Käse mit Noten von «Marroni bis Gänseleber»

Ein Internetshop, gegründet von einem Ex-Werber, liefert ausgesuchte Käsesorten nach Hause. Die Produkte überzeugen.

Bild: Fromagemauerhofer.ch

Bild: Fromagemauerhofer.ch

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Man könnte natürlich einfach die Geschichte hinter den Mauerhofer-Käsen erzählen: Etwa, dass das neue Label vom ehemaligen Werber des Jahres Curdin Janett (Salt) initiiert wurde. Oder dass die Milchbauern, die unter Vertrag stehen, für den «Rohstoff» – es handelt sich ausschliesslich um Rohmilchkäse – besonders gut entlöhnt werden.

Was man aber auch kann: die Käse einfach mal probieren. Und das ist noch einen Zacken spannender. Nehmen wir den Winterberg, einen Kuhmilchkäse aus dem Toggenburg, der mindestens 12 Monate gelagert wird. Beim Reinbeissen machen sich feine Salzkristalle bemerkbar, die Konsistenz ist krümelig, zugleich wirkt sie aber auch angenehm cremig. Hinzu kommt ein regelrechtes Aromenbouquet; es lassen sich tatsächlich Noten von «Marroni bis Gänseleber» herausschmecken, wie der edle Prospekt des Unternehmens behauptet. Darin und auf der Website werden die gut ein Dutzend Käsesorten von Mauerhofer auch fotografisch ins beste Licht gerückt.

Klar, dass ein ehemaliger Werber wie Janett weiss, wie man ein solches Produkt anpreisen und präsentieren muss: Wer bei Mauerhofer online bestellt, hat idealerweise schon am nächsten Tag ein weisses Päckli im Briefkasten. Die Käse darin – in der Regel 200-Gramm-Portionen – sind nicht nur luftdicht verschweisst, sondern zusätzlich in je ein Käsepapier gewickelt. Darin kann man den Käse – sofern man ihn nicht gleich fertig isst – wieder verpacken. Die Preise sind etwas höher als bei konventionellem Käse, dafür sind Verpackung und Porto ab vier bestellten Sorten inklusive: Zwischen 9 und 11 Franken werden pro Portion berechnet – und da ist dann alles mit dabei, was unschöne Überraschungen verhindert.

Besser als Emmentaler

Zurück zur Degustation: Ein Käse, der zeigt, welche Kraft in Kuhmilch stecken kann, ist auch der Vacherin à l’Ancienne, den Mauerhofer bei Käsermeister Marc-Henri Horner bezieht. Fast glaubt man im herrlich cremigen Milchprodukt einzelne Kräuter erkennen zu können, die das Schweizer Fleckvieh auf 700 Metern über Meer, in unmittelbarer Nähe der Käserei, gefressen hat.

Sowieso kommen vor allem Freunde kräftiger Aromen bei Mauerhofer auf ihre Kosten: Der Original Simmentaler dürfte viele Geniesser sogar zu salzig, zu heftig dünken. Alternativ sei die Sorte Bergheu von Käser Bernhard Meier aus dem Emmental empfohlen. Dessen Aroma ist vergleichsweise mild und vor allem nussig. Dieses Produkt zeigt zudem, dass in der bekannten Region mehr möglich ist als das Produkt, das üblicherweise beim Detailhändler im Regal steht und oft vor allem mit seinen grossen Löchern punktet.

Interessant ist, dass das Projekt von Curdin Janett und seinem Compagnon Michael Fankhauser wie angedeutet nicht nur bei den geneigten Geniessern auf Interesse stösst, sondern auch aufseiten der Bauern. Mindestens 80 Rappen pro Liter Milch sind ihnen garantiert. Je 10 Rappen zusätzlich verdienen sie, wenn ihre Kühe noch Hörner tragen; wenn es sich um Biomilch handelt oder um solche, die von einer vom Aussterben bedrohten Rasse stammt, etwa dem Rätischen Grauvieh. Offenbar eine gute Entlöhnung: «Wir haben viele Anfragen von Käsereien und Bauern, die wir gewissenhaft prüfen», sagt Fankhauser.

Doch nicht nur Käse aus Kuhmilch sind im Sortiment des Onlinehandels, sondern auch ein krümeliger, leicht salziger Frühlingsschaf, der zum Beispiel mit Tomatenchutney viel Genuss verbreitet. Oder die Kemmeriboden Geiss, ein mindestens 6 Monate lang gelagerter Käse aus dem Quellgebiet der Emme: Die Geissen, welche die Milch liefern, weiden auf Bergwiesen; der Käse schmeckt komplex und zeigt eine gelungene Cremigkeit. Zusammen mit einem Glas Süsswein – etwa dem in der rechten Spalte beschriebenen Epokale – taugt er als Finale eines ganz grossen Abendessens mit Freunden.

Für Bürolisten in der Stadt

Fest steht: Es gibt eine Welt abseits von Emmentaler, Gruyère und Appenzeller, die zu entdecken sich lohnt. Und wenn der im Büro arbeitende Stadtmensch ­dafür einen Internetshop wie Mauerhofer braucht, weil er nicht selbst bei den Bauern vorbeischauen kann – dann ist das für einmal auch im Sinne der kleinen Produzenten.

Oder wie man nach eingehender Degustation, ganz in der Sprache eines Werbers, eingestehen muss: Bullshit-Käse sind das keine.

www.fromagemauerhofer.ch

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 30.08.2017, 14:59 Uhr

Artikel zum Thema

Washoku für Langnasen

Die Küche Japans ist für westliche Geniesser nicht leicht zu verstehen. Dabei lohnt es sich, auch anderen Spezialitäten als bloss dem Sushi eine Chance zu geben. Mehr...

Geschmeidige Glacekugeln

Die Stadt ist um einen zauberhaften Ort für Sorbets und Rahmglace reicher. Wird die Schlange vor der Gelateria di Berna nun kürzer? Mehr...

Gummiadler zum Guinness?

Wichtig ist nicht nur, was ins Glas kommt – sondern auch, was auf dem Teller liegt. Darum soll unsere nächste Wunschbeiz ein Zürcher Pub sein. Wo sollen wir testen gehen? Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Abkühlung: Der kleine Gorilla Virunga wird von seiner Mutter Nalani durch den Biopark Valencia in Spanien getragen. Virunga ist der zweite Gorilla, der im Rahmen des europäischen Artenschutzprogrammes geboren wurde. (17.August 2018)
(Bild: Manuel Bruque/EPA) Mehr...