In neun Schritten zum Vegetarier

Der Geist ist willig, doch das Fleisch ist zu verführerisch? Wer auf eine vegetarische Lebensweise umstellen will, hat es unter Umständen schwer. Die besten Tipps für Anfänger.

Vegetarisch für Anfänger und Fortgeschrittene: Burger mit Tofu, Ananas und Gemüsespiralen. Foto: StockFood

Vegetarisch für Anfänger und Fortgeschrittene: Burger mit Tofu, Ananas und Gemüsespiralen. Foto: StockFood

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Das Klima. Massentierhaltung. Überhaupt die Liebe zum Tier. Eine Diät. Das Cholesterin. Vitaminmangel. Die Angst vor Medikamentenresten oder Viren im Fleisch: Es gibt unzählige Gründe, warum sich jemand vegetarisch oder gar vegan ernähren möchte. Allerdings fällt es manchen schwer, die guten Vorsätze in die Tat umzusetzen. Wir verraten Ihnen die besten Tipps.

1 – Gönnen Sie sich erst mal einen Netflix-Abend. Oder lesen Sie wieder mal ein Buch.

Nicht irgendeines, natürlich. Wir empfehlen Karen Duves Selbstversuch «Anständig essen» oder Jonathan Safran Foers «Tiere essen». Oder gleich ein Kochbuch: Yotam Ottolenghis «Genussvoll vegetarisch» liefert eine Menge toller Rezepte. Die Dokumentationen über Fleischessen, Massentierhaltung und furzende ­Kühe schauen Sie sich aber vielleicht erst nach dem Essen an, zum Beispiel «Cowspiracy» und «What the Health» (beide auf Netflix, Letzterer online unter: Whatthehealthfilm.com).

2 – Hören Sie auf Paul McCartney.

Wir haben es an dieser Stelle schon einmal erwähnt, wiederholen uns aber gern: Der prominenteste Vegetarier der Welt, Ex-Beatle Paul McCartney, hielt 2009 eine Rede vor dem Europäischen Parlament. Die Kernaussage von «Global Warming and Food Policy: Less Meat = Less Heat» ist aktueller denn je: Wenn alle wenigstens einen fleisch­losen Tag in der Woche einlegen würden, wäre die Welt – klimatechnisch – eine bessere.

3 – Gehen Sie zum Italiener.

Pasta, Pizza, Risotto: Die italienische Küche ist ein Schlaraffenland für Vegetarier. Auch auf asiatischen, orientalischen und indischen Speisekarten stehen viele fleischlose Gerichte.

4 – Kaufen Sie Mandelmus, auch wenn es teuer ist.

Attila Hildmann wurde einst ­Vegetarier, weil er den riesigen Fleischkonsum des Adoptivvaters für dessen Tod verantwortlich machte. Heute ist Hildmann Deutschlands Vorzeigeveganer und vertreibt über seine Website Produkte wie vegane Mayonnaise oder Hummus. Die Rezepte in seinen zahlreichen Kochbüchern sind einfach nachzukochen – und fast überall ist weisses Mandelmus (250 g, 10.50 Fr. bei Alnatura) drin. Hildmann setzt es ein als Rahmersatz, als Bindemittel, als Geschmacksverstärker. Zum Beispiel in seiner Carbonarasauce (mit Räucher­tofu, übrigens ein vorzüglicher Ersatz für geräucherten Speck).

5 – Weichen Sie aus.

Fleisch- und Wurstersatzwaren werden gern belächelt. Lassen Sie sich nicht beirren. Vor allem, wenn Ihr Lieblingsgericht nun mal Spaghetti bolognese ist. Ja, Soja-Gehacktes mag wie ein schlechter Witz klingen, schmeckt aber ganz okay. Ehrlich.

6 – Nutzen Sie den Tag.

Genauer: die zwei kommenden Wochen. Vom 3. bis zum 16. Juni ­servieren rund 25 Gourmetrestaurants in der Schweiz vege­tarische oder vegane Menüs. Die Veranstaltung heisst Veggie Week und wurde erstmals 2017 in Genf durchgeführt – ­damals dauerte sie eine Woche (veggieweek.ch) .

7 – Hören Sie auf, sich Sorgen zu machen.

Ja, Ihnen werden im Fleisch enthaltene Stoffe fehlen. Ein Problem ist das aber nicht. Essen Sie Milchprodukte, Eier oder Sojaprodukte und Hülsenfrüchte wegen der Proteine, noch mehr Eier für das Vitamin B12 und grünes Gemüse wie Spinat oder Mangold sowie Vollkornprodukte ­wegen des Eisens.

8 – Wenn Sie einknicken: Gönnen Sie sich ein gutes Stück Fleisch. Oder eine Wurst.

Viele Neo-Vegetarier machen den gleichen Fehler wie andere Anfänger: Sie wollen zu schnell zu viel und scheitern genau deshalb. Vegetarismus ist ja keine Prüfung mit Abgabeschluss. Wenn Sie also diesen Sonntag Lust auf die St. Galler Bratwurst verspüren, die beim Spontangrillieren mit den Nachbarn verlockend auf dem Rost brutzelt, schnappen Sie sie sich. Montag ist auch noch ein Tag. Vielleicht sogar ein fleischloser.

9 – Seien Sie tolerant.

Sollten Sie es geschafft haben (herzliche Gratulation!), erinnern Sie sich doch ab und zu an Ihre Fleischzeiten zurück. Was wir damit sagen wollen: Mutieren Sie um Himmels willen nicht zur Fleischpolizei und verurteilen alle, die sich mal ein Steak gönnen. Schlechte Gedanken sind nämlich für eine gute Gesundheit auch nicht gerade förderlich.

Erstellt: 01.06.2019, 21:25 Uhr

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