Auch ein Verkaufsverbot kann das Vorglühen nicht verhindern

Ob in Bern, Lausanne oder Zürich – die negativen Begleiterscheinungen des Nachtlebens fordern die Städte heraus. Sicherheitspolitiker sehen das Problem in einer Über-Alkoholisierung.

Jederzeit Zugang zu Alkohol: Jugendlicher studiert das Sortiment in einem Supermarkt. (Archivbild)

Jederzeit Zugang zu Alkohol: Jugendlicher studiert das Sortiment in einem Supermarkt. (Archivbild) Bild: Keystone

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Das Nachtleben in der Schweiz hat sich in den vergangenen Jahren verändert. Es gibt mehr Gewalt, Lärm und liegengebliebenen Abfall. Der Städteverband hat deshalb einen Bericht mit möglichen Massnahmen zusammengestellt. Probleme bereitet vorab der Alkohol. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet berichtete)

Ob in Bern, Lausanne oder Zürich - die negativen Begleiterscheinungen des Nachtlebens fordern die Städte heraus. Die Ursache von vermehrten Konflikten sieht der Städteverband unter anderem darin, dass alkoholische Getränke fast uneingeschränkt zur Verfügung stünden.

Die «Über-Alkoholisierung» sei in allen Städten ein Problem, sagte der Lausanner Sicherheitsdirektor Grégoire Junod (SP) heute bei der Vorstellung des Berichtes vor den Medien in Bern. Sein Stadtberner Kollege Reto Nause (CVP) ergänzte: «Wir wollen nicht, dass es in Bahnhöfen stapelweise Billigbier zu kaufen gibt.»

Dem vom Bund geplanten Verkaufsverbot von Alkohol im Detailhandel ab 22 Uhr steht Junod positiv gegenüber: «Wenn Städte dies wünschen, sollen Verkaufsverbote möglich sein.» Manchmal sei zugunsten der öffentlichen Gesundheit eine Einschränkung der Gewerbefreiheit nötig. Nause sagte dazu: «Die Städte brauchen grundsätzlich mehr Handlungsspielraum.»

«Vorglühen» und selber mischen

Allerdings zeigt der Bericht des Städteverbandes auch auf, dass Verkaufsverbote nicht der Weisheit letzter Schluss sind: Insbesondere Jugendliche decken sich einfach vor Verkaufsschluss mit Bier oder anderen alkoholischen Getränken ein. Das «Vorglühen» ist für viele fester Bestandteil des Ausgangs geworden.

Auch die Preisaufschläge bei den Alcopops erbrachten nur beschränkt die erhoffte eindämmende Wirkung: Seit der Einführung der Sondersteuer mischen insbesondere Jugendliche hochprozentige Alkoholika und Süssgetränke vermehrt selber.

In Bezug auf die Jugendlichen machte der Winterthurer Stadtpräsident Michael Künzle (CVP) auf ein weiteres Problem aufmerksam: Diese wollten Orte, an denen sie nichts konsumieren müssten und unter sich sein könnten. Deshalb würden vermehrt öffentliche Plätze in Beschlag genommen. Dies wiederum führe nicht selten zu Konflikten mit Anwohnenden.

Gute Erfahrungen hat diesbezüglich die Stadt Zürich mit den neu einführten Jugendbewilligungen für Freiluft-Partys gemacht: Ohne grossen administrativen Aufwand können Personen im Alter zwischen 18 und 25 Jahren eine Bewilligung für nicht-kommerzielle Anlässe bekommen.

Repression wirkt

Wie der Bericht des Städteverbandes weiter zeigt, helfen vor allem auch repressive Instrumente wie die Ausnüchterungszelle für Jugendliche in der Stadt Zürich oder das konsequente Anzeigen von Verstössen in der Stadt St. Gallen. In Winterthur wirke die nächtliche Velopolizei auch präventiv, sagte Künzle.

Erfolgversprechend ist neben Polizeipräsenz in Ausgehzonen auch eine enge Zusammenarbeit zwischen Behörden und Ausgehlokalen. Als positives Beispiel wird das «Sicherheitskonzept» der Stadt Bern genannt: Clubs erhalten nur dann eine Überzeitbewilligung, wenn sie gewisse Auflagen erfüllen.

Aufhebung der Polizeistunde kritisiert

In Bezug auf die Bewilligung von verlängerten Öffnungszeiten plädiert der Städteverband dafür, dass die Kompetenzen möglichst bei den Städten selbst und nicht beim Kanton liegen sollten. Der kompletten Aufhebung der Polizeistunde steht der Verband aber kritisch gegenüber.

Erfahrungen in der Stadt Luzern zeigten, dass zwar «hohe Publikumskonzentrationen» wegfallen würden. Allerdings gebe es nicht weniger Nachtruhestörungen, denn die Ausgängerinnen und Ausgänger bewegten sich über eine längere Zeit im öffentlichen Raum. Lausanne habe gar eine «heure blanche» eingeführt: Um 5 Uhr schliessen die Clubs während einer Stunde, oder sie dürfen zumindest keinen Alkohol verkaufen.

Wert legten die Vertreter aus den Städten an der Medienkonferenz darauf, dass ein Nachtleben durchaus wünschenswert sei und zur Attraktivität eines Ortes beitrage. Im Weiteren seien es nicht nur Jugendliche, die Probleme bereiteten, sondern auch junge Erwachsene und Erwachsene. (mrs/sda)

Erstellt: 18.02.2013, 14:06 Uhr

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