Spanischbrötli: Eine Stadt, ein Rezept

Wer das Original will, muss nach Baden. Zu einer der Bäckereien, die alle nach gleichem Rezept backen.

Wer sichergehen will, ein Spanischbrötli zu ergattern, nimmt den ersten Zug nach Baden. <nobr>Foto: Nicole Philipp</nobr>

Wer sichergehen will, ein Spanischbrötli zu ergattern, nimmt den ersten Zug nach Baden. Foto: Nicole Philipp

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Man verzeihe den lahmen Versuch eines Wortwitzes: Ein Spanischbrödli isst man am besten in der Bahn. Die von Baden wegfährt. Kaufen kann man das viereckige Blätterteiggebäck mit einem kreuzförmigen Einschnitt gleich am Bahnhof, bei Moser’s Backparadies. Aber nicht nur: Spanischbrödli (oder Spanischbrötli) sind ein Gemeinschaftswerk der Badener Bäckereien und folglich überall in der Stadt erhältlich.

Ihr seid ja süss!, denkt man also verzückt, während der Interregio Richtung Zürich tuckert, weg von den Aargauer Feldern, von denen die Rüebli stammen, die nebst Haselnüssen in der Füllung landen.

Jetzt lässt es sich gut darüber sinnieren, dass eines der Verkaufslokale «Himmel» heisst, das macht so viel Sinn! Weich und fluffig und wolkig, wie sie sind. Und darüber, dass Zucker dieser Tage ja generell einen schweren Stand hat und es darum ganz gut ist, dass es auch eine salzige Variante gibt. Die Spanischbrödli mit der Schinken-Rüebli-Füllung passen zum Beispiel zu einem guten Glas Weissen.

Nichts als Butterblätterteig

Unklar ist es, wann sich das buttrige Backwerk aus Spanien zu einer Badener Spezialität etablierte. Gesichert ist aber, dass es 2007 ein Comeback feierte. Das geschah anlässlich der Badenfahrt, eines Volksfests, das an die im 19. Jahrhundert beliebten Kurfahrten nach Baden erinnert (die nächste findet übrigens 2023 statt).

Die Kurgäste waren es auch, die den Genuss der Spanischbrödli befeuerten, unter ihnen Zürcher Herrschaften, die ihre Dienstboten jeweils nach Baden schickten, um diese zu holen – zu Fuss, wohlverstanden. Bis 1847 zwischen Baden und Zürich die erste Schweizer Eisenbahn ihren Betrieb aufnahm. Weil die Spezialität in grossen Mengen nach Zürich geschafft wurde, bekam sie den Übernamen «Spanischbrötlibahn».

Wer das Original kosten möchte, muss das bei den Bäckern, die alle nach gleichem Rezept backen, voranmelden. «Die originale Variante ohne Füllung ist für die heutige Zeit kulinarisch gesehen etwas langweilig», sagt Fritz Wanner vom Hotel Restaurant Linde mit hauseigener Bäckerei. «Nur gebackener Butterblätterteig.» Nun ja. Tatsache ist auch, dass sie jeweils schnell ausverkauft sind. Wer also sichergehen will, eines zu ergattern, nimmt um 4.44 Uhr den ersten fahrplanmässigen Zug ab Zürich Hauptbahnhof. Denn der fährt immer noch – nach Baden.


In der Serie «Altbacken» stellen wir Bäckereien vor, die vom Aussterben bedrohte Backwaren herstellen oder historisch versiert backen. Tipps gerne an: nina.kobelt@tamedia.ch.

Erstellt: 13.09.2019, 10:42 Uhr

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