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Belämmert in Einsiedeln

Schafböcke sehen aus wie Lebkuchen-UFOs, die sich in irgendeiner Galaxis aus irgendeinem Grund zweigeteilt haben.

Himmlisch: Schafböcke aus Einsiedeln. Foto: Raphael Moser
Himmlisch: Schafböcke aus Einsiedeln. Foto: Raphael Moser

Madonna! Wir bezeichnen uns ja nicht direkt als religiös, doch in Einsiedeln SZ machen wir immer wieder spirituelle Erfahrungen. Da ist einerseits das Kloster, ein Bau mit einer Aura, die uns ganz still werden lässt. Ergriffen und etwas belämmert spazieren wir jeweils über den Klosterplatz zum Goldapfel hinunter, der ältesten Lebkuchen- und Schafbockbäckerei im Ort. Die Biber dort hauen uns jedes Mal um, die weissen vor allem. Doch um sie soll es heute nicht gehen, sondern um ein verwandtes Gebäck, den Schafbock, und hier kommt der Himmel im weitesten Sinne wieder ins Spiel.

Schafböcke sehen aus wie Lebkuchen-UFOs, die sich in irgendeiner Galaxis aus irgendeinem Grund zweigeteilt haben. Lebkuchen sind es trotzdem nicht; zwar bestehen sie aus ähnlichen Zutaten (Mehl, Wasser, Honig und Zucker), enthalten aber nur wenig Gewürze. Ihnen fehlt deshalb der typische Lebkuchen-Goût. Und zu viele der sinnlichen Freuden sollen ja nicht sein – so ein Schafbock schmeckt zwar himmlisch, ist aber ziemlich trocken. Und lange haltbar, was den Pilgern, die mit dem Gebäck in der Tasche Richtung Santiago de Compostela unterwegs sind, seit je entgegenkommt.

Holebänze, Häliböck, Sügger

Früher wurden Schafböcke vor dem Kloster feilgeboten – erstmals erwähnt wurden sie in einer Krämerordnung von 1631. «Schäfli-Leute» hiessen die Krämer, die sie damals verkauften, und es gab «Schäfli-Läden». Ein Nachfolger solcher ist nun eben der Goldapfel. Nicht weit von der Filiale am Klosterplatz, an der Kronenstrasse 1, steht ein Lebkuchenmuseum der gleichen Bäckerei, die seit fast 170 Jahren Schafböcke bäckt.

Nicht viel grösser als eine Baumnuss und ohne Füllung scheinen die Schafböcke, die in anderen Kantonen unter anderem «Holebänze», «Häliböck» oder «Sügger» heissen – gar unspektakulär. Ihr Äusseres aber lehnt sich an alte Rituale von Heiden an, die von Urchristen übernommen worden sind: Der Schafbock stellt ein im Gras liegendes Schaf dar. Früher wurde an Ostern das erstgeborene männliche Schaf des Jahres geopfert. Gott sei Dank ist unser Agnus Dei nur ein Honigkuchen. Und deshalb über das ganze Jahr hinweg erhältlich, auch bei der Bäckerei Tulipan, die ebenfalls am Klosterplatz liegt.

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In der Serie «Altbacken» stellen wir Bäckereien vor, die vom Aussterben bedrohte Backwaren herstellen oder anderweitig historisch versiert backen. Tipps gerne an: nina.kobelt@tamedia.ch.

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