So schmecken die Weissweine von 2018

Kaum ein Schweizer Jahrgang wurde sehnlicher erwartet als der 2018er: Nun kommen die ersten weissen Abfüllungen auf den Markt. Unsere Tipps.

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«Wir waren tatsächlich ausgeschossen», sagt der Zürcher Weinhändler und Produzent Marc Landolt. «Unsere Lager waren komplett geleert.» Er sei echt froh gewesen, dass seine Weissweine des Jahrgangs 2018 aufgrund der frühen Ernte auch entsprechend früh – also schon vor ein paar Wochen – abgefüllt werden konnten. Und jetzt endlich auf den Markt kommen.

Wir erinnern uns: 2017 hatte der späte Frost im April vielen Schweizer Winzern einen Strich durch die Rechnung gemacht. Der Wetterschaden war immens, sodass manche Weinbauern gar nichts abfüllen konnten; bei anderen waren die Erträge merklich minimiert. Dies hatte zur Folge, dass im letzten Jahr fast alles verkauft wurde, was noch da war, nämlich die Weinvorräte von 2016. Und die sind inzwischen, was die Weissweine angeht, wohl ausgetrunken.

Zufriedenheit im Waadtland

Umso gespannter dürften die Weingeniesser nun sein, wie denn die Rebensäfte, die letzten Herbst gelesen wurden, ausgefallen sind. Die Weinbauern waren ja, glaubte man den ersten Einschätzungen, mit dem warmen Sommer durchs Band zufrieden. Auch weil er in einen lauschigen Herbst mit kalten Nächten mündete. Die Abfüller hofften darum auf Weine so gelungen wie im Ausnahmejahr 1959, sagt stellvertretend der Grandseigneur des Waadtländer Weinbaus, Louis-Philippe ­Bovard aus Cully: «Mein Vater meinte einmal, solche Jahrgänge erlebe man höchstens ein-, zweimal im Leben.»

Hitze und Trockenheit in den Sommermonaten – den meisten Rotweinen dürfte solches Wetter tatsächlich entgegengekommen sein. Bloss schlummern diese grösstenteils noch in den Barriques. Die Frage sei darum erlaubt, ob der drittwärmste Sommer seit Messbeginn im Jahr 1864 nicht auch zum Problem geworden sein könnte. Für die Weissweine nämlich, die im Wesentlichen ja von einer knackigen oder zumindest frischen Säure leben.

Hitze als Gratwanderung

Ein hoher Alkoholgehalt sei in der Tat nicht alles, man brauche auch Säure, sagt etwa Sabine Steiner, Winzerin am Bielersee. «Und darum sind solche Jahre eine Gratwanderung.» Ihr sei entgegengekommen, dass sie rund um die Traubenstände viel schattenspendendes Laub hängen gelassen habe – in einem heissen Sommer ein Vorteil. «Zudem konnten wir ein bis zwei Wochen früher lesen als üblich, weil das Traubengut schon Anfang September reif war.»

Nur nicht zu lange hängen lassen, so lautete die Devise vielerorts. Auch im Kanton Schaffhausen bei Markus Ruch, der bekannt ist für säurebetonte Weine. Bei ihm schmecken die 2018er wie vielerorts überzeugend, doch er selbst ist sich sein härtester Kritiker: «Man merkt dem ­Jahrgang die Wärme an, für meinen Geschmack ginge es aber noch ­knackiger.»

Erstellt: 27.04.2019, 10:18 Uhr

Tag der offenen Weinkeller

Für diese Degustation haben wir rund 30 Weissweine aus allen offiziellen Weinbauregionen der Schweiz verkostet; es sind dies Wallis, Genf, Waadt, Drei-Seen-Gebiet, Tessin und die Deutschschweiz. Auserkoren wurden diejenigen Tropfen, die aufgrund ihrer Säure überzeugten. Sie wollen sich selbst ein Bild machen? Über 200 Winzerinnen und Winzer aus der Deutschschweiz schenken dieser Tage ihre neuen Weine aus: am Dienstag, 1. Mai, sowie Samstag/Sonntag, 4. und 5. Mai, jeweils ab 11 Uhr. Auch die anderen Regionen ziehen mit: Am 25. Mai erwarten die Genfer Weinbauern ihre Kundschaft. Vom 25. Mai bis zum 2. Juni ist dies im Tessin der Fall; vom 30. Mai bis 1. Juni im Wallis; am 8. und 9. Juni im Waadtland. Die Gelegenheit, weitere Weine zu entdecken, um den Keller zu Hause wieder aufzufüllen. (boe)

www.offeneweinkeller.ch

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