Wie man die Leber am besten schont

Viele Geniesser verzichten im ersten Monat des Jahres komplett auf Alkohol. Doch was trinkt man stattdessen?

Was soll man anstelle von Bier, Wein oder Schnaps trinken? Vier wohlschmeckende Alternativen: Tomatensaft, Aronia-Direktsaft, Grüntee, Tonic Water. Fotos: iStock

Was soll man anstelle von Bier, Wein oder Schnaps trinken? Vier wohlschmeckende Alternativen: Tomatensaft, Aronia-Direktsaft, Grüntee, Tonic Water. Fotos: iStock

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

«Nützts nüüt, so schads nüüt», lautet ein Schweizer Sprichwort. Und es passt besonders gut zu einer immer beliebteren «Diät», die von vielen vorzugsweise im Januar eingehalten wird: der «Ramadan», wie man den rund 30-tägigen kompletten Verzicht auf Alkohol auch oft nennt.

Doch so gesund Wasser bekanntlich ist (und es sei hier vor allen anderen Flüssigkeiten empfohlen), es schmeckt nach wenig. Und darum diskutieren die Teilzeit-Abstinenten auch immer wieder gerne darüber, was sie denn vier Wochen lang anstelle von Bier, dem Gläschen Wein oder dem Absacker trinken sollen. Hier folgen deshalb ein paar Ideen für Alternativen ohne Alkohol, die nach Tageszeiten unterteilt sind.

Während des Tages

Geht man davon aus, dass Süssgetränke die Leber aufgrund des enthaltenen Zuckers nicht wirklich entlasten, sind Getränke gefragt, die wegen anderer Inhaltsstoffe «mundfüllend» sind. Eine gute Sache sind da natürlich Tees, weil sie Gerbstoffe enthalten. Es ist schon viel getan, wenn Sie am Arbeitsplatz morgens schon eine Kanne mit Grüntee aufgiessen und diesen dann Tasse für Tasse geniessen. Nur schon das ganze Ritual, sagen manche, sei heilend. Nachmittags, wenn man denn kein aufregendes Tein mehr konsumieren will, kann man auf Rooibostee umstellen.

Und wieso nicht mal wieder einen Tomatensaft ins Glas geben? Mit ein, zwei Umdrehungen aus der Pfeffermühle, etwas Zitronensaft und Tabasco? Das ist dann fast schon ein Zvieri . . . Und Wodka hineinzugeben, das ist so früh am Tag nicht mal im Dezember – dem wohl schlimmsten Monat für die Leber – eine Option.

Vor dem Abendessen

Die Zeit zwischen Arbeit und Abendessen zu überbrücken, ist für Freunde des Feierabendbiers im Januar eine Herausforderung. Wie stimmt man sich aufs Znacht ein? Hier sind aufgrund ihrer appetitanregenden Eigenschaften Bittergetränke die ideale Wahl. Der Klassiker ist seit Jahren schon San Bitter. Es zieht einem den Mund nur schon zusammen, wenn man an die tiefrote Farbe des Aperitifs sieht.

Ebenfalls in kleinen Fläschchen erhältlich: all die Tonic Waters, die zusammen mit dem grossen Gin-Boom den Markt überschwemmt haben. Viele dieser Wässerchen – etwa von Thomas Henry oder Gents – sind auch solo ein vollwertiger Genuss.

Wer sie nicht kennt, sollte den Bittergetränken namens Manzoni (mit Beeren-Aroma) und Amicero (Orange-Ingwer) von Goba im Appenzell eine Chance geben. Mit ein paar Eiswürfeln getrunken, sind dies perfekte Apérogetränke – sogar noch im Februar!

Während des Essens

Ziemlich schwierig hat es der Gerne-Trinker während der Mahlzeiten: Als Weissweinersatz empfiehlt sich alkoholfreier Apfelwein, der sogar fürs Fondue verwendet werden kann. Wer will, nimmt süssen Apfelsaft, verdünnt mit Wasser.  

Auch für Rotwein gibt es ein Substitut: Aronia-Direktsaft, der kein bisschen süss schmeckt, merklich Gerbstoffe enthält und deshalb sogar als Herzinfarkt-Verhinderer gepriesen wird.

Viele Gourmetlokale führen inzwischen ja auch alkoholfreie Cocktails zum Essen. Bloss sättigen diese, wenn sie auf Fruchtsäften basieren, dann doch ziemlich. Vorsicht also, dass der Hunger nicht zu schnell vergeht. Vielleicht doch dem Leitungswasser eine Chance geben?

Vor dem Schlafengehen

Natürlich kann man am Ende des Tages wieder zum Tee greifen: Fencheltee beispielsweise beruhigt Magen und Darm. Oder sollte man vielleicht doch ein Bierchen öffnen? Wer typisches Lagerbier mag, dem sei das alkoholfreie Eichhof empfohlen, von den Kindern des Autors «Eichhörnli-Bier» genannt.

Diejenigen, die hopfenbetonte Ales vorziehen, fahren gut mit dem Bleifrei von Doppelleu – es schmeckt fast wie richtig. Oder aber mit dem schottischen Nanny State von Brewdog (erhältlich in guten Biershops).

Einen eigenwilligen Geschmack haben die Weizenbiere ohne Umdrehungen: Sehr malzig wirkt das Erdinger Weissbier ohne Alkohol. Es wird auch von Sportlern gern nach dem Training getrunken. Denn auch sie wissen: «Nützts nüüt, so schads nüüt.» Und ebenso: Durchhalten!

Erstellt: 05.01.2019, 15:40 Uhr

«Kaffee kann das Zirrhose-Risiko senken»

Beat Müllhaupt ist Stv. Klinikdirektor und leitender Arzt am Zürcher Universitätsspital. Bild: PD

Herr Müllhaupt, bringt ein alkoholfreier Monat der Leber etwas?
Das hängt davon ab, was man die anderen elf Monate lang trinkt. Je nachdem lasten die ja auch schwer. Über das ganze Jahr weniger zu trinken, wäre darum empfehlenswerter.

Das heisst, ein, zwei alkoholfreie Tage pro Woche einzuhalten, wäre besser?
Pausen sind grundsätzlich gut. Ich rate meinen Patienten ja tatsächlich, nur an Wochenenden Alkohol zu konsumieren. Aber das darf dann halt nicht als Einladung zum Binge-Drinking am Freitag und Samstag missverstanden werden. Sowieso verträgt nicht jeder gleich viel. Der genetische Hintergrund spielt eine starke Rolle.

Können Sie das deutlicher machen?
Wir sprechen hier bloss über die Leber. Aber Alkohol hat auch Auswirkungen auf die Bauchspeicheldrüse, das Herz, das Hirn – und, von der Gesundheit abgesehen, auf das soziale Umfeld.

Wie viel bringt der Alkoholverzicht, wenn ich stattdessen mehr zuckerhaltige Softdrinks konsumiere?
Dann bringt ein solcher Monat ohne Bier und Wein sehr wenig. Das Hauptproblem sind für die Leber die Kalorien. Und es spielt eine untergeordnete Rolle, woher diese kommen. Sowohl Alkohol als auch zuckerhaltige Getränke können zur Zirrhose führen.

Kann man mit viel Wasser und Tee die Leber «durchspülen»?
Das ist eine falsche Vorstellung: Wasser kann die Leber nicht waschen. Was höchstens funktioniert: Kaffee.

Kaffee für die Leber?
Ja, Koffein kann das Zirrhose-­Risiko senken, weil es Entzündungen und Vernarbungen an der Leber hemmt. Drei bis vier Tassen jeden Tag sind empfehlenswert.

Gibt es weitere Hausmittelchen, die etwas bringen?
Mariendistel hilft der Leber ebenso. Nur: Damit kann man die eigentliche Alkoholproblematik ja nicht lösen.

Mit Beat Müllhaupt sprach Daniel Böniger

Artikel zum Thema

Voll im Saft

Alkoholfrei durchs Mehrgangmenü ist in Skandinavien gang und gäbe. Der Trend setzt sich auch hierzulande durch. Gastronomen wie Urs Messerli schenken den Gästen reinen Saft ein. Mehr...

Schon ein Glas Wein am Tag kann schädlich sein

Eine Studie zeigt, dass die Schweizer Empfehlungen für den wöchentlichen Alkoholgenuss zu hoch angesetzt sind. Mehr...

Die Glasfrage

Reicht zu Hause ein einziges, dünnwandiges Glas? Oder sollte man, wie das Traditionshaus Riedel rät, für jede Rebsorte ein eigenes Behältnis im Schrank haben?  Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Newsletter

Der ideale Start in den Tag

Sonntags bis freitags ab 7 Uhr die besten Beiträge aus der Redaktion.
Newsletter «Der Morgen» jetzt abonnieren.

Die Welt in Bildern

Kunst in der Luft: Seifenblasen machen Spass vor dem Louvre in Paris. (19. Juli 2019)
(Bild: Alain Jocard) Mehr...