Vorkämpfer für die weltweite Veganer-Gemeinde

Der Veganer Jordi Casamitjana sorgte dafür, dass ethischer Veganismus in Grossbritannien als philosophischer Glaube geschützt ist.

Jordi Casamitjana, ein Zoologe aus Grossbritannien, kämpft für die Veganer-Gemeinde. Foto: Keystone

Jordi Casamitjana, ein Zoologe aus Grossbritannien, kämpft für die Veganer-Gemeinde. Foto: Keystone

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Es begann mit einer Entlassung und endete, vorläufig, mit einem Sieg für die englischen Veganer. Zu verdanken haben sie das Jordi Casamitjana, einem Zoologen, der bis unlängst bei der League Against Cruel Sports als Leiter Forschung und Politik angestellt war. In dieser Funktion machte der 54-Jährige 2018 eine schockierende Entdeckung: Der Pensionsfonds seines Arbeitgebers investierte in Firmen, die Tierversuche machen.

Als Veganer konnte Casamitjana das nicht auf sich beruhen lassen, also machte er seinen Arbeitgeber auf den ethischen Konflikt aufmerksam. Als man dort monatelang nicht reagierte, begann Casamitjana seine Erkenntnisse anderen Arbeitskollegen mitzuteilen. Das passte seinem Arbeitgeber nicht, im April 2019 bekam er die Kündigung.

Glaube oder philosophische Weltanschauung

Doch der gebürtige Katalane beschloss, das nicht auf sich sitzen zu lassen. Er organisierte ein Crowdfunding, nahm sich ein Anwaltsteam und machte seine Sache zu der aller Veganer. Aufgrund seiner ethischen Überzeugungen habe er so handeln müssen, sagte er im Juni dem «Guardian», und offensichtlich sei dies der Grund für seine Entlassung. Sein Arbeitgeber bestritt dies, die Entlassung sei aufgrund «groben Fehlverhaltens» erfolgt – näher wollte man sich dazu nicht äussern.

Nun hat ein Richter im englischen Norwich ein erstes Urteil gefällt, das weltweit zu reden gibt. Das Gericht prüfte in einem ersten Schritt die Frage, ob ethischer Veganismus den Status eines Glaubens oder einer philosophischen Weltanschauung habe. Dazu muss sich der Glaube auf gewichtige Aspekte des menschlichen Lebens beziehen und «in einer demokratischen Gesellschaft Respekt verdienen», so verlangt es das Gesetz.

Dies ist beim ethischen Veganismus im Allgemeinen und bei Casamitjana im Besonderen der Fall, wie der Richter festhielt. Der gebürtige Spanier verzichtet seit 18 Jahren konsequent auf tierische Produkte oder auf Verhaltensweisen, die Tieren schaden könnten.

Eine Busfahrt könne Insekten oder Vögel töten.

Nicht nur trägt er kein Leder, er benutzt zum Beispiel nur dann öffentliche Verkehrsmittel, wenn er sein Ziel nicht in weniger als einer Stunde Fussmarsch erreichen kann: Eine Busfahrt könne Insekten oder Vögel töten. Er bezahlt nur mit Kreditkarten oder Münzen, weil Geldnoten tierische Produkte enthalten. Und er sagte in verschiedenen Interviews, er könne sich zwar vorstellen, einen Nicht-Veganer zu küssen, nicht aber, mit einem nicht vegan lebenden Menschen eine Beziehung einzugehen.

Der Fall ist noch nicht abgeschlossen: Nachdem der Richter den ethischen Veganismus einem Glauben gleichgestellt hat, wird es nun um die Frage gehen, warum Casamitjana tatsächlich entlassen wurde. Derweil feiert die Veganer-Gemeinde das Urteil als grossen Sieg, der auch andere Fälle beeinflussen wird. Casamitjanas Anwalt dazu: «Die Anerkennung des ethischen Veganismus als geschützter Glaube wird einen signifikanten Effekt haben für die Anstellungsverhältnisse in Bildung, Transport und anderen Branchen.» Und Casamitjana freut sich, mit seinem Engagement nicht nur den Veganern, sondern auch seinen geliebten Tieren geholfen zu haben.

Erstellt: 07.01.2020, 17:39 Uhr

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