An der Zucchetti kommt keiner vorbei

Was anfangen mit dem grünen Kürbisgewächs? Zuerst irgendwie entwässern, raten die Fachleute. Danach lassen sich die köstlichsten Rezepte zubereiten.

Zucchetti haben im Spätsommer Hochsaison. Ihr Verwendungszweck ist schier unendlich. Foto: Getty Images

Zucchetti haben im Spätsommer Hochsaison. Ihr Verwendungszweck ist schier unendlich. Foto: Getty Images

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Kein grosses Rezept der Welt­geschichte basiert auf einer Zucchetti, und wir hätten auch sonst nie von Lobliedern auf das Kürbisgewächs gehört. Und doch kommt man an ihnen nicht vorbei, vor allem nicht im Spätsommer. Sie sind überall. Im Supermarkt und auf dem Gemüsemarkt. Und in den Hobbygärten, wo sie sich fett auf der Erde ausbreiten und zwischen Kürbissen Richtung Brombeerstrauch kriechen wie in einem Horrorfilm. Der Angriff der Zucchettiwürmer.

Verstehen Sie uns nicht falsch, wir finden das ja recht trashig. Und auch wir werden wieder ganze Armeen von Gläsern in den Keller zum Lagern bringen, gefüllt mit süsssauren Zucchettiwürfeln. Auch den süssen Zucchettikuchen von Betty Bossi lieben wir sehr, aber an mehr als drei Sonntagen hintereinander vertragen wir ihn trotzdem nicht.

Viel mehr wussten wir bis anhin nicht anzufangen mit dem blassen, freudlosen, sehr wässrigen Fruchtfleisch. Es war Zeit, das zu ändern! Und so haben wir Kochbücher durchforstet, Fernsehen geschaut, Mama angerufen. Und uns dann mit den Rezepten während Tagen in der Küche verschanzt. Gelernt haben wir vor allem: Es ist immer eine gute Idee, die Zucchetti irgendwie zu entwässern, sei es, in dem man sie raffelt, salzt und dann in einem Tuch auswringt, oder Salz darüber gibt und sie über einem Sieb austropfen lässt.

Übrigens: Für unsere Deutsch sprechenden Nachbarn heisst alles Zucchini, in der Schweiz aber sind es nur die kleinen, schlanken Exemplare. Alles andere ist Zucchetti. Das gilt auch für die folgenden Rezepte, die im Normalfall für vier Personen berechnet sind.

Erstellt: 24.08.2019, 10:41 Uhr

Sieben Zucchetti-Rezepte

Zucchini-Schafskäse-Rösti

Diese goldigen Taler haben wir im wunderbaren Buch «Cook Beautiful» von Athena Calderone (Knesebeck) entdeckt.

  • 2 mittelgrosse Zucchini, grob gerieben
  • 3 Frühlingszwiebeln, nur das Weisse und Hellgrüne, in dünne Ringe geschnitten
  • 5 EL gehackte frische Petersilie
  • 3 EL gehackter, frischer Dill
  • 1 Ei und 1 Eigelb
  • 75 g Weizenmehl
  • schwarzer Pfeffer
  • 115 g Feta, zerkrümelt
  • Rapsöl und Olivenöl
  • Meersalzflocken

Zucchini auf ein Handtuch legen und mit Salz bestreuen. Das Tuch in sich verdrehen, damit überschüssige Feuchtigkeit aus den Zucchini herausgedrückt wird. Zucchini mit Frühlingszwiebeln, Petersilie, Dill und Eiern vermengen. Mehl unterrühren. Mit Salz und Pfeffer würzen. Käse unter­heben, die Masse beiseitestellen.

Rapsöl und Olivenöl bei mittlerer Temperatur erhitzen. Portionenweise Röstimasse 1,5 – 2 Minuten von jeder Seite goldbraun braten. Auf einen mit Küchenpapier ausgelegten Teller setzen. Mit Meersalzflocken und grob gehacktem Dill garnieren.


Zucchetti Baba Ganoush

Das fertige Gericht sehe aus wie ein Vulkanausbruch, schreibt der israelische, in London stationierte Koch Yotam Ottolenghi, dessen Rezept wir schamlos abgeändert (also: vereinfacht) haben. Es schmeckt auch ein wenig so, weil man die Zucchetti entweder direkt ins Feuer gibt und verkohlen lässt oder sie schwarz grilliert. Es ist ein Traum, möchten wir hier bescheiden zu Protokoll geben.

  • Ca. 1 kg Zucchetti
  • 15 g Pinienkerne
  • Butter
  • wenig Zitronensaft
  • 1 – 2 Knoblauchzehen
  • Salz, Pfeffer

Zucchetti (oder besser: kleine Zucchini) auf Backpapier und einem Blech ca. 45 Minuten auf höchster Stufe grillen. Zwei-, dreimal wenden. Oder: Auf einem Grill grillen. Oder: Direkt ins Feuer legen. Aus dem Ofen nehmen, mit einem Löffel Fruchtfleisch ausschaben und zum Austropfen auf ein Sieb legen.

Pinienkerne in Butter braun rösten. Chiliflocken und Zitronensaft unterrühren. Zucchetti mit Knoblauch mischen, mit Salz und Pfeffer würzen und auf eine Platte streichen. Die Pinienkerne darüber geben und/oder eine warme Joghurtsauce oder Naturejoghurt.


Gemüse-Tatar

lieben Korsika. Und wir lieben dieses Buch: «Korsika. Das Kochbuch» (von Nicolas Strom­boni, Christian-Verlag). Und obwohl die Gerichte daraus nie so schmecken wie in Korsika, beruhigen sie unsere wilde Sehnsucht nach der Insel ein wenig. Wenn sie dieses einfache Gemüse-Tatar machen wollen, müssen Sie sich beeilen: Die Melonensaison neigt sich dramatisch dem Ende zu.

  • 3 Zucchini
  • 1 kleine, reife Melone
  • 2 Tomaten,
  • 1 rote Zwiebel
  • 1 Handvoll Kapern
  • ½ Bund Minze
  • ½ Bund Basilikum
  • Weissweinessig, Salz, schwarzer Pfeffer aus der Mühle

Zucchini würfeln. In einer Pfanne in Olivenöl ca. 20 Minuten garen. Über Nacht in einem Sieb abtropfen lassen. Am folgenden Tag das Fruchtfleisch der Melone und die Tomaten in kleine Würfel schneiden. Die Zwiebel, die Kapern, die Minze und das Basilikum hacken. Alles sorgfältig mischen. Die Zucchini untermengen. Mit Essig, Öl, Salz und Pfeffer anrichten, vor dem Servieren aber mindestens 60 Minuten im Kühlschrank ziehen lassen.


Zucchini fritti

Nigella Lawson, seit gefühlten 50 Jahren britische TV-Köchin, postete letzthin ein Bild von Zucchini fritti, sie schrieb dazu: «Denkt an Zucchetti-Chips!» Wir gingen ihrer Aufforderung nicht nach, sondern konnten an nichts anderes mehr denken, als dass wir das Rezept, das laut Nigella Lawson aus dem Londoner Restaurant River Café stammt, finden mussten, sie sahen einfach zu köstlich aus. Voilà:

  • 1 kg Zucchini
  • Meersalz
  • ca. 8 Tassen Sonnenblumenöl
  • 150 g Mehl, gesiebt
  • 3 EL Olivenöl extra vergine
  • 3 EL warmes Wasser
  • 3 Eiweisse

Zucchini in ca. 5 cm breite Scheiben schneiden, dann zu dicken Stäben. In ein Sieb geben, mit Meersalz bestreuen, 30 Minuten stehen lassen. Trocken tupfen. Für den Ausbackteig: Mehl in eine Schüssel geben, das Olivenöl in die Mitte giessen und langsam rühren. Wasser beigeben, sorgfältig rühren, bis eine geschmeidige Masse entsteht. Mindestens 45 Minuten stehen lassen.

Öl erhitzen (ca. 190°C). Eiweisse steif schlagen und dem Teig zugeben. Zucchettistäbchen eintunken und goldig frittieren.


Zucchetti-Pesto

Dieses einfache wie geniale Rezept haben wir im Buch «La Dolce Vita» von Eleonora Galasso (Knesebeck) gefunden, in dem es um Klassiker der römischen Küche geht.

  • 2 Zucchini oder ½ Zucchetti
  • 1 Prise Salz
  • 2 TL getrockneter Majoran
  • 1 Knoblauchzehe, geschält
  • 15 – 25 Basilikumblätter
  • 2 EL Pinienkerne
  • 2 EL natives Olivenöl extra
  • 40 g Pecorino romano, grob gehackt
  • 40 g Parmesan, grob gehackt

Zucchini in dünne Stifte schneiden. Diese in einem Sieb mit Salz bestreuen. Das Sieb in der Spüle 30 Minuten stehen lassen und die Zucchini entwässern lassen. Nach dem Abtropfen in einem Mixer die Zucchinistifte mit allen anderen Zutaten zu einer glatten, cremigen Paste verarbeiten. Den Pesto in sterilisierte Gläser geben oder direkt über die Pasta geben oder auf ein Brot streichen.

Pasta, Zucchetti, Mozzarella

Es gibt Dinge im Leben, die zusammengehören. Die drei Musketiere. Charlie’s Angels. Die drei Könige. Auch in der Kulinarik finden sich Trios, die zusammen unschlagbar sind. Eines davon ist Pasta, Zucchetti und Mozzarella. Kann sein, dass wir das Rezept ursprünglich bei Hugh Fearnley-Whittingstall geklaut haben, der ein Kochbuch geschrieben hat, das «3 Good Things» heisst (ja, wir sind ein wenig anglophil), aber wir kochen es schon so lange, und immer gleich, dass wir uns nicht sicher sind:

Zwei, drei Zucchini schälen, in Würfel schneiden und in Olivenöl andünsten, bis sie sehr weich sind. Knoblauch zugeben, ebenso Salz und Pfeffer. Die Mischung mit zerzupftem Mozzarella di bufala unter frisch gekochte Pasta geben. Was sollen wir sagen: It’s delicous!

Lauwarmer Zucchetti-Salat

An dieser Stelle wollten wir etwas weitergeben, das wir diese Woche im Fernsehen entdeckt haben:
Der israelische Koch Yotam Ottolenghi machte auf Kreta eine Tsatsiki – aus Zucchetti (statt Gurken)! Wie mutig! Und gut. Aber eben, Ottolenghi haben wir auch ein anderes Rezept zu verdanken (siehe Zucchetti Baba Ganoush), und deshalb führen wir hier den Salat auf, den es während unserer Kindheit immer gab. Jeden Tag, so will es die Erinnerung. Lauwarm schmeckt er am besten.


  • ½ Zwiebel

  • ca. 600 g Zucchetti

  • Salatsauce



Zwiebeln klein schneiden, Zucchetti in grosse Würfel schneiden, diese al dente kochen und mit der Salatsauce vermischen.

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