Die beste Pizza der Schweiz

Für den Klassiker der italienischen Küche braucht es wenige Zutaten, aber einen Meister-Pizzaiolo.

Brotteig, Mozzarella, Tomaten und ein heisser Ofen – fertig ist die Pizza. Foto: Reto Oeschger

Brotteig, Mozzarella, Tomaten und ein heisser Ofen – fertig ist die Pizza. Foto: Reto Oeschger

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Schmeckt Ihnen Pizza? Kaum jemand, der auf diese Frage nicht entschieden mit ‹ja› antworten würde. Fragt man stattdessen nach einer guten Pizzeria, wird bei der Antwort schon eher gezögert.

Wir haben die Leserinnen und Leser der «Sonntagszeitung» nach Ihren liebsten Lokalitäten gefragt - und einige davon getestet. Lesen Sie hier die Restaurantkritiken und den Pizza-Onlineguide, wo alle vorgeschlagenen Pizzerien aufgelistet sind.

Schützenstube, Zofingen AG

Leider können wir nicht von A bis Z alle Pizzerias durchtesten, welche uns die Leserschaft empfohlen hat. Und so kommen wir schon zum Ende unserer Serie, in der wir die beste Pizza der Schweiz gesucht haben – nämlich zu Z wie Zofingen. In der Altstadt besuchen wir die Schützenstube, an deren Fassade neben einer Schweizerfahne auch eine italienische Tricolore weht. Dass auf dem Tisch warme Brötchen und tiefrotes ’Nduja stehen, freut uns – wir lieben diese pikante, streichfähige Rohwurst aus Kalabrien.

Die Pizza kommt schnell. Und überzeugt mit ihrem durch und durch knusprigen Teig – «350 Grad» leuchtet es auf der Anzeige des Ofens. Wohlgemerkt, es ist kein zu dünner Boden, wie man ihn oft antrifft und der zu Recht von vielen als «Flammkuchen- statt ­Pizzaboden» kritisiert wird. Der Käse hält sich ­aromatisch schön im Hintergrund. Die Tomatensauce ist eine Spur zu wenig gesalzen, was die Kombination der drei Hauptzutaten fast zu brav erscheinen lässt. Aber soll man das kritisieren? Es zeigt vielmehr, wie schweizerisch die Spezialität Pizza ­hierzulande längst geworden ist.

Um Welten besser als Tiefkühlpizza

Wir wagen ein Fazit: Im Napulé in Meilen, fanden wir, war der Käse für manchen Geschmack wohl zu säuerlich. Manche dürften die Einrichtung im Spuntino im Reichenburger Shoppingcenter zu ungemütlich finden. Im Giovanni in Scuol, so kann behauptet ­werden, war der Teig zu trocken. «Bravheit», beziehungsweise zu wenig Raffinesse, ist heute der Kritikpunkt in Zofingen. Trotzdem: Jede probierte Pizza war um Welten besser als all die Tiefkühlteigfladen, die man daheim in den Ofen schieben kann. Sehen Sie sich also auf jeden Fall nochmals all die ­eingesandten Adressen unter pizza.tagesanzeiger.ch an und gehen Sie aus – bevor Sie daheim zu fragwürdig-trauriger Ersatzware greifen.

Schützenstube, Vordere Hauptgasse 34, Zofingen AG, Tel. 062 751 93 77; Pizza ab 16 Franken, Dienstag geschlossen.

Pizzeria Giovanni

Eine der grossen Fragen rund ums Thema Pizza: Was darf drauf? Ich bin der Meinung, dass man da nicht päpstlicher sein sollte als der Papst. Auch wenn die Puristen natürlich die EU-Verordnung 97/2010 auf ihrer Seite haben, wenn sie behaupten, es seien nur die «Margherita» mit Mozzarella, Tomaten, Olivenöl und Basilikum zulässig sowie die «Marinara» mit Tomaten, Olivenöl, Knoblauch und Oregano. Aber wir sind hier schliesslich nicht in Brüssel. Wenn jemand Artischocken und Oliven mag, dann soll er doch in Gottes Namen seinen Teigfladen damit belegen. Wer viererlei Käse und Schinken bevorzugt, meinetwegen. Die Kriterien bei unserer Suche nach der besten Pizza der Schweiz tangiert dies wenig. Wir wollen wissen: Wie brotig ist der Teig? Wie fein der Käse? Wie tomatig schmeckt die Tomatensauce? Und ist alles so portioniert, dass sich diese Zutaten gegenseitig beflügeln? Diese Woche waren wir zu Gast in der Pizzeria Giovanni in Scuol. Leserin D. R. hat geschrieben, dort seien die Pizzas «sensationell» und erst noch bio-zertifiziert. Das Lokal sei ein Geheimtipp!

Ein Geheimtipp allerdings, den schon einige kennen. Mitten im Februar ist das Lokal an einem Freitagabend bis auf den letzten (weiss gedeckten) Tisch ausgebucht. Und es stört sich auch niemand daran, dass man hier auch unkonventionelle Pizzabeläge auf der Karte stehen hat: So wird «Soraja» mit Wienerli bestückt. Und auf die veganen Teigfladen kommt statt Käse Mandelmus. Was ich – angereist mit der Familie – besonders sympathisch finde: dass die Kellnerin nicht mit der Wimper zuckt, als wir alle vier «nur» Pizza bestellen, auch wenn mit je zwei Gabeln und Messer pro Gedeck angedeutet wird, dass man hier eigentlich Vor- und Hauptspeise geniesst.

Wunderbare Blasen

Zur Pizza: Der verwendete Mozzarella ist aromatisch zurückhaltend und in keinster Weise gummig; die Tomatensauce gut gesalzen. Man sieht es sofort, der Teig wirft wunderbare Blasen. Dass die Pizza im Holzofen war, schmeckt man nicht; muss man auch nicht schmecken. Bloss: Der brotige Duft des Teigs, der dürfte ausgeprägter sein. Und kriegt man ihn nicht elastischer und weniger trocken hin? Eine sehr gute Pizza, zweifelsohne. Aber die beste der Schweiz?

Pizzeria Giovanni, Stradun 201, 7550 Scuol, Tel. 081 864 14 51; Pizza ab 17 Franken, Vorspeisen ab 8.50 Franken. Jeweils ab 18 Uhr, Di geschlossen.

Pizzeria Napulé, Meilen ZH

Es sind eigentlich nur Brotteig, Käse und Tomaten. Und doch ist eine gelungene Pizza ein Gericht, für das man meilenweit zu reisen bereit ist. Bloss: Wo bekommt man den italienischen Teigfladen in Perfektion? Dieser Frage wollen wir uns hier in den kommenden Wochen widmen. Eine mögliche Antwort lieferte jüngst ein Kollege von «Gault Millau»: Er schreibt, die «beste Pizza der Schweiz» sei in Meilen am Zürichsee im Restaurant Napulé zu geniessen. Klar, dass wir dorthin mussten. Weniger, um die schreibende Konkurrenz zu überprüfen. Nein, vielmehr, um uns selbst Gutes zu tun. Pizza ist und bleibt, dieses Geständnis sei hier gemacht, das wohl einzige Gericht, das der Verfasser dieser Zeilen jeden Tag geniessen könnte. Im Winter neben der Skipiste, im Sommer auf der Piazza. Wenn die Spezialität im Napulé nur halb so gelungen daherkommen würde, wie behauptet, dann ...

Es ist kein schönes Gasthaus, die Pizzeria in Meilen; eng bestuhlt, die Servietten sind aus Papier. Und der Salat, den man uns als Vorspeise serviert, ist mit seinen schon etwas traurig wirkenden Rucolablättern und den geschmacklich nicht wirklich betörenden Cherrytomaten keine gute Visitenkarte. Doch muss dieser erste Eindruck ja nichts bedeuten – man kennt es aus Italien: Unsereins hat schon in einer sizilianischen Pizzeria gesessen, die mehr an einen Campingimbiss als an ein Restaurant erinnerte. Und die Pizza war perfekt. Werden wir an diesem Sonntagabend in Meilen ähnlich positiv überrascht wie damals?

Ein wunderbarer Teig

Tatsächlich wird wenig später eine Margherita aufgetischt, die mit geschmacklicher Harmonie zu überzeugen vermag. Der Sugo schmeckt nach sonnigen Tomaten und einer Andeutung von Salz, sonst nix. Der Mozzarella gibt der Sache eine zurückhaltende, passende Note von Säuerlichkeit. Und der Teig, oh dieser wunderbare Teig, wirft grosse Blasen; er duftet und schmeckt herrlich nach frischem Brot – was wohl der Tatsache geschuldet ist, dass man ihm genug Ruhezeit gegönnt hat. Drei Basilikumblätter krönen die Kreation, so wie es sein muss.

Ob das zu überbieten ist? Um dies zu beantworten, zählen wir auf Sie, liebe Leserinnen und Leser. Wo haben Sie in der Schweiz die Pizza ihrer lukullischen Träume gegessen? Schreiben Sie uns – wir sammeln die überzeugendsten Adressen in der Schweiz. Im Idealfall ist der italienische Teigfladen tatsächlich mehr als nur Brotteig, Tomaten und Käse – eine Speise nämlich, die glücklich macht.

Pizzeria Napulé, Kirchgasse 59, 8706 Meilen, Tel. 044 923 02 02; Pizza ab 20.50 Franken; Di–Fr ab 18 Uhr, Sa/So ab 11 Uhr.

Spuntino, Reichenburg SZ

Wir haben uns bestens unterhalten, Franco Maggio und ich, über den Film «The Founder», den er am Vorabend im italienischen Fernsehen gesehen hat und der die Geschichte des McDonald’s-Gründers Raymond Kroc erzählt. Und von seinem Sohn hat der Pizzaiolo berichtet; auf dem Handy zeigte er mit viel väterlichem Stolz ein Foto des linksfüssigen U-14-Verteidigers.

Der Grund meines Besuchs bei Franco Maggio in Reichenburg SZ? Ich bin weiterhin auf der Suche nach der besten Pizza der Schweiz; und gleich fünf Leser haben mir geschrieben, wie gut diese im Spuntino von Franco Maggio schmecke: «Es geht um die Kunst, Brotteig, Käse und Tomaten zu einem Zauberwerk für die Sinne verschmelzen zu lassen», sei stellvertretend Leser R. G. zitiert. Beim Spuntino handelt es sich nicht um eine Pizzeria mit weissen Tischtüchern, silbernem Besteck und ledereingefasster Speisekarte – sondern um einen Take-away in einem Shopping-Komplex in der Linthebene. Bei meinem Besuch wirkt das Center fast ausgestorben, da die anderen Geschäfte bereits geschlossen sind. Meine Pizza esse ich auf einem Barhocker an einem Stehtischchen.

Mehr rahmiges Aroma, bitte!

Der Teigfladen ist in der Tat gelungen: Die Tomatensauce wird zurückhaltend auf den Fladen gegeben und schmeckt angenehm salzig. Der Teig ist knusprig und riecht schön nach Brot. Wenngleich er vielleicht ein paar Stunden länger hätte ruhen können: «Ich habe ihn ausnahmsweise erst heute Morgen um 11 Uhr vorbereitet», sagt Maggio. «Hätte er über Nacht geruht, wäre das Resultat noch besser.» Welch entwaffnende Ehrlichkeit.

Der verwendete Mozzarella könnte indes eine Spur feiner sein: Schon zwei, drei Minuten, nachdem das radgrosse Kunstwerk aus dem Ofen kommt, wirkt der Käse ein wenig zu kompakt. Zudem wünschte man sich etwas mehr rahmiges Aroma, weniger «Raclette-Gout». Deshalb reicht es nicht ganz zur besten Pizza des Landes. Aber den wahrscheinlich sympathischsten Pizzabäcker der Schweiz, den haben wir in Reichenburg kennen lernen dürfen!

Spuntino im Hirzlipark, Kantonsstr. 60, 8864 Reichenburg, Tel 055 444 23 22; Sonntags und Montagabend geschlossen, Pizza ab 12 Franken.

Erstellt: 23.02.2018, 14:17 Uhr

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