Erste Zürcher Gastronomen kippen die Avocado aus dem Menü

Die Trendfrucht steht wegen Ökoproblemen in der Kritik: Jetzt wendet sich ein Zürcher Café von ihr ab – und wagt etwas Neues. Auch Hiltl reagiert.

Vom Menü verbannt: Den Avocadofächer gibt es seit gestern nicht mehr im Café des Amis. Bild: Café des Amis

Vom Menü verbannt: Den Avocadofächer gibt es seit gestern nicht mehr im Café des Amis. Bild: Café des Amis

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Eine kleine Diva, vegan und sündenfrei, die Butter des reinen Gewissens: Die Avocado wird weltweit geliebt. Wären da nicht ihre negativen Auswirkungen auf die Umwelt.

Ein Zürcher Café streicht deshalb die Frucht von der Speisekarte. Das Café des Amis hat den Avocadofächer aus dem Angebot genommen – obwohl er äusserst beliebt war. Vor enttäuschten Kunden fürchtet sich Geschäftsführer Miguel Castro nicht. «Mir war es wichtig, die Umstellung der Menükarte zu kommunizieren.» Zudem gebe es diverse Alternativen.

Dass er mit dem Entscheid ein gewisses Risiko eingeht, ist sich Castro bewusst. «Der Avocadofächer ist wahnsinnig gut gelaufen», sagt er. Doch manchmal brauche es den Mut, etwas zu wagen.

Öko-bewusste Gäste

Mit Marketing habe das nichts zu tun. Das Café des Amis verkaufte geschätzt 50 bis 70 Avocadomenüs in der Woche. Das entspreche mindestens 2000 Avocados im Jahr. Die Umweltprobleme bei der Produktion will Castro nicht einfach hinnehmen. «Wenn man sich das einmal genau ansieht, muss man etwas dagegen tun.»

Guacamole und Bananen hat das Café bei der letzten Menüumstellung vor rund einem halben Jahr aus demselben Grund aus der Küche verbannt. Negative Reaktionen gab es laut Castro keine.

Randen im Ofen geschmort mit Räuchersalz, Erbsenstampf, Kresse und gerösteten Haselnüssen: In der Konsistenz ähnlich wie Avocado. Bild: Café des Amis

Die hippe Frucht stellt viele vor ein Dilemma. Trendbewusste loben sie als Fleisch- und Butterersatz, dank Mineralien, Vitaminen und ungesättigten Fettsäuren als gesund. Guacamole und Social Media haben der Avocado zum Durchbruch verholfen.


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Alleine die USA importieren jährlich 900'000 Tonnen. Die Schattenseiten: Der hohe Wasserverbrauch beim Anbau lässt Flüsse versiegen, für Plantagen werden Urwälder gerodet.

Das Café des Amis hat für den Avocadoteller, der vor allem als Zmorge beliebt war, einen Ersatz gefunden: einheimische Randen. Das vegane Menü schmeckt laut Castro zwar anders, ist in seiner Zubereitung jedoch ähnlich. «Die Konsistenz ist vergleichbar. Zudem wachsen Randen auch bei uns und ist das ganze Jahr erhältlich», sagt Castro.

Der ökologische Fussabdruck sei ihm wichtiger als der Lifestyle, sagt Castro. Würden einige Vorreiter einen neuen Weg gehen, könne daraus ein Trend entstehen. Will heissen: Gut möglich, dass sich bald andere Restaurants von der Avocado abwenden.

Hiltl für zwei Wochen Avocado-frei

Auch Hiltl hat bereits auf die zunehmende Kritik an der Trendfrucht reagiert. Die vegetarische Gastronomiekette bietet seit der letzten Menüumstellung von vergangener Woche keine Guacamole mehr an.

Zunächst betrifft diese Massnahme den bedienten Teil des Restaurants in Zürich, wie Inhaber und Geschäftsführer Rolf Hiltl sagt. «Ab nächster Woche gehen wir noch einen Schritt weiter.»

«Aus ökologischen Gründen bieten wir in allen Hiltl-Buffets keine Guacamole mehr an.» Der Test dauert zwei Wochen, wobei man die Reaktionen der Kunden abwarte. «Wir wollen die Gäste begeistern», sagt Hiltl. «Aber nicht um jeden Preis. Nicht auf Kosten der Umwelt.»


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Alternative: Avocados aus Europa

Gesunde Ernährung sei im Leitbild verankert, sagt Hiltl, und Avocados seien gesund. «Gleichzeitig übernehmen wir Verantwortung gegenüber Mensch, Tier und Natur». Die Kundschaft sei sensibel, weshalb Hiltl zwar mit Reklamationen rechnet, doch auch mit Verständnis. «Unsere Gäste haben ein Herz für die Natur.»

Dass die Reaktion gerade jetzt komme, habe damit zu tun, dass das Ausmass der schädlichen Auswirkungen des Avocado-Booms immer deutlicher werde. «Wir sind uns der Problematik bewusst.»

Im Anschluss an den Versuch will es Hiltl mit Avocados aus Europa versuchen. «Ab November beginnt die Ernte in Spanien», sagt der Gastronom. Das sei vom Transport her sinnvoller. «Je nach Qualität und Feedback stellen wir auf europäische Avocados um – oder wir lassen es generell.» Schmackhafte Alternativen gebe es viele.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 18.10.2018, 16:47 Uhr

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