A Point

Wild im Oberland

«Das ist mein Lieblingsrestaurant», lautet das begeisterte Urteil des 10-jährigen Basil über den Sternen in Medikon.

Bekannt für seine Wildspezialitäten: Der Sternen in Medikon. Foto: PD

Bekannt für seine Wildspezialitäten: Der Sternen in Medikon. Foto: PD

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Basil hängt dann allerdings doch noch eine kleine Einschränkung an: «Jedenfalls in der Schweiz.» Wir Erwachsenen stimmen zu: Der Sternen in Medikon – das liegt bei Wetzikon – gehört auf die Liste der Lokale, die wir mögen und wieder besuchen werden.

Das hat zwei Gründe. Zum einen ist das Lokal derart weit weg von den eintönig-trendigen Schuppen der Stadt, dass es eine wahre Freude ist. Die Einrichtung versetzt einen 30 bis 40  Jahre zurück – sie ist aber tipptopp im Schuss. Auf den Tischen liegen orange Säckli mit Zweifel-Chips. Die Menage mit Pfeffer, Salz, Maggi und Aromat steht daneben.

Es wäre aber Sünd und Schand, die Speisen mit den Einheitswürzen zu verderben. Denn, und das ist der zweite Grund für einen Besuch des Sternen: Man fährt hin, weil das Wirtepaar Priska und Bruno Rast dort kocht. Jetzt im Herbst kommen die Gäste, die beim Eingang meist mit Namen und teils gar mit Küsschen begrüsst werden, fast ausschliesslich wegen der Wildspezialitäten. Wobei die Rasts nur ein Tier auf der Karte führen: Reh. Dieses stammt samt und sonders aus der Region. Vater Rast hatte als Sternen-Wirt die guten Beziehungen zu den Jägern aus Wetzikon, Bäretswil und Pfäffikon aufgebaut. Sie überlassen seinem Sohn Bruno heute noch ausgeweidete Rehe. Er lässt diese abhängen. Später enthäutet und zerlegt er sie. Und schliesslich kocht er damit seine wunderbaren Gerichte.

Gutbürgerliche Küche

Das Wirtepaar setzt auf eine gutbürgerliche Küche wie Rehpfeffer mit Eierspätzli oder Rehsteak Hubertus. Wir entscheiden uns zum einen für den Wildklassiker schlechthin, den Rehrücken (54 Fr.). Zum anderen bestellen wir das fünfgängige Wildmenü (75 Fr.). Denn darin verkocht Rast die Rehbäggli.

Zuerst tischt uns die Serviertochter – so wird sie am Tisch nebenan genannt – als Gruss aus der Küche kleinste Rehhambuger auf. Jung und Alt am Tisch freuen sich über die scharf angebratenen, würzigen Fleischbällchen, die auf einem winzigen Brot liegen. Nach und nach kommen Vorspeisen: gemischte Salate mit saisonalen Zutaten wie Randen, Sellerie und einem ausgezeichneten Kartoffelsalat. Teller mit saftigen Rehmostmöckli, die Rast beim hiesigen Metzger räuchern liess. Sowie eine Wildcrèmesuppe und eine Wildpastete, wie man sie in keinem Delikatessenladen erhält. Garniert wieder mit Selleriesalat, einem Tomatenschnitz, einer Baumnusshälfte und einem Chicoréeblatt.

Grosses Kino bietet dann die grosse Silberplatte mit Rehrücken für drei Personen, die Priska Rast aufträgt: Ein herrlich duftendes Stück Fleisch am Knochen, Röselikohl, Pfirsichhälften (aus der Büchse), eingekochte Birnen (frisch), hausgemachtes Rotkraut, feinste Marroni und gebratene Spätzli. Das Fleisch ist kräftig angebraten, innen aber schön rosa und wunderbar zart. Ähnlich präsentieren sich die Teller mit den Rehbäggli. Diese sind etwas fester im Biss. Statt einer Wildrahmsauce werden sie von Wildjus begleitet. Alles ist so zauberhaft gut, dass auch Basil und sein noch jüngerer Bruder Mael gut zulangen. Und das Personal in Erstaunen versetzen. Denn auch sie wollen noch einen Nachschlag.

Restaurant Sternen, Bertschikerstrasse 10, 8620 Wetzikon, Tel. 044 932 10 85, Mittwoch bis Sonntag 8 bis 24 Uhr. Mit S-Bahn und Bus sehr gut zu erreichen.

Erstellt: 06.10.2014, 20:39 Uhr

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