Lassen Sie es wuchern!

Der Frühling steigert die Ambitionen von Gartenfreunden extrem. Doch setzen Sie sich nicht unter Druck! Diese Pflanzen wachsen Ihnen von alleine über den Kopf.

Braucht wenig Aufmerksamkeit: Die Pflanzkartoffel wird im April gepflanzt und im Spätsommer geerntet. Foto: Getty Images / iStockphoto

Braucht wenig Aufmerksamkeit: Die Pflanzkartoffel wird im April gepflanzt und im Spätsommer geerntet. Foto: Getty Images / iStockphoto

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Im Frühling wird man ja immer sehr enthusiastisch. Jedenfalls nimmt man sich eine Menge vor – insbesondere was das Bestellen des Gartens oder der Terrasse oder des Balkons angeht: Dies und das will man noch auf der Fensterbank ansäen, endlich einmal diese kapriziösen Blumen ausprobieren, die Spezialerde für Tomaten auftreiben und so weiter.

Setzen Sie sich bloss nicht unter Druck! Das wäre zum einen schade um die Freude und die Entspannung, die das Gärtnern letztlich bringen soll, und zum anderen können Sie auch einfach Pflanzen spriessen lassen, die Ihnen sozusagen ganz von selbst über den Kopf wachsen. Es gibt einige, die darin wahre Meister sind, zudem was fürs Auge und erst noch: essbar!

Kartoffeln: Kartoffeln brauchen nicht viel, ausser eine grosszügige Gabe von Kompost bei der Pflanzung ab April. Nehmen Sie Pflanzkartoffeln, nicht solche, die zu lange im Kühlschrank gelegen haben und keimen, denn diese sind anfälliger für Krankheiten. Der einzige Handgriff, der nun noch vonnöten ist: anhäufeln! Das heisst: Wenn die Pflanze mehr als 20 cm hoch ist, geben Sie entweder frische Erde rund um die Stängel oder graben diese neben der Kartoffel ab. Danach sollte sich rund um die Pflanze ein kleiner Berg aus Erde befinden. Dieser kleine Berg beschert Ihnen eine reichere Ernte und verhindert grüne Kartoffeln, die, ebenso wie die Blüten und die Blätter, aufgrund des giftigen Solaningehaltes nicht verzehrt werden sollten. Danach macht die Knolle – die es übrigens in vielen Sorten gibt, von dottergelb über rot bis violett, von krumm über knorrig bis aalglatt –, ganz von allein den Rest. Sofern sie genügend Platz zur Verfügung hat, blüht sie wunderschön und produziert ein sehr stattliches Blattwerk. Geerntet wird, sobald im späten Sommer bis Herbst die Blätter abgestorben sind.

Ihre Arbeit beschränkt sich darauf, den Pflanzen beim Wachsen zuzusehen und fleissig zu ernten.

Kürbisgewächse: Zucchetti, Gurken und Kürbisse wuchern, dass es eine Freude ist. Ab Mitte Mai dürfen Setzlinge in den nährstoffreichen Boden, Gurken können auch direkt gesät werden. Haben Sie die Jungpflanzen erfolgreich durch das heikle Schneckenstadium gebracht – am besten funktioniert das mit einem mechanischen Schutz wie dem Schneckenkragen –, gehts los: Gurken und insbesondere Kürbisse bilden mehrere Meter lange Triebe und erobern jeden Winkel. Wer horizontal wenig Platz hat, kann sie mit Kletterhilfen in die Höhe lenken – die Pflanzen bilden Ranken aus, mit denen sie sich festhalten können. Ihre Arbeit als Gärtnerin beziehungsweise als Gärtner beschränkt sich nun darauf, den Pflanzen beim Wachsen zuzuschauen und fleissig zu ernten: die Gurken fortlaufend, die Kürbisse erst ab dem Monat September. Bei Letzteren gilt: Immer schön der Ranke folgen, dann findet man sie im grünen Dschungel!

Zucchetti wachsen horstartig, das heisst, sie kriechen weder am Boden nach, noch klettern sie. Die Blätter erreichen ein gigantisches Ausmass und produzieren so viele Exemplare, dass man gegen Ende des Sommers jedes nur erdenkliche Rezept ausprobiert hat und zudem die ganze Nachbarschaft bis zum Überdruss damit versorgen kann.

Wundern Sie sich nicht, wenn zu Saisonende die Blätter mit einem weisslichen Belag überzogen sind: Das ist Mehltau, ein Pilz der früher oder später jedes Kürbisgewächs befällt. Es reicht, einfach die betroffenen Blätter zu entfernen. Aber Obacht: Falls das Geerntete bitter schmecken sollte, dann sollten Sie es nicht essen. Es könnte sein, dass eine Kreuzung mit einer ungeniessbaren Zierkürbissorte aus der Nachbarschaft stattgefunden hat.

Schnittsalate: Wer etwas weniger Platz hat, also zum Beispiel nur einen kleinen Balkon, in dessen «Chischtli» sich weder Kartoffeln noch Kürbisgewächse wohlfühlen, dem seien Schnittsalate empfohlen. Es gibt wunderbare Mischungen, mein Liebling ist zum Beispiel der «Misticanza». Da treffen sich die unterschiedlichsten Blattformen und Farben, und die ergeben auf dem Teller ein buntes Durcheinander. Gesät wird direkt ins «Chischtli» und dieses unbedingt feucht gehalten, damit die zarten Keimlinge nicht austrocknen. Wenn die Blätter etwa 20 cm hoch sind, dürfen Sie sie das erste Mal schneiden. Nehmen Sie aber keinen Millimeterschnitt vor, nur so wächst er immer wieder nach!

Und jetzt brauchen Sie sich nur noch zurückzulehnen und zu frohlocken, dass es da vor Ihrem Fenster bald wuchert wie verrückt.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 31.03.2018, 09:08 Uhr

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