Fein raus mit hippiesker Leichtigkeit

Der Frühling ist da und mit ihm die Sehnsucht des Menschen, ins Grüne zu fahren. Tipps von zwei Outdoorköchen, wie derlei Pläne aus kulinarischer Sicht gelingen könnten.

Yves Seeholzer mit 11-Kilo-Gasflasche und Outdoorküche in Neuseeland. Fotos: Knesebeck-Verlag

Yves Seeholzer mit 11-Kilo-Gasflasche und Outdoorküche in Neuseeland. Fotos: Knesebeck-Verlag

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Diese Tage Anfang April: Es ist wärmer als eben noch, und alles scheint möglich. Jetzt möchte man losfahren. Ins Grüne, vielleicht sogar für richtige Ferien! Kulinarisch waren solche kleinen Auszeiten «on the road» oder auch im Wandergebiet einst ja geprägt von Teigwaren. Die nie al dente waren, sondern Matsch. Spaghetti kamen erst gar nicht infrage, weil der Gaskocher zu klein war für eine grosse Pfanne. Am Schluss goss man jeweils eine kalte Sauce aus einem Päckchen über die Teigwaren und gab ein paar Brocken Käse dazu. Falls welcher zugegen war.

Fladenbrot, Gemüsefüllung und Kokosdip, draussen.

Heute, scheint es, ist alles ein wenig komplizierter. Viele steigen etwa für einen Roadtrip erst gar nicht mehr ins VW-Büssli, viel eher fahren sie mit dem SUV zum Glamping. Um an irgendeinem Bergsee in einem Lodgezelt zu nächtigen, das ausgestattet ist wie ein besseres Hotelzimmer. Selbst dem Kochen scheint diese hippieske Leichtigkeit vergangener Tage abhandengekommen zu sein, man denke nur an die Laktose- und sonstigen Intoleranzen und die Vitamine, die wir glauben uns zuführen zu müssen. Und an die Kids – man kann ihnen doch nicht jeden Abend Pasta mit Ketchup servieren!

Erfrischend unkompliziert

Und da kommen Yves Seeholzer und Iwan Hediger ins Spiel. Die beiden Köche seien hier erwähnt, weil sie eben ihr zweites Buch «Great Adventure Cooking» herausgegeben haben. Darin finden sich Rezepte, die man gut draussen nachkochen kann. Wie Seeholzer und Hediger vielleicht, die mit einem Offroader unterwegs waren, mit einer 11-Kilo-Gasflasche und einem Grill. Oder, und dazu braucht es wohl mehr Geduld, mit einem herkömmlichen, kleinen Gaskocher. Als Duo nennen sie sich «Zwei Pfannen», weil sie nicht viel dabeihatten, als sie durch Neuseeland fuhren, wo das Kochbuch entstand. Sich aber trotzdem nicht scheuten, auf ungewohnte, manchmal kompliziert wirkende Esswarenkombinationen zu setzen. Ihr Credo: Draussen kochen ist eigentlich dasselbe wie zu Hause kochen.

Von vielen anderen Kochbuchautorinnen und -autoren unterscheidet sie auch, dass Kochen nichts ist, aus dem man eine Religion machen müsste. Es regnet? Dann essen «Zwei Pfannen» eben (gekaufte) Wraps mit einer Füllung aus Zutaten, die gerade vorrätig sind. Oder sie fahren gleich ins Restaurant. Es gibt keine Ananas im Luzernischen, wo sie normalerweise leben? Pfirsiche tun es ja auch. Hinzu kommt, dass die beiden sich vegetarisch ernähren, was man erst auf den zweiten Blick realisiert. Diese erfrischende Unkompliziertheit ist auf jeder Seite des Kochbuchs zu spüren. Und das erinnert – trotz modern klingenden Gerichten wie «Cashew-Polenta auf gebratenem Kürbis» oder «Quinoabratlinge» – schon fast an die alten Zeiten «on the road».

(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 13.04.2019, 07:30 Uhr

Die Tipps der Outdoorköche

Kochstelle: Unterwegs zu sein mit einem Camper oder einem Offroader bedeutet, dass man
eine grosse Gasflasche transportieren kann. Gas sowie Kochapparatur unbedingt im entsprechenden Reiseland kaufen. Dabei nicht knauserig sein: Zum Beispiel in einen Windschutz zu investieren, lohnt sich eigentlich immer.

Küchenutensilien: Wie es ihr Künstlername «Zwei Pfannen» schon sagt – Yves Seeholzer und Iwan Hediger nehmen auf ihre Reisen nicht mehr als zwei Pfannen mit. Ausserdem eine Tasse, ein Messbecher, ein Ess- und Teelöffel sowie ein Schneidebrett. Die Pfannen sollten feuerfest sein, damit man sie auch über dem Lagerfeuer einsetzen kann.

Braten: Am besten mit Kokosfett. Oder mit einem anderen hoch erhitzbaren Öl.

Experimentieren: «Zwei Pfannen» hängen nicht an ihren Rezepten. Im Gegenteil, ihr dringender Tipp: Zutaten abändern, weglassen oder neu hinzufügen.

Stets vorrätig: Knoblauch und Zwiebeln.

Wenns schnell gehen muss: Kochendes Wasser über Couscous giessen, Gemüse rüsten, fertig.

Food-Waste: Mit Schälabfällen von Gemüse und Kräutern lässt sich eine Gemüsebrühe herstellen. Und damit weiterkochen.

Fladenbrot in der Pfanne

Zutaten:

400 g Mehl
½ TL Kokosblütenzucker oder Honig
½ TL Meersalz
1 Pck. Trockenhefe (alternativ 20 g frische Hefe)
250 ml Wasser
3 EL Oliven- oder Kokosöl

Zubereitung:
Mehl, Kokosblütenzucker, Salz, Hefe, Wasser und Öl vermengen. Alles kneten, bis der Teig nicht mehr an den Fingern klebt, eventuell noch etwas Wasser oder Mehl hinzufügen. Etwas Olivenöl auf einen Teller geben. Nun den Teig zu 4 kleinen Kugeln formen und im Öl wenden, die Teiglinge rundherum einölen. Mit Frischhaltefolie abdecken und 30 Minuten aufgehen lassen.

In einer Bratpfanne etwas Kokosöl erhitzen. Eine Teigkugel vorsichtig etwas flach drücken und auf allen Seiten so auseinanderziehen, dass der Teig noch
ca. 5 mm dünn ist. Diesen Fladen nun in einer Pfanne bei geringer Temperatur mit aufgelegtem Deckel von beiden Seiten goldbraun ausbacken. Die restlichen Teigkugeln ebenso verarbeiten.

Zu Hause die fertigen Brote auf einem Teller im vorgeheizten Ofen (40 °C) warm halten.
Das Fladenbrot zum Beispiel mit Gemüse füllen, dazu Kokosdip (Kokosjoghurt, Gurke, Minze, Tahini, Meersalz, Pfeffer) servieren. Mit frischen Oreganoblättern garnieren.

Das Rezept stammt aus: Great Adventure Cooking, Knesebeck, München 2019. 203 S., ca. 40 Fr.

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