Zmorge ohne Grenzen

Erstaunlich, was alles auf dem Frühstückstisch landet, wie eine Umfrage auf der Redaktion zeigt. Ein internationales Buffet – zum Nachkochen und Kopfschütteln.

Von Früchten bis zum Bier: Essgewohnheiten sind verschieden. Auch beim Frühstück. Foto: Pixabay

Von Früchten bis zum Bier: Essgewohnheiten sind verschieden. Auch beim Frühstück. Foto: Pixabay

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Viele, viele Gipfeli

Mit dem Entschluss, dem Rauchen zu entsagen, kamen die Pfunde. Fünf Kilogramm trug ich plötzlich zusätzlich mit mir herum. «Soso», sagte meine Ärztin dazu und zückte einen Stift, «dann wollen wir mal schauen, woran das liegen könnte. Gehen wir Ihren Speiseplan durch. Was essen Sie zum Frühstück?» – «Sechs Gipfeli.» – «Gut, dann müssen wir nicht mehr weitersuchen. Damit decken Sie in einer Mahlzeit die Kalorien des ganzen Tages ab.» Inzwischen habe ich auch meine Gipfeli-Sucht in den Griff bekommen. Ich esse höchstens noch drei Stück zum Frühstück. Aber Gipfeli müssen schon sein. Vor allem die der Bäckerei Ritschard in Altstetten. Kennen Sie die? Reines Dope! Tina Fassbind

Vegemite

Meine Beziehung zu Vegemite ist noch frisch, aber das würzige Hefe­extrakt hat mich im Sturm erobert. Dünn auf einer Scheibe getoasteten Vollkornbrots aufgetragen, zwischen einer Messerspitze Butter und einer grosszügigen Schicht Avocado, erinnert mich der unverwechselbare «Taste of Australia» jedes Wochenende an eine grossartige Reise von Melbourne nach Brisbane. Der aus einem Nebenprodukt des Bierbrauens gewonnene Aufstrich kuriert übrigens auch den schlimmsten Hangover – was gibt es Praktischeres an einem Sonntagmorgen? Fabienne Romanens

Gruyère

Zu Lebzeiten wusste mein Grossvater, ein Sbrinzkäser, zum Glück noch nichts davon: dass seine Enkelin dereinst dem Gruyère verfallen würde. Wenn der Käse auf den Tisch kommt, dann immer als Hauptdarsteller, egal in welcher Kombination: zum Spiegelei, auf dem Brot und mit Konfi, so klassisch halt, aber warum auch nicht, er nimmt mir meine Sorgen. Und der scharfe Greyerzer ist nicht der Einzige, mit dem der Familienkäse hintergangen wird. Vor kurzem kaufte ich im jurassischen Kloster Bellelay, wo der Tête de Moine seinen Ursprung hat, meine erste Girolle. Und selbst das Drehding läuft dem Sbrinz beim Zmorge den Rang ab. Christina Duss

Kippers

Kippers ist die ruppige Alternative zum Lachsfrühstück: Ein Kipper ist ein Hering, aufgeschnitten von Kopf bis Schwanz, ausgenommen und gesalzen, dann kalt geräuchert, möglichst über Eichenholz. Bis zum Zweiten Weltkrieg gehörten Kippers an den Küsten Schottlands und Englands zu einem anständigen Frühstück, doch ab den 1960ern geriet das Gericht zunehmend aus der Mode: zu geruchsintensiv, zu ölig. Nun kehren die Fischlein auf den Tisch zurück, so wie alles vermeintlich Urbritische in dieser Zeit des galoppierenden Brexit-Patriotismus. Gut für den Zmorge. Dass die Anhänger der nationalistischen Ukip-Partei auch «Kippers» genannt werden, hat wohl eher lautmalerische Ursachen. David Hesse

Pancakes

Es heisst ja gemeinhin: Iss morgens wie ein Kaiser. Was in unserem Hause nur selten beherzigt wird, ausser sonntags. Da wird zu «Betty Crocker’s Picture Cookbook» gegriffen, und es gibt amerikanische Pancakes, also Buttermilchpfannkuchen. Die Tradition verlangt, dass sich jeder mindestens zwei Stück auf den Teller stapelt: Den ersten bestreiche man mit Butter und giesse viel Ahornsirup darüber, dann kommt der zweite obendrauf und – die gleiche Prozedur. Dasselbe gilt für Nummer drei und vier. Dazu gibts gebratenen Speck. Die Glückseligkeit stellt sich dann von ganz alleine ein. Isabel Hemmel

Reissuppe

Acht Uhr morgens, 30 Grad, die Luft ist feucht wie im türkischen Bad. Und man will bis am frühen Nachmittag in den kalkigen Felswänden in der südthailändischen Railay Beach klettern gehen. Was also frühstücken? Es gibt nur eines: eine heisse Reissuppe. Sie enthält Wasser, Salz, Kohlenhydrate und wärmt den Körper auf – alles, was man braucht. Vor allem liegt sie nicht schwer auf. Darum wäre sie auch im Winter zum Schneeschuhlaufen das ideale Frühstück. Aber welches Schweizer Hotel in den Bergen nimmt so was schon auf die Karte? Thomas Zemp

Earl-Grey-Tee mit Milch

Ein Koffeinschock, herbeigeführt durch Kaffee, schon früh am Morgen? Dafür bin ich, I’m sorry, jeweils noch viel zu müde. Meine Wenigkeit startet den Tag mit einer Tasse starkem Earl-Grey-Tee. Hinein kommt weder Zucker noch Zitrone, sondern ein paar Tröpfchen Milch. Ganz die feine englische Art also, langsam aufzuwachen, schliesslich ist meine Mutter im Commonwealth geboren worden. Und wenn mir jemand besagten Tee ans Bett bringt: noch besser. Erst wenn ich mich später durchs Frühstücksbuffet gekämpft habe, dann darf es vielleicht noch ein Espresso sein. Daniel Böniger

Speck

Es gibt keinen Duft – ausser vielleicht derjenige von Kaffee –, der mich Morgenmuffel schneller aus dem Bett springen lässt, als der Duft von frisch gebratenem Speck. Ob noch saftig oder bereits im chipsartigen Zustand – wenn etwas auf dem Zmorgebuffet nicht fehlen darf, ist es der mit Muskelfleisch durchwachsene Schweinebauch, gebraten im eigenen Fett. Adrien Woeffray

Tomaten-Mozzarella-Salat

Tomaten-Mozzarella kann unappetitlich daherkommen, wenn es in Scheiben geschnitten und geschichtet im eigenen Saft versinkt. Es geht auch anders: Schneiden Sie süsse Cherrytomaten oder Datterinos in grobe Stücke und rupfen Sie einen Mozzarella darüber. Jetzt – ganz wichtig – lassen Sie alle Hemmungen fallen: Verteilen Sie grosszügig Olivenöl und Balsamicoessig darüber, salzen und pfeffern Sie gehörig. Basilikum nicht vergessen – fertig ist die mediterrane Schweinerei. Ja, das esse ich zum Frühstück. Mathias Möller

Schoggijoghurt

Es ist das schweizerischste aller Joghurts: nur Milch und Schokolade. Doch muss es stichfest sein. Weil morgens die Feinmotorik noch stottert, verkleckert Schlabberjoghurt die Zeitung. Zudem lassen sich ins stichfeste Joghurt mit dem Löffel hübsche Formen stechen. Allerdings ist es so schweizerisch, dass es im Ausland nicht zu bekommen ist. Dort gibt es Schokoladenflan, -creme oder -pudding, doch kein Schoggijoghurt stichfest. Ein Grund, nur zu Hause zu frühstücken. Helene Arnet

Guinness

Ich vertraue Ihnen jetzt an, was ich einst im Austauschjahr von den Wandervögeln der Uni Dublin lernte. Hören Sie mir gut zu: Sie nehmen eine Gabel voll Ei und Speck, einen Bissen Sodabrot. Und dann einen grossen, einen wirklich grossen Schluck Guinness. Nach diesem Frühstück werden Sie durch Wind und Wetter wandern wie noch nie im Leben. Nicht überzeugt? Stellen Sie sich einfach vor, das Guinness sei eine Art Smoothie. Simon Knopf

Shakshuka

Am Wochenende koche ich lieber grad ein kleines Zmittag, als einen Brunch aufzutischen, weil ich es nie schaffe, einzukaufen. Shakshuka, ein israelisches Eiergericht, ist ein sättigendes Zmorgezmittag aus Notvorräten für Faule und Verkaterte: Knobli und Zwiebeln in Öl anbraten, eine Büchse gehackte Tomaten, Salz und Pfeffer dazugeben, köcheln lassen und so viel Eier, wie man gerade im Kühlschrank hat, auf die Tomaten geben. Masse einköcheln lassen, bis die Eier gar sind. Mit Kreuzkümmel oder Zatar würzen und eventuell Peterli drübergeben. Claudia Schmid

Elvis-Toast

Eigentlich ist es ein Erdnussbutter-und-Bananen-Sandwich. Aber in unserer Familie heisst es Elvis-Toast. Das Rezept stammt von Mary Jenkins. Sie war die Köchin der Musiklegende Elvis Presley. Der Elvis-Toast begeistert Erwachsene und Kinder. Es braucht zwei Bananen, sechs grosse Scheiben Toastbrot, viel Butter und ein Glas Erdnussbutter (ja, ein ganzes Glas, Elvis liebte es deftig). Bananen und Erdnussbutter mit dem Pürierstab mischen. Die Scheiben toasten. Dann mit der Erdnuss-Bananen-Mischung drei Sandwiches streichen. Diese mit viel Butter in einer Pfanne wenden. Übrigens: Vor 40 Jahren starb Elvis. Grund genug, sich mal wieder einen Elvis-Toast zu gönnen. Jan Derrer

Ländlermusik

Muss es wirklich immer so neumödig sein? Pancakes, Shak­shuka, Elvis-Toast. Vor allem Elvis-Toast! Und dann rennen sie alle an diese Brunches mit Toast Hawaii, Eggs Benedict und Scones! Hier bei uns, da wird weder gefrühstückt noch gebruncht, wir zmörgelen (zur Not würden wir bröntschen). Mit Zopf, Butter, Konfi (nein, nicht Marmelade) und einem Dreiminutenei. Und im Hintergrund wogt die Ländlerwelle. Wir sind durchaus auch bereit, Zugeständnisse an die Neuzeit zu machen, doch, doch: Denn das Lüpfige darf auch aus dem Internetradio an den Zmorgetisch branden. Nicola Brusa

Hagelslag

Da liegen sie einsam auf dem Tellerrand. Fünf Schokostreusel. Ich nehme ein Stück Brot, schmiere Butter drauf, tupfe sie damit auf. Nein, Sie haben nicht falsch gelesen, niederländischer Hagelslag (ausgesprochen: Hachelslach) ist kein Topping für Kuchen oder Glace. Die Streusel – die es in allen Schokoladensorten und in einer fruchtigen Variante gibt – gehören aufs Brot. Am besten auf ein gummiges Kastenbrot, das man der Breite nach zusammenklappen kann, sodass auch ja kein Streusel herunterfällt. Leonie Vollenweider

Nutella

Sie besteht aus Kakao, Haselnüssen, aus Sojalecithin oder Vanillin, doch das ist eigentlich schnurz. Wichtig ist, wonach sie schmeckt: nach Süden. Meer. Sonne. Nach einem wackligen Campingtisch, einem Frühstück in der wärmenden Morgensonne. Nutella ist Ferienstimmung im Glas. Und eine Kindheitserinnerung an Rhodos, die Côte d’Azur, den Lago di Mergozzo. Schön, kann man sich als Erwachsener seine eigenen Regeln zurechtlegen – und auch mal in der Schweiz zum Glas greifen. David Wiederkehr

Ei

Es macht das Morgenessen zum Thriller: das Frühstücksei. Abhängig von Meereshöhe und Grösse die exakt richtigen Sekunden zu erwischen, um es aus dem kochenden Wasser zu heben, und zwar so, dass nicht nur der Eierkoch, sondern auch die Gemahlin zufrieden ist mit der Konsistenz – das ist Spannung pur. Loriot hat ja eindrücklich die fast mörderische Atmosphäre geschildert, die zwischen Eheleuten bei Nichtgelingen entstehen kann. Schön, dass die Küchengeräteindustrie sich für die Prävention häuslicher Gewalt starkmacht und entsprechende Produkte anbietet. Eines habe ich mir angeschafft: das Piep-Ei. Es singt, sobald der rechte Zeitpunkt da ist, «Killing Me Softly». Edgar Schuler

Truffes-Brioche

Ich hasse den Morgen – und das Frühstück. Nur eines spendet mir zu einstelligen Uhrzeiten Trost: das Truffes-Brioche von Sprüngli. Es lässt sich ohne Einsatz der Kaumuskulatur im Mund zerdrücken, dazu ist es wunderbar buttrig und von leicht herber Süsse. 2.50 Franken kostet es, ich würde auch das Fünffache bezahlen. Alexander Kühn

Full English

Für ein Full English, ein englisches zMorge mit allem Drum und Dran, braucht es jemanden der schon frühmorgens mit voller Hingabe bei der Sache ist: Der Speckscheiben mit dicker Rinde aussucht; der Tomaten und Pilze kurz angedünstet; der weiss, dass es nur Heinz-Baked-Beans und Linconshire Würstchen sein dürfen; der die Eier Sunny-Side-Up brät; der den Butter dann auf den Toast aufträgt, damit er nur leicht schmilzt. Eine Scheibe Toast für die Bohnen, eine für das Ei. Viele Köche lassen den Teller jetzt zu lange stehen. Der Toast saugt die Tomatensaue der Bohnen auf und wird schlabberig. Das ist der Unterschied zwischen dem bestmöglichen und grausigsten Start in den Tag. Barnaby Skinner

Zigarette

Essen kurz nach dem Erwachen? Unmöglich. Zudem macht mich der Begriff «Zmörgele» fertig – verschlafene Menschen, ungewaschene Gesichter, Brösmeli überall. Lieber an die frische Luft. Für eine Zigi. Bettina Weber

Erstellt: 08.09.2017, 07:41 Uhr

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