schweizer essen auch sehr gerne Sushi.
Aus ökologischer Sicht raten wir davon ab, Sushi hat wesentlich dazu beigetragen, dass der Fischkonsum im Westen angestiegen ist. Für Sushi benötigt man zudem sehr frischen, einwandfreien Fisch. Hierzulande ist dies sicher mit sehr viel mehr Aufwand und Energieverbrauch zu bewerkstelligen als in Ländern, die ans Meer grenzen.

Tief gefroren oder auf dem Fischmarkt. Was ist besser?
Gefrorener Fisch wird nach dem Fang rasch verarbeitet und eingefroren. Dies ist der Qualität sicher nicht abkömmlich. Bei frischem Fisch ist eher die Frage, ob die Kühlkette trotz langen Transportwegen nicht unterbrochen wurde. Aber das kann man an der Theke natürlich nicht kontrollieren.

Seit einigen Jahren ist auch der Pangasius sehr beliebt. Kann man den Zuchtfisch bedenkenlos konsumieren?
Die intensive Zucht von Pangasius in Thailand und Vietnam hat bedenkliche ökologische Folgen, wegen der Intensivhaltung ist der Krankheitsdruck hoch, der Einsatz von Medikamenten jedoch kaum gesetzlich geregelt. Deshalb auch hier: Kaufen Sie Pangasius aus Bio-Produktion.

Auch an diesen Weihnachten und Neujahr wird wieder viel Lachs gegessen. Was muss man beim Kauf beachten?
Wie beim Fischkauf allgemein gilt auch hier: auf die Labels achten und massvoll konsumieren. Der Zuchtlachs hat bei Konsumenten lange viele Fragen aufgeworfen, weil häufig Antibiotika zum Einsatz gekommen sind. Aber hier hat sich gerade in den skandinavischen Ländern einiges getan – sicher auch, weil der Fisch mittlerweile so populär ist. Lachs war einmal eine Delikatesse, heute ist es ein Alltagsgut.

Auch die Schweiz hat Fische. Umso erstaunlicher, dass man hin und wieder im Supermarkt Egli-Filets aus dem Ausland entdeckt.
In der Schweiz kann die Nachfrage nicht mit heimischem Fisch gedeckt werden – rund 95 Prozent des Bedarfs werden importiert. Wichtig ist, die Herkunftsangabe zu beachten – Egli kommt nicht zwingend aus der Schweiz. Im Spezialitätenrestaurant erwarte ich hingegen, dass er aus dem heimischen See stammt. Alles andere wäre eine Mogelpackung. Wird auf der Speisekarte nichts über die Herkunft erwähnt, sollte man deshalb nachfragen. Im Gegensatz zu Fleisch besteht bei Fisch in Gastbetrieben keine Verpflichtung, die Herkunft schriftlich bekannt zu geben.

Wie bereitet man Fisch eigentlich am besten zu?
Man sollte ihn besser nicht mit fettigen Saucen zupappen oder frittieren. Da hat man nicht mehr viel vom leichten und gesunden Fisch.

Erstellt: 17.12.2010, 11:03 Uhr

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Tipps zum Fischkonsum

1. Fisch als Delikatesse sehen, nicht täglich essen
2. Einheimische Seefische bevorzugen
3. Bei Zuchtfisch auf Bio-Label achten
4. Wildfang sollte mit dem MSC-Label gekennzeichnet sein
5. Fischratgeber von WWF oder Greenpeace benutzen

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