Junges Grün für Ungeduldige

Die Micro Greens, der neue Foodtrend von ennet des Atlantiks, erobern den Fenstersims.

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Nicht jeder «heisse Scheiss» aus den USA ist zwingend blöd. Manche Ideen aus Amerika sind sogar richtig gut. Die Micro Greens zum Beispiel, der neue Food- und Balkontrend von ennet des Atlantiks, haben es mir richtig angetan. Micro Greens lassen sich schon jetzt im Februar auf dem Fenstersims ziehen. Und sobald es wärmer wird, gedeihen sie auch draussen auf dem Balkon in Kistchen und kleinen Töpfen.

Und das geht so: Statt den Winter wie bisher mit den Vitaminen aus bleichen Keimsprossen durchzustehen, werden neu die Samen aller möglichen essbaren Pflanzen in kleine Gefässe mit Aussaat- oder magerer Kräutererde gestreut. Nach einigen Wochen, sobald sie ein paar Blättchen gebildet haben, wird geerntet.

Diese jungen Mikropflänzchen enthalten besonders viele Vitamine. Sie schmecken frisch und zart. Und vor allem sind sie in der Kultur äusserst anspruchslos, da sie ja nicht älter als vielleicht sechs oder sieben Wochen werden sollen. Bei manchen Gewächsen kann mit etwas Glück sogar mehrmals geerntet werden, so wie wir das von den Schnittsalaten gewohnt sind.

Praktisch alles, was als Gemüse taugt, lässt sich auch als Micro Green verwenden.

Nun kommt mir dieser neue Trend doppelt entgegen, da ich zu Beginn der Saison jeweils dabei bin, das Saatgut vom letzten Jahr auszumisten. Da liegen noch etliche angebrochene Päckchen mit verschiedenen Kohl­arten, mit Erbsen, Kefen, aber auch Karotten herum. Praktisch alles, was als Gemüse taugt, lässt sich auch als Micro Green verwenden – ausgenommen natürlich die Tomaten, deren Laub bekanntlich giftig ist. Aber unter uns gesagt, die würden auch gar nicht schmecken. Wenn Sie nicht sicher sind, ob man etwas essen kann, dann probieren Sie ein ganz klein wenig davon. Sie werden es schon merken: Ungeniessbare Pflanzen schmecken im Allgemeinen äusserst unangenehm. Und zudem können Sie diesbezüglich die Viecher beobachten: Ein Gewächs, das etwa die Schnecken nicht fressen, betrachte ich jeweils in kulinarischer Hinsicht auch eher skeptisch.

Sehr lecker und frisch schmecken junge Erbsenpflänzchen, Karotten- und Pastinakenblättchen. Natürlich sind auch junge Krautstiele und Randen ein Genuss; die kennen wir ja bereits aus bunten Schnittsalatmischungen. Nicht zu verachten sind junge Zucchini- und Kürbisblätter. Und frische Sonnenblumenkeimlinge mit wenigen Blättchen sind ebenfalls eine Delikatesse. Auch die pfeffrig erfrischenden Kapuzinerblättchen sind ein Hit.

Und nun gehen Sie einmal nachschauen, was Sie noch alles an essbarem Saatgut in Ihrem Fundus übrig haben! Ich gehe mal davon aus, dass Sie vorwiegend Biosamen gekauft haben. Gut, ein bisschen etwas von den konventionellen Sachen würde einen sicher auch nicht umbringen, aber manches Saatgut ist natürlich mit Chemikalien behandelt – und bei den noch sehr jungen Pflänzchen dürften davon sicher Rückstände übrig bleiben. Wenn die Pflanzen grösser werden, wächst sich das eher aus, sodass bis zur Ernte nur noch «homöopathische» Rückstände bleiben. Aber für die Verwendung als Micro Green lohnt es sich auf jeden Fall, das etwas teurere Biosaatgut zu kaufen.

Ideal für Einsteiger!

Übrigens, für diejenigen, die immer noch glauben, sie hätten keinen grünen Daumen: Dieses Mikrogemüse ist ideal als Einstieg! Damit können Sie schon mal üben, erste Erfahrungen sammeln und Selbstvertrauen gewinnen. Und wenn dann der Frühling kommt und die Saison richtig losgeht, sind Sie voll dabei.

Ja, und falls Sie plötzlich zu viele Micro Leaves haben: Sie lassen sich auch zu Kräutersalz und Pesto verarbeiten. Das sind dann wirklich exklusive Deli­katessen, die man garantiert in keinem Laden kaufen kann. Also, ab an die ­Fensterbänke, die Garten­saison kann jetzt schon losgehen!

Erstellt: 02.02.2017, 19:49 Uhr

Buchtipp: «Micro Greens, Micro Leaves; grüne Power aus dem Küchengarten» von Manuela Rüther, AT-Verlag 2016, 29 Franken.

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