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Gäste mit Handy – ab ins Fumoir?

Fast die Hälfte aller Gäste fühlt sich von der «Telefonitis» im Restaurant gestört. Wieso wehrt sich denn niemand?, fragt unser Autor Daniel Böniger.

Bleibt im japanischen Restaurant selten in der Tasche: das Mobiltelefon.
Bleibt im japanischen Restaurant selten in der Tasche: das Mobiltelefon.
Luca Bruno, Keystone

Das Mobiltelefon ist beim Sport dabei, auf dem stillen Örtchen, am Schreibtisch während der Arbeit. Und ja, auch im Restaurant bleibt es meist nicht in der Tasche. Sei es, weil man Angst hat, während des Essens etwas auf Social Media zu verpassen. Sei es, weil man, so heisst es dann jeweils, «auf einen ganz wichtigen Anruf» wartet.

Dabei wären sich ja die meisten Knigge-Experten einig, dass das Handy nie und nimmer wichtiger sein darf als das Vis-à-vis zu Tisch. Und, die Frage sei auch gleich in die Runde geworfen, wie viel Aufmerksamkeit bekommt das schönste Schnitzel einer Köchin, der köstlichste Kartoffelgratin eines Kochs, wenn sich diese Speisen gegen Whatsapp durchsetzen müssen?

Das Online-Reservierungsportal «Bookatable by The Fork» (es spannt neu mit dem «Guide Michelin» und Tripadvisor zusammen) hat vor kurzem bei rund 1700 Restaurant-Gästen in Deutschland, Österreich und der Schweiz eine Umfrage zur grassierenden «Telefonitis» in der Gastronomie gemacht.

Was heisst leise?

Wer die Resultate liest, dürfte überrascht sein: 20 Prozent behaupten da nämlich, dass sie das Telefon im Restaurant abgestellt lassen. 42 Prozent sagen von sich, dass sie wenigstens den Klingelton abschalten. Bei 29 Prozent sei der «Knochen» auf Vibrations-Modus; bei 8 Prozent sei das Handy wenigstens auf «leise» geswitcht – was das genau heisst, ist natürlich Interpretationssache.

Wer nachrechnet, kommt bloss auf ein einziges Prozent aller Restaurantbesucher, das offenbar keinerlei Rücksicht in Sachen Mobiltelefonie nehmen will. Klingt gut, zugegeben – aber irgendwie widerspricht diese Zahl der allgemeinen Erfahrung.

Wieso wehrt sich niemand?

Schauen wir nochmals auf die Umfrage von «Bookatable»: Das Portal hat auch nachgefragt, wer sich regelmässig von telefonierenden Mitgästen gestört fühle. Und dies bejahten beachtliche 46 Prozent. Was zusammengefasst heissen würde, dass knapp die Hälfte der Gastroklientel ihr Menü nicht geniessen kann, weil ein einziges lausiges Prozent offensichtlich nicht gelernt hat, wie man sich in einem Restaurant zu benehmen hat. Wir erinnern uns vielleicht an die Debatte bezüglich des Rauchens in der Schweizer Gastronomie: Nicht mal da sprachen die Zahlen eine so deutliche Sprache.

Wieso wehren sich denn die anständigen Nicht-Telefonierer eigentlich nicht gegen die plärrenden Störenfriede? Und schicken sie zu den Qualmern in die Fumoirs, die es inzwischen ja vielerorts gibt? Immerhin ein Viertel, so sagt die Umfrage, wäre für entsprechende Massnahmen zu haben.

Nur: Wenn man das Handy aus den Restaurants verbannt, womit würde man dann die Fotos von den Gerichten machen? Die Zahl diesbezüglich klingt etwas glaubwürdiger: Gut ein Drittel gesteht, dies zu tun.

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