Winzer fürchten die Kirschessigfliege

Winter, schlag zu! Ein paar frostige Februartage würden nicht schaden, um die Probleme mit Drosophila suzukii zu verkleinern.

Legt ihre Eier am liebsten in rote Früchte: Die Kirschessigfliege (Drosophila suzukii). Foto: PD

Legt ihre Eier am liebsten in rote Früchte: Die Kirschessigfliege (Drosophila suzukii). Foto: PD

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Sie war der grosse Schreck für die Winzer im vergangenen Jahr: die Drosophila suzukii, auch bekannt als Kirschessigfliege. Das ungefähr drei Millimeter lange Insekt legt seine Eier ins Fruchtfleisch von reifen Früchten – darunter eben auch Rotweintrauben – und richtet damit beträchtlichen Schaden an. Man geht davon aus, dass die enttäuschende letztjährige Schweizer Weinernte, die ungefähr zehn Prozent unter dem jährlichen Durchschnitt lag, zum Teil auf den Schädling zurückzuführen war; der verregnete Sommer tat das Seinige dazu. Die Ernte wäre wohl vielerorts noch ­kleiner ausgefallen, hätten nicht etliche Helfer bei der Weinlese Zusatzstunden geleistet. Dies war nötig, weil in vielen Reblagen jede einzelne Traube in der Hand gedreht und genau angeschaut werden musste. Mancherorts war der Zeitaufwand für die «Wümmet», gerechnet in Arbeitsstunden, bis zu viermal grösser als üblich.

Wer im letzten Herbst mit Winzern gesprochen hat, konnte vernehmen, dass diese auf einen möglichst harten Winter hofften, welcher der Drosophila suzukii Einhalt gebieten würde – doch bisher war das noch nicht ungedingt der Fall. Herumgereichte Bonmots wie «Lieber eine ganze Woche mit minus 5 Grad, als eine Nacht mit minus 20 Grad» deuten darauf hin, dass die bisherigen Temperaturen zu hoch waren, um der Fliege ernsthaft Schaden zuzufügen.

Erste Prognosen im Frühling

«Solche Merksätze sind natürlich nicht wissenschaftlich», relativiert Patrik Kehrli, Entomologe bei der eidgenössischen Forschungsanstalt Agro­scope. «Aber trotzdem haben sie ihren wahren Kern.» Und so wäre man aus Obstbauern- und Winzersicht, meint er, natürlich froh, wenn es im Februar oder März noch ein paar zusätzliche Frosttage gäbe. «Immerhin hatten wir über Neujahr eine Kälteperiode, was die Verhältnisse diesen Winter sicher weniger günstig für die Kirschessigfliege machen als im Vorjahr.»

Ob man sich in Rebbergen, in Beerenhainen und in Obstplantagen nächstes Jahr wieder auf eine regelrechte Plage einstellen muss, werde sich erst im Frühling zeigen, sagt der Experte. Dann nämlich werden Fänge aus entsprechenden Fliegenfallen ausgezählt und mit dem Vorjahr verglichen: «Daraus lassen sich erste Prognosen für die Saison 2015 machen.» Aber letztendlich sei auch danach das letzte Wort noch nicht gesprochen: Ebenso wie milde Winter bevorzugt die Drosophila suzukii feuchte und laue Tage während der Sommersaison. «Doch sollte es einen ähnlich heissen Sommer wie 2003 geben», so Patrik Kehrli, «dann würde sich das Problem merklich vermindern.» Und Letzteres wünschen sich bekanntlich nicht nur die Winzer.

Erstellt: 29.01.2015, 18:05 Uhr

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