Gemeinsam für Leib und Seele

Zu Tisch in Ruhe zu essen, wird wieder geschätzt.

Kehren wir bald alle an den gemeinsamen Mittagstisch zurück – und leben länger? Foto: Kaboompics.com

Kehren wir bald alle an den gemeinsamen Mittagstisch zurück – und leben länger? Foto: Kaboompics.com

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Wer sich gemeinsam an den Tisch setzt, um zu essen, lebt länger. Dies haben Untersuchungen in jenen Regionen gezeigt, in denen Menschen durchschnittlich älter werden als sonst wo. Anhand sogenannter Blue Zones wie Sardinien, des japanischen Okinawa oder des griechischen Icaria konnte einleuchtend dargestellt werden, dass eben nicht nur zählt, was man isst – viel Gemüse, wenig Fleisch, etwas Wein. Ebenso wichtig ist es, wie man isst. Nämlich sitzend, in Musse, zusammen mit geliebten Menschen. Ist ja irgendwie auch klar, denn wenn man beim Verzehr des Kalbsbratens mit Tochter und Sohn, mit Gattin und Schwiegermutter plaudert, schlingt man das Gekochte nicht einfach hinunter. Man geniesst. Das tut der Seele, ergo dem Körper gut.

Fast-Food-Verpflegung rückläufig

Insofern ist es höchst erfreulich, wenn die Branchenvereinigung Gastro Suisse diese Woche an ihrer Jahresmedienkonferenz berichten konnte, dass die Umsätze im Gastgewerbe 2017 um mehr als fünf Prozent gestiegen sind. Und vor allem: dass gerade die bediente Gastronomie von der offenbar positiven Konsumentenstimmung profitiert hat. Die Fast-Food-Verpflegung ist ganz leicht rückläufig. Zum ersten Mal seit Jahren. Da wird es einem Freund der gepflegten Tischkultur richtig warm ums Herz. Offenbar sind Avocado-Smoothies, die ohne zu kauen heruntergekippt werden, nicht mehr das höchste der Gefühle. Ebenso wenig der fertige Pouletcurry-Wrap, gekauft bei Coop Pronto und mittags in aller Eile auf der Parkbank verzehrt.

Die Zeichen der Zeit schon sehr frühzeitig erkannt hat ironischerweise McDonald’s, Pionier in Sachen Schnellverpflegung. In sämtlichen Schweizer Filialen soll der Kunde bis 2020, insofern er dies will, seinen Hamburger an den Tisch serviert bekommen. Die ersten Lokale sind bereits entsprechend umgerüstet worden.

Zurück zu den Zahlen von Gastro Suisse. Zeigen sie also tatsächlich eine Trendwende? Kehren wir bald alle an den gemeinsamen Mittagstisch zurück – und leben länger? Da ist weiterhin höchste Skepsis geboten. Vielleicht gehen Schweizer Konsumenten ja nur darum wieder häufiger ins bediente Restaurant, weil sie dort den Akku ihres Mobiltelefons aufladen können. Und weils WLAN hat.

Erstellt: 27.04.2018, 19:21 Uhr

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