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Bündner Spitzenbrände mit erstaunlicher Geschichte

Einfach in den Ruhestand zu gehen, kam für Robert Cathomas und Beni Simeon nicht in Frage. Also gründeten sie eine Schnapsbrennerei.

Brenner des Jahres 2017: Beni Simeon (l.) und Robert Cathomas.
Brenner des Jahres 2017: Beni Simeon (l.) und Robert Cathomas.
Stevan Bukvic
Der Rolls-Royce unter den Brennmaschinen: Die Holstein ist der ganze Stolz der beiden Bündner.
Der Rolls-Royce unter den Brennmaschinen: Die Holstein ist der ganze Stolz der beiden Bündner.
Stevan Bukvic
Auszeichnungen am Laufmeter: Für ihre Brände haben Simeon und Cathomas diverse Gold- und Silbermedaillen von Distisuisse gewonnen.
Auszeichnungen am Laufmeter: Für ihre Brände haben Simeon und Cathomas diverse Gold- und Silbermedaillen von Distisuisse gewonnen.
Stevan Bukvic
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Schon der klare, frische Duft verrät: Dieser Williams aus der Destillaria Daguot ist nicht irgendein Schnaps, sondern ein Destillat von aussergewöhnlicher Qualität. Im Mund geht das Vergnügen nahtlos weiter. Auf den milden, aromatischen Antrunk folgen Fülle, Fruchtsüsse und ein langes, intensives Finale. Kaum zu glauben, dass Robert Cathomas und Beni Simeon, die beiden Väter der Spirituose, erst seit sechs Jahren Schnaps brennen.

«Wir sind in unserer Freizeit 40 Jahre lang zusammen auf die Jagd gegangen, und als die Pensionierung näher rückte, fassten wir den Entschluss, nicht einfach in den Ruhestand zu gehen, sondern aus unserer Leidenschaft für Obstbrände einen Beruf zu machen», erklärt Simeon. Also schrieben sich die zwei Bündner am Landwirtschaftlichen Bildungszentrum in Cham ZG ein und absolvierten die einjährige Ausbildung zum Brennmeister.

Als Belohnung für das Diplom schenkten sie sich eine Brennanlage der Spitzenklasse, hergestellt von der Firma Holstein in Markdorf am Bodensee. «Eine Holstein ist der Rolls-Royce unter den Brennanlagen», sagt Robert Cathomas und poliert liebevoll den Kessel der aus Kupfer und Edelstahl gefertigten Apparatur. Einer ihrer Vorzüge sind mehrere Böden, die helfen, willkommene von unwillkommenen Inhaltsstoffen der Maische zu trennen.

Aber worauf kommt es sonst noch an bei der Arbeit in der Destillerie? «Die Früchte, die wir für unsere Brände verwenden, liegen uns besonders am Herzen. Reif und gesund müssen sie sein – und aus der Region. Sind alle diese Bedingungen erfüllt, können wir mit gutem Gewissen brennen und die Destillate danach im Fass reifen lassen», führt Beni Simeon aus.

Bevor die eigentliche Arbeit beginnt, beobachten er und Cathomas deshalb ganz genau, wie sich die Früchte entwickeln. «Eine Williamsbirne zum Beispiel wird lange Zeit jeden Tag besser und besser. Wenn man sie mit der Hand zerdrücken kann und süsser Saft herausläuft, ist sie bereit zum Einmaischen. Verpasst man diesen Moment, nimmt die Qualität rapide ab. Drei, vier Tage später ist sie schon mehlig und schmeckt nicht mehr», so Simeon.

Wie sein Schwager Cathomas liebt er an der Arbeit in der Destillerie auch den Wettbewerb mit der Konkurrenz: «Wir vergleichen die Brände aus anderen Betrieben bei Blinddegustationen mit unseren oder lesen die Degustationsnotizen in Fachpublikationen, um zu wissen, wo wir stehen.» Ein wichtiger Gradmesser sind natürlich auch die Prämierungen des Branchenverbandes Distisuisse – und dieser zeichnete Beni Simeon und Robert Cathomas 2017 als Brenner des Jahres aus. Zudem gab es für die Brände und Liköre der Destillaria Daguot schon diverse Gold- und Silbermedaillen. «Wir probieren und tüfteln – und erst, wenn für uns alles passt, kommt der Brand in den Verkauf. Da wir nicht darauf angewiesen sind, mit den Bränden Geld zu verdienen, können wir uns diese Freiheit nehmen», begründet Simeon die Erfolgsgeschichte.

Übrigens: Auch einen Gin aus Ilanz gibt es. Er ist – wie sollte es anders sein? – aussergewöhnlich charaktervoll, fokussiert auf das Aroma des Wacholders und verliert sich nicht in Zitrus- oder Kräuternoten. «Als wir Kinder waren, hatten unsere Eltern stets eine Flasche Wacholderschnaps zu Hause. Wenn wir uns unwohl fühlten, bekamen wir jeweils einen Würfelzucker mit ein paar Tropfen von dem Schnaps darauf», erklärt Robert Cathomas. «Diesen Geschmack, an den wir uns bis heute erinnern, wollten wir nun in die Flasche bringen.» Dass dies ausgezeichnet gelungen ist, belegt die Wertung des renommierten Genussmagazins «Falstaff» – 93 von 100 Punkten. So viele erhielt nur ein weiterer Schweizer Betrieb.

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