Auf Königin getrimmt

Intelligent müssen sie sein. Mit einer sozialen Ader. Und einem starken Willen. Am Ende zählen aber vor allem ihr Aussehen und die Art, wie sie sich kleiden. Die Rede ist von Europas zukünftigen Königinnen.

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«Menschlich... Es mag pathetisch klingen, aber dies ist das beste Adjektiv, um Máxima zu beschreiben.» So heisst es in der soeben veröffentlichten Biografie «Máxima, Königin der Niederlande». Die Gattin des niederländischen Thronfolgers, der ab Dienstag die Krone trägt, wird als stark und emanzipiert charakterisiert – als eine Frau, die alle Höhen und Tiefen des Lebens meisterte und schliesslich sogar ihre Figur akzeptierte. Bravo.

Zugegeben, wer eine Biografie über eine Prinzessin liest, sollte keine differenzierte Auseinandersetzung mit der Person erwarten – schliesslich sind genug Palastmitarbeiter darum bemüht, den Schreibern auf die Finger zu schauen und nötigenfalls einzugreifen, wenn ein unpassendes Bild vermittelt wird.

Projektionsfigur Königin

Trotzdem erschreckt es, wie von aussen auf den weiblichen Adel geblickt wird. Die britische Booker-Prize-Gewinnerin Hilary Mantel verbrannte sich unlängst die Finger, als sie in einem Essay kritisierte, dass man Kate Middleton vor allem als «eine mit verschiedenen Tüchern behängte Puppe» wahrnehme.

Aber genau dies ist der Fall, und auch bei der zukünftigen Königin der Niederlande interessiert am Ende vor allem, wie stilsicher sie sich bei öffentlichen Anlässen präsentiert oder ob die 42-jährige, gebürtige Argentinierin blond genug ist für eine holländische Monarchin. Im Gegenzug scheint sich niemand daran zu stören, dass ihr Gemahl schon mal wie ein betrunkener Prolet aus der edlen Wäsche guckt. Aber man stelle sich mal eine Prinzessin mit fettigen Haaren vor – ein Skandal!

In royalen Kreisen mag dies niemand zugeben. Stattdessen hungern die Prinzessinnen heimlich (Victoria von Schweden, Letizia von Spanien, Kate von England), während gegen aussen proklamiert wird, wie stark sich die Damen für die Wohltätigkeit engagierten und wie sehr sie um ein modernes Frauenbild bemüht seien. Dabei durfte Máxima noch nicht einmal ihr eigenes Hochzeitskleid aussuchen. So viel zum Thema Selbstbestimmung.

Wandelnde Werbeschilder

Dafür ist den Blaublüterinnen die ganze Aufmerksamkeit gewiss. Sie sind die hübschen Aushängeschilder der Monarchien, während sich ihre Männer – obwohl sie bei offiziellen Auftritten vor ihren Gattinnen herschreiten – in ihren Schatten bewegen. Oder weiss jemand spontan, wie Frederik von Dänemark aussieht? Oder Philipp von Belgien?

Auch Máxima ist ein wandelndes Werbeschild für den Königshof und profiliert sich durch ihr strahlendes Lächeln und ihre Volksnähe. Eine wichtige Aufgabe, schliesslich sehen sich Europas Königshäuser immer mal wieder mit Erklärungsnöten konfrontiert, was ihre Daseinsberechtigung angeht. Vielleicht überdauern sie nicht zuletzt dank den auf Stilsicherheit, Menschlichkeit und Freundlichkeit getrimmten Prinzessinnen, die sich in den Jugendjahren die Hörner an Partys abgestossen haben, sich seit der Eheschliessung aber als Mütter der Nation präsentieren. Gäbe es sie nicht, gäbe es gar wenig zu schreiben über den europäischen Adel.

Und wer bis hierher durchgelesen hat, beweist, dass entsprechende Artikel nach wie vor ein Anliegen sind. (Berner Zeitung)

Erstellt: 26.04.2013, 13:08 Uhr

«Máxima, Königin der Niederlande». Soledad Ferrari, Gonzalo Alvarez Guerrero. Knaur Verlag, ca. 28 Frnken.

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