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Das Fleisch bleibt schwach

Karnivoren reden ihren Konsum gerne schön.

Bewusste Karnivoren sollten Forderungen nach strengeren Tierschutzmassnahmen unterstützen. Oder sich das Tatarbeefsteak abgewöhnen. Foto: VQH
Bewusste Karnivoren sollten Forderungen nach strengeren Tierschutzmassnahmen unterstützen. Oder sich das Tatarbeefsteak abgewöhnen. Foto: VQH

Früher hagelte es Sprüche, ständig, à la «Eine Blutwurst würde dir doch guttun» oder «Ihr esst den Tieren das Futter weg». Heute bekommen Vegetarier eher Rechtfertigungen zu hören: «Ich esse nur wenig Fleisch und dann aus guter Haltung», sagen die Karnivoren, meistens ungefragt. Oder: «Bei Schweizer Fleisch weiss man, dass alles recht zu- und hergeht.»

Auch diese Verteidigungsstrategie wackelt. Das zeigen zwei aktuelle Meldungen. Der Anteil von Biofleisch stagniert in der Schweiz bei 5,7 Prozent. Das Wachstumspotenzial scheint erschöpft. Viele Fleischesser und Fleischesserinnen wollen offenbar nicht mehr Geld für eine bessere Tierhaltung ausgeben.

Die meisten Schlachtbetriebe gingen schonend um mit den Tieren, heisst es im Bericht. Aber das reicht nicht.

Auch der Übergang von der Weide auf den Teller läuft nicht so harmonisch, wie die Werbung suggeriert. 2018 kontrollierte der Bund 67 Schlachtbetriebe. In der Mehrheit der kleineren und in knapp der Hälfte der grossen Schlachtereien stellten die Experten Mängel beim Tierschutz fest.

Den wartenden Tieren fehlte es zum Beispiel an Futter. Beim Betäuben war die Stromleistung zu schwach, oder die Stromzange wurde nicht richtig angesetzt. Nach dem Ausbluten durch einen Kehlenschnitt machten die Metzger zu schnell weiter. Für die betroffenen Tiere, vor allem Schweine, hat das brutale Folgen. Sie werden teilweise bei Bewusstsein aufgeschlitzt, gebrüht oder zersägt. Von «alarmierenden Zuständen» spricht der Schweizer Tierschutz.

Die meisten Schlachtbetriebe gingen schonend um mit den Tieren, heisst es im Bericht. Aber das reicht nicht. Laut Experten hängt es von vielen Details ab, ob die Schlachtung schmerzfrei gelingt. Der Bericht fordert alle Beteiligten auf, «einen bewussteren Beitrag» zum Tierschutz zu leisten.

Die bisherigen Kontrollen in den Schlachthöfen würden wenig bringen, finden Tierschützerinnen. Sie verlangen eine strengere Aufsicht und härtere Strafen. Wer den Tieren zu viel Leid antue, soll die Lizenz zum Töten verlieren. Bewusste Karnivoren müssten solche Forderungen voll unterstützen – ebenso die Initiative gegen Massentierhaltung. Sonst sind ihre Bekenntnisse zum vernünftigen Fleischverzehr noch weniger originell als die Vegi-Sprüche von früher.

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