So schmeckt das neue Menü im SBB-Speisewagen

Die SBB haben Anfang der Woche die Speisekarte ausgewechselt. Eine Restaurantkritik aus aktuellem Anlass.

Hausmannskost: Die SBB haben klammheimlich ihre Speisekarte erneuert. Foto: Daniel Böniger.

Hausmannskost: Die SBB haben klammheimlich ihre Speisekarte erneuert. Foto: Daniel Böniger.

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Es kann gut passieren, dass Bahnreisende derzeit etwas länger auf den Kaffee oder ihre Tomatensuppe warten müssen. Die Bundesbahnen haben nämlich am Montag klammheimlich die Speise-und-Getränke-Karte in ihren Bordbistros und -restaurants erneuert. Dass darum der freundlichen Bedienung und dem in der Kombüse versteckten Koch im IC 1 von Zürich nach St. Gallen noch kleine Fehler unterlaufen; dass noch nicht alle Arbeitsabläufe routiniert vonstattengehen, ist verständlich.

Geradezu charmant ist es aber, wie solche Fauxpas korrigiert werden. Bei einem Caesar Salad etwa ist der Parmesan vergessen gegangen. Der Herr Ober kommt darauf mit einem Plastikbeutel mit Käsespänen an den Tisch, schneidet die Verpackung mit einer Schere vor dem Gast auf – und schon ist der Salat wie er sein soll (stolze 14.80 Fr.).

Fast, wie er sein sollte: Der Caesar Salad. Foto: Daniel Böniger

Also fast so, wie er sein sollte – die zusätzlich bestellten Pouletbruststreifen (+5.40 Fr.) sind trocken und auffallend zäh, dass vermutet werden kann, da sei beim Aufwärmen ein weiterer Fehler passiert. So kann es ja nicht gemeint sein... Was problemlos besser gemacht werden könnte, dies geht an sämtliche Köche, die durch die Schweiz gondeln: Sauce und Blätter gehören ordentlich vermischt – damit ist bei einem Salat schon viel gewonnen.

Weizenbier aus der Schweiz

Der ältere Herr am gleichen Tisch ist ein wenig erstaunt darüber, dass das Weizenbier nicht mehr vom bayrischen Brauhaus Schneider Weisse kommt. Die neue Marke Das Weizen schmeckt ihm am Ende aber ebenso gut. Hier punkten die SBB bei vielen Kunden, denn das neue Weissbier kommt von der Falken-Brauerei in Schaffhausen – ein Schweizer Produkt.

Das Angebot an Gerstensäften soll künftig, so liest man in der Karte, mit weiteren, saisonal wechselnden Regionalbieren ergänzt werden. Und ebenfalls im Menü, das mit elegantem schwarzem Einband und mit moderner Foodfotografie versehen ist: eine zweiseitige Liste mit sämtlichen Allergenen im Essensangebot. Gut zu wissen, dass das Birchermüsli Laktose enthält oder das Gipfeli Gluten. Übrigens entspricht diese Genauigkeit der Gesetzgebung – für diese allzu ausführliche Liste können die SBB wenig.

Mit Hummus im Trend

Zufrieden ist der ältere Tischnachbar auch mit seinem «Apéro-Plättchen», das weiterhin auf der Karte steht, aber etwas moderner daherkommt als bisher. Auf einem schwarzen Schiefertäfelchen stehen drei Weckgläser mit Sbrinzwürfeln, dick geschnittenen Salamirädchen und grünen Oliven. So ähnlich hat man das auch schon in angesagten Bars gesehen. Als weitere Kleinigkeit neu auf der Karte ist übrigens Hummus – da geben sich die SBB äusserst trendy. Ob Fladenbrot dazu serviert wird? Das testen wir auf der nächsten Fahrt.

Daumen hoch für das Zürcher Geschnetzelte! Einmal mehr zeigt sich, dass man in Zugrestaurants am besten Gerichte bestellt, die auch aufgewärmt etwas taugen: Das Kalbfleisch ist auffallend zart; die Champignons schmackhaft. Der tiefe Teller, in dem die Spezialität serviert wird, ist beste Hausmannskost.

Kostet 26.80 Franken: Das Zürcher Geschnetzelte. Foto: Daniel Böniger

Dieser Eindruck wird dadurch verstärkt, dass im begleitenden Stock noch kleine Kartoffelstücke auszumachen sind (kein Stocki also!) und dass die gelben und orangen Rüebli relativ grob geschnitten wurden. Übrigens kommen sie weder zu knackig noch verkocht auf den Tisch. Wie daheim alles in allem – wenn da noch ein Seeli wäre!

Gewohnheitstiere und Nostalgiker brauchen übrigens keine Angst zu haben, der Karten-Relaunch ist sehr sanft angegangen worden: Den weissen Aigle Les Murailles, für viele unerlässlich, wenn es um eine gelungene Fahrt im rollenden Restaurant geht, gibts weiterhin. Auch der Espresso kommt noch immer von Lavazza. Er ist bei der Mittagsfahrt von Zürich nach St. Gallen etwas wässrig geraten und dürfte weiterhin kaum der Trumpf sein, mit dem die Bordgastronomie der SBB sticht.

Das bleibt nämlich – auch wenn schon bald neue Speisewagen vorgestellt werden – die Aussicht durchs Fenster auf die vorbeiziehende Schweiz.

Täglich von 6.30 bis 21 Uhr. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 12.04.2018, 17:01 Uhr

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