Zürich, wie es kocht und schreibt

In den nächsten Tagen erscheinen gleich drei Kochbücher aus der Küche von Zürcher «Foodies». Bei einer Tasse Kaffee haben sich die Autoren ausgetauscht.

Auf einen Kaffee mit drei Kochbuchautoren: Valentin Diem, Esther Kern und Maurice Maggi (v. l. n. r.). Foto: Raisa Durandi

Auf einen Kaffee mit drei Kochbuchautoren: Valentin Diem, Esther Kern und Maurice Maggi (v. l. n. r.). Foto: Raisa Durandi

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

So viel Zürcher Kochkompetenz am gleichen Tisch hat man selten. Im Ristorante Certo sitzt in der Mitte Esther Kern, die seit 15 Jahren die Website Waskochen.ch betreibt. Links neben ihr Valentin Diem, besser bekannt als «Vale­-Fritz». In seinen Pop-up-Restaurants bekocht er regelmässig eine bunte und grosse Anhängerschaft. Und rechts, der mit dem Hut, das ist Maurice Maggi, der die Zutaten für seine Ess-Events in städtischen Gärten und Parkanlagen zusammensucht. Etwas haben die drei Kulinarik-Cracks ­gemeinsam: Kommenden Monat bringen sie, unabhängig voneinander, je ein Kochbuch auf den Markt.

Esther Kern widmet sich in «Leaf to Root» zusammen mit einem Koch und einem Fotografen den Pflanzenteilen, die in der Küche meist verschmäht werden – Wassermelonenschalen etwa oder die Strünke des Blumenkohls. «Wer weiss schon, was man aus Radiesliblättern kochen kann?», sagt sie.

Valentin Diem hat sich während zweier Woodfood-Festivals intensiv damit beschäftigt, wie man mit Holz kocht. Vom Räuchern über die Zutat Asche bis zum Grillieren – all das kommt in sein Buch: «Es gibt meines Wissens niemanden, der sich so intensiv mit der Materie auseinandergesetzt hat», sagt er.

Kein Haarspray fürs Foodfoto

Haben Kern und Diem quasi neue Standardwerke geschaffen, setzt Maurice Maggi mit seinem neuen Buch «Einfach Vielfalt» bewusst auf eine persönliche Note: Seine Rezepte mit Grundprodukten wie Kartoffeln oder Eiern hat er mit eigenen Notizen ergänzt. Wer, wie er, seit Jahren am Theater Spektakel kocht und als «Guerillagärtner» gefühlt die ganze Zürcher City mit Malven bepflanzt hat, kann aus einem reichen Fundus schöpfen.

Wenn drei solche Kochköpfe grad so schön zusammensitzen, hat man schon seine Fragen: Ist Zürich eigentlich eine gute Stadt für Essen und Trinken? Oder: Sind Kochbücher wirklich zum Nach­kochen da? Und: War wirklich alles auch geniessbar, was auf den Fotos in den ­Büchern abgebildet ist?

Bei der letzten Frage geht Diem voran: «Bei uns ist alles auf den Bildern zu hundert Prozent echt.» Manche Gerichte seien an Events fotografiert worden – und da hätte man eh keine Zeit gehabt, zu basteln. Und sowieso seien die Zeiten, in denen man Haarspray fürs Fixieren brauchte, vor­über. «Wir haben nach den Shootings alles gegessen», sagt Kern. Und Maggi fügt an: «Meine Nachbarn freuten sich jedes Mal, wenn wir Mahlzeiten vorbeibrachten.» Einhellig betonen die Autoren, wie viel Spass sie mit Fotografen und Grafikern hatten, die bei allen drei Büchern inhaltlich Einfluss geübt haben.

Rezepte lesen wie Geschichten

Dass Rezepte in Kochbüchern von vielen Buchkäufern gar nicht nachgekocht werden, scheint die drei nicht zu stören. «Manche Leser bekommen das Buch ja vielleicht geschenkt», sagt Diem. «Sie lesen dann nur die Texte, nachher muss es auf dem Couchtisch eine Gattung machen.» Man könne Rezepte ja auch lesen wie Geschichten, sagt darauf Kern und weist trotzdem auf die Interviews und Reportagen in ihrem Buch hin. «Ich war bei meinem ersten Buch am Ende überrascht», wirft Maurice Maggi ins Gespräch ein, «wie viele die Rezepte dann doch nachkochen.» Und deswegen müsse man halt schon genau sein beim Rezeptieren. Alle drei haben ihre Rezepte mehrmals überprüft – oft auch beim Kochen für die Fotos.

Wer ist das Zielpublikum? «Ich habe viele Freunde um die dreissig, die ich auf dem Markt treffe und die extrem gut kochen», sagt Diem. «Die machen sich ein einfaches Linsengericht, wenn sie wenig Zeit zum Kochen haben.» Fertigpizzas brächten die nicht runter. Brauchen denn solche ambitionierten Hobbyköche überhaupt Kochbücher? «Ein Buch setzt nochmals einen anderen Schwerpunkt als etwa eine Website», sagt Esther Kern. «Es inspiriert Medien im In- und Ausland, ein Thema aufzugreifen.»

Ambitionierte junge Zürcher

Und: Ist Zürich nun eine Kulinarikmetropole? «Auch hier gibt es solche, die nicht wissen, wann welches Gemüse Saison hat», sagt Valentin Diem. Der Trend gehe aber in eine andere Richtung – da ist sich die Runde einig. Und Maggi meint ganz empirisch: «Von meinem Balkon im Kreis  3 sehe ich in sämtliche Küchen rundherum. Und ich staune, mit welchem Aufwand da junge Leute zu Werke sind.» Manchmal auch mit Kochbüchern.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 30.09.2016, 09:44 Uhr

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Abo

Abo Digital Light - 18 CHF im Monat

Unbeschränkter Zugang auf alle Inhalte und Services (ohne ePaper). Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Schmucke Brille: Ein Model führt in Mailand die neusten Kreationen von Dolce und Gabbana vor. (24. September 2017)
(Bild: Antonio Calanni/AP) Mehr...