Das aufregendste Restaurant Europas

Ein Koch der internationalen Topliga verwandelt ein prunkvolles Palais für fünf Wochen in ein Pop-up-Lokal. Wow-Effekt garantiert.

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Die Welt der Gastronomie ist voller Superlative. Und so klingt es zunächst einmal platt, wenn einer vom «aufregendsten Restaurant Europas» schreibt. Ein anderer Ausdruck würde dem Pop-up-Projekt von Barbara Eselböck und ihrem Mann Alain Weissgerber allerdings nicht gerecht werden. Weissgerber, einer der besten Köche im deutschsprachigen Raum, lässt seine Kreationen vom 17. November bis 22. Dezember unter riesenhaften Kronleuchtern, in den mit Seidentapeten und edlem Holz ausstaffierten Prunksälen des 1851 erbauten Wiener Postpalais auftragen.

«Wir wollen Wien als Schmelztiegel der Kulturen kulinarisch abbilden und die grosse Klassik auf unsere ganz eigene Art wieder aufleben lassen. Weisse Handschuhe fürs Servierpersonal inklusive», sagt Barbara Eselböck, die während des fünfwöchigen Gastspiels in Wien an der Front als Gastgeberin auftritt.

Weitere Features des Projekts namens Brieftaubenkobel: Grosses Pièces, die am Tisch tranchiert werden, ein reich bestückter Dessertwagen und viele liebevolle Details. Etwa silberne Suppentassen, aus denen die Consommé am Tisch in den tiefen Teller gegossen wird, oder das stets wiederkehrende grafische Element der Briefmarke mit einem Taubenkopf in der Mitte. Wenn es zeitlich machbar ist, soll den Gästen sogar eine Pferdekutsche als Transportmittel zur Verfügung stehen. Dazu gibts eine Bar, die täglich ab 17.30 Uhr geöffnet und auch ohne Reservation zugänglich ist.

Menüs ab 98 Euro

Der gebürtige Franzose Alain Weissgerber, vom österreichischen «Gault Millau» mit 18 von 20 Punkten ausgezeichnet, versteht es auf brillante Weise, die Präzision der kulinarischen Moderne mit dem Feel-good-Faktor der Küche Österreichs und seiner Kronländer zu verbinden. Die jüngst veröffentlichte 50-Best-Chefs-Austria-Liste bescheinigt ihm einen «schonungslos kreativen kronländerisch-pannonischen Küchenstil» und setzt ihn auf Rang 4 des illustren Rankings.

Im Brieftaubenkobel wird es freilich ein wenig klassischer und pompöser zugehen als im Stammhaus, dem Taubenkobel unweit des Neusiedlersees. Die Gäste dürfen sich unter anderem auf Flusskrebse, weisse Trüffeln, Hechtnockerl mit Kaviar oder Bressehuhn im Silber mit geschmortem Gemüse und Morcheln freuen. Die Menüpreise beginnen bei 98 Euro pro Person. Nicht viel mehr als in einem herkömmlichen Zürcher Pop-up also...

Ein Idyll unweit des Neusiedlersees

Ein Besuch bei Familie Eselböck-Weissgerber lohnt sich natürlich auch dann, wenn der Brieftaubenkobel seine Türen wieder geschlossen hat und der Tross nach Schützen am Gebirge – 45 Autominuten von Wien entfernt – zurückgekehrt ist. Der Betrieb, von Barbara Eselböcks Eltern aufgebaut, ist ein aus einer ganzen Reihe von Häuschen im burgenländischen Stil bestehendes Idyll mit traumhaftem Garten und Badeteich. Zum Restaurant gehört ein der Gruppe Relais & Châteaux angeschlossenes Hotel.

Ein wenig spitz formuliert tun sie im Taubenkobel seit mehr als zwei Jahrzehnten schon das, was die nordische Küche so medienwirksam als ihre Erfindung verkauft hat: Kochen mit Wiesenkräutern, Wildblüten, Beeren, Fisch und Gemüse aus der unmittelbaren Umgebung.

Postgasse 8, 1010 Wien, 17. November bis 22. Dezember 2017
www.brieftaubenkobel.com
(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.11.2017, 11:14 Uhr

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