Zum Hauptinhalt springen

Harte Schale, veganer Kern

Attila Hildmann verkörpert den neuen Veganer: prollig, bärtig, muskulös. Dass er auf Kritik sehr empfindlich reagiert, hat nun eine Journalistin zu spüren bekommen.

Attila Hildmann hat seine Fehde mit einer Gastrokritikerin für eine PR-Aktion genutzt. Foto: Jens Kalaene (Keystone)
Attila Hildmann hat seine Fehde mit einer Gastrokritikerin für eine PR-Aktion genutzt. Foto: Jens Kalaene (Keystone)

Er ist die Antithese zum Veganer-Klischee: Attila Hildmann hat nichts von einer anämischen Elfe - ganz im gegenteil. Gebräunt, muskulös und bärtig, zeigt er sich «Deutschlands bekanntester Vegankoch» als beinharter Fitness-Fan. Doch sein Herz ist butterweich, so zumindest darf vermuten, wer den Skandal um den 35-Jährigen mitverfolgt hat.

Es begann mit einer kleinen Gastro-Kritik in der deutschen TAZ. Das Urteil der Journalistin über den deutschen «Gott der Veganer» und seinen veganen Imbiss in Berlin fiel nicht eben freundlich aus. Der Laden stinke nach Fritteuse, die Brötchen seines Burgers seien labberig, die Süsskartoffel-Pommes klebrig, das Personal verschwitzt. Und er selber posiere breitbeinig vor seinem Laden: «Vegane Männlichkeit muss wohl bewiesen werden.» Das verstand Hildmann als Aufforderung und seine Reaktion fiel nicht weniger unfreundlich aus.

Per Facebook erteilte er gleich der ganzen TAZ-Redaktion Hausverbot, postete ein Bild von sich mit der Pump-Gun und teilte ansonsten mit: «Ich freue mich, dass ich Sie nicht erkannt habe, sonst hätte ich Ihnen meine Pommes in Ihre Wannabe-Journalistinnen-Visage gestopft.» Das ist natürlich grosses Spektakel und sorgte für entsprechende Aufmerksamkeit. Die deutsche Presse berichtete amüsiert über den Beef zwischen Vegankoch und Journalistin, während letztere Anzeige wegen Drohung erstattete. Derweil meldete sich die vegane Szene auf Hildmanns Facebook-Page zu Wort und nörgelte, ihr bekanntester Vertreter sei ein Kindskopf und schade ihrem Ruf.

Aufmerksamkeit garantiert

Letzteres dürfte zutreffen. Mit seinen veganen Büchern, Nahrungsmitteln und Küchengeräten hat Hildmann es zu einiger Bekanntheit gebracht. Er verkörpert den anderen Veganer, der gern Porsche fährt und Bilder seiner Muskeln mit dem Ausdruck «Bitches» kombiniert, und das kommt an. 140'000 Menschen folgen ihm auf Facebook, 47'700 auf Instagram, er durfte bei «Let’s Dance» oder «Schlag den Star» mitwirken. In der Kontroverse um seinen Facebook-Post musste Hildmann zwar viel Häme einstecken, sie hat aber auch gezeigt, warum er es überhaupt so weit gebracht hat. Denn obschon die Journalistin einen wunden Punkt getroffen haben muss, nutzte Hildmann die Gelegenheit für PR.

So lud er am Mittwoch die Medien zum Testessen ein, vergoss ein paar Tränchen – nicht aus Reue, sondern wegen der armen Tiere, die immer noch leiden müssen. Dies sei der Grund, warum er tue, was er tue, verkündete er den anwesenden Journalisten und statt über die Pump-Gun-Bilder sollten die Medien doch lieber über die Gewehre schreiben, die auf die Tiere gerichtet werden.

So kann man sich natürlich auch aus der Affäre ziehen. Aufmerksamkeit wenigstens ist garantiert.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch