Altbacken

Pastetenglück im Glarnerland

Die Glarner Pastete besteht aus einem Blätterteig und zwei Füllungen aus Zwetschgenmus und einer Mandelmischung.

Glarner Pastete aus Näfels mit inneren Werten. <nobr>Foto: Raphael Moser</nobr>

Glarner Pastete aus Näfels mit inneren Werten. Foto: Raphael Moser

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Der Tag, an dem wir die Glarner Pastete entdeckt haben: Wir wollten eintauchen in dieses puderzuckrige Ding. Weich, luftig und süss sah es aus. Und es kann sein, dass uns der Anblick des Innenlebens sogar Begeisterungsschreie entlockt hat, so genau wissen wir das nicht mehr. Diese Füllung, einerseits dunkel schimmerndes Zwetschgenmus, andererseits eine edelblasse Mandelmasse!

Zur Zeit unseres Besuchs waren viele Glarner Wanderwege und Bergsträsschen gesperrt, gross war die Gefahr von Felsstürzen und Murgängen. Doch ins Glarnerland kommt man auch sonst nicht einfach so, es liegt ja nicht gerade am Weg.

Auch wir fuhren nur dank eines Leserinnentipps hinein ins Tal, zu Pasteten Staub, der bekannt für seine Netstaler Ankenzelte sowie die Glarner Pastete sei. Dort wurden wir etwas ruppig empfangen. Auskunft über die so fein aussehenden Backwaren gebe man keine mehr, denn das Geschäft schliesse Ende September mangels eines Nachfolgers. Und nein, das Rezept für die Ankenzelte gebe man nicht weiter.

Den Pastetli sagt man auch Beggeli

Nun ja. Am Ende stellte sich dieser Rein- als Glücksfall heraus, zumindest für uns. Wir fuhren zurück nach Näfels, weil wir uns vage erinnerten, dass dort Müllers Five werkeln, fünf Bäcker-Confiseuren-Brüder, die berühmt sind für ihre Schokoladenspezialitäten.

Und eben auch für die Glarner Pastete, doch das realisierten wir erst im Nachhinein. Diese wird im ganzen Kanton gebacken, auch in Privathaushalten, und besteht aus einem Blätterteig und zwei Füllungen. Eine aus einem Mus aus getrockneten Zwetschgen, die andere aus einer Mandelmischung, die an sehr feines Marzipan erinnert. Auch in den kleinen Exemplaren sind beide Füllungen zu finden, zumindest in jenen aus der Café-Konditorei Müller. Den Pastetli, erfahren wir, sagt man auch Beggeli wegen ihrer Form.

Am Ende verliessen wir das Glarnerland also mit einem Sack voller Pasteten. Den Plan, weiter Ankenzelte, für die wir eigentlich hergekommen waren, zu suchen, vergassen wir, und zwar exakt nach dem ersten Biss in ein Stück Pastete, das mit Zwetschgenmus gefüllt war. Wahrscheinlich haben wir dabei kleine Begeisterungsschreie ausgestossen.


In der Serie «Altbacken» stellen wir Bäckereien vor, die vom Aussterben bedrohte Backwaren herstellen oder anderweitig historisch versiert backen. Tipps gerne an: nina.kobelt@tamedia.ch.

Erstellt: 28.10.2019, 21:13 Uhr

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