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Ferien vom Blabla

Reisen ist schön. Besonders, wenn man die Sprache nicht versteht.

Dieses Schild markiert in Norwegen die Fussgängerzone – zur grossen Erheiterung der italienischen Reisenden, bei denen diese Worte wenig salonfähige Assoziationen wecken.
Dieses Schild markiert in Norwegen die Fussgängerzone – zur grossen Erheiterung der italienischen Reisenden, bei denen diese Worte wenig salonfähige Assoziationen wecken.
iStockphoto

«Trenger du en pose?», fragt der Mann hinter der Kasse, und man ahnt ja, dass das keine besonders poetische Frage sein kann. Aber wenn man kein Wort versteht, wirkt alles neu und aufregend. Die Worte, die da im routiniert abgeschliffenen Kassenmännerton ausgesprochen werden, stellen sich auf erfrischende Weise quer im Gehörgang der Reisenden. Die Banalität wird zum Geheimnis.

Das gehört zweifellos zu den am meisten unterschätzten Vorzügen des Reisens: Man versteht nicht, was die anderen sagen. Also gibt es keinen überflüssigen Small Talk, kein Wetter-Blabla, keine Floskeln, keinen unfreiwillig mitgehörten Tratsch und Knatsch – sondern nur Klänge, die nichts bedeuten, aber alles bedeuten könnten. Erholsam ist das, und klar, auch aufschlussreich: Die Sprache erzählt mindestens so viel von der Fremdheit eines Ortes wie die ungewohnte Architektur oder die Elchwurst am Marktstand.

Fremdsprachen sind wie Wundertüten: Selbst wenn der Inhalt Schrott ist, macht das Auspacken Spass.

Man hört und staunt dann, mit welcher Leichtigkeit die Einheimischen Silben aneinanderreihen, die man sich beim besten Willen nicht merken könnte. Und man liest – nein, keine hohe Literatur: Schon die Zutatenliste einer Konfitüre wird zur spannenden Lektüre. Fasziniert enträtselt man Verbotstafeln und Gebrauchsanweisungen und konstatiert Ähnlichkeiten, Unterschiede oder – besonders apart – falsche Verwandtschaften (kein Wunder, stellen sich Italiener in Norwegen fürs Selfie gern unters Schild «Sone gågate», das eigentlich ganz nüchtern die Fussgängerzone bezeichnet, aber für südliche Leser sehr nach «sono cagate» klingt – einer gar nicht salonfähigen Formulierung für «das ist Mist»). Fremdsprachen sind wie Wundertüten: Selbst wenn der Inhalt Schrott ist, macht das Auspacken Spass.

Der Mann hinter der Kasse hat allerdings wenig Sinn für den besonderen Reiz der Situation. Er sieht einfach eine weitere ratlose Kundin, also stellt er um: «Do you need a bag?» Zum Teufel mit der Globalisierung!

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