Aus Abfall wird Gartengold

Nicht zufällig sprechen Gärtner von «schwarzem Gold»: Wer seine Garten- und Rüstabfälle kompostiert, wird mit wertvollem Humus für seine Blumen- und Gemüsebeete belohnt. 

ImageCaption. Foto: Fotograf Auf den Kompost gehört viel stängeliges, trockenes Material, wenige Rüstabfälle aus der Küche und gar nichts Gekochtes.

ImageCaption. Foto: Fotograf Auf den Kompost gehört viel stängeliges, trockenes Material, wenige Rüstabfälle aus der Küche und gar nichts Gekochtes. Bild: Getty Images

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Lange Zeit hatte der Kompost keinen allzu guten Ruf. Ein stinkender Haufen sei es, der im Garten möglichst gut versteckt sein sollte. So viel vorab: Ist das Material auf dem Kompost in einer guten Balance, stinkt er nicht. Dank einer erstarkten Gartenbewegung aus den Städten und einer stetig mehr Beachtung findenden Biogartenszene erfährt der Kompost zunehmend eine Rehabilitierung. Es gibt mittlerweile Kompostforen und -kurse. Und es gibt Haufen, die so kunstvoll und trotzdem funktional aufgebaut sind, dass sie glatt als Land-Art durchgehen.

Gut gereifter Kompost ist als Bodenverbesserer Gold wert. Für gesunde Pflanzen braucht es nebst Wasser und Licht einen Boden mit einer hohen biologischen Aktivität. Letztere wird mit dem Ausbringen von Kompost gefördert. Es geht also darum, den Boden und somit die Myriaden von Bodenlebewesen zu füttern, denn diese sorgen dafür, dass die Nährstoffe chemisch so beschaffen sind, dass Pflanzen diese aufnehmen und wachsen können.

Zudem ist der Kompost Teil der Kreislaufwirtschaft: Küchen- und Gartenabfälle, die noch wertvolle Nährstoffe enthalten, finden in veränderter Form ihren Weg zurück in den Boden. Und nicht zuletzt schonen Kompostierer nicht nur die Umwelt, sondern auch ihr Portemonnaie: Wer seine Grünabfälle nicht einfach entsorgt, gibt weniger Geld aus für Kehrichtgebühren und für den Kauf von Dünger.

Schattiges Plätzchen

In einem Garten entwickelt sich der Kompost an einem schattigen Plätzchen am besten. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, einen Kompost anzulegen: etwa in Behältern (Silos und Gitter), oder es wird eine sogenannte Miete oder ein Walm auf dem offenen Boden angelegt. Damit er weder austrocknet noch bei Regen zu viel Wasser abkriegt, ist es ratsam, den Kompost abzudecken.

Wichtig ist die Beschaffenheit und Zusammensetzung des Materials: Man sollte es auf handlange Stücke zerkleinern und mehr stängeliges, trockenes Material als nasse Rüstabfälle verwenden. Die Kompostwissenschaft spricht diesbezüglich vom C/N-Verhältnis, das die Anteile von Kohlenstoff (C) und Stickstoff (N) beschreibt. Küchenabfälle haben einen hohen Stickstoffgehalt und auch mehr Wasser im Gewebe. Gartenabfälle haben meist einen hohen Kohlenstoffgehalt und weniger Wasser im Gewebe.

Landet zu viel stickstoffhaltiges Material auf dem Kompost, beginnt der Haufen zu stinken, was bedeutet, dass der Rotteprozess keinen guten Verlauf nimmt. Dann muss mehr trockenes Material untergemischt werden. Hat es dagegen zu wenig stickstoffhaltiges Material auf dem Haufen, findet die wundersame Umwandlung von Abfällen in wohlriechenden, krümeligen Kompost nicht statt.

Kompostneulinge müssen mit der Zusammensetzung meist etwas experimentieren, bis es klappt. Als Faustregel gilt ein C/N-Verhältnis von 20:1, dies darf aber je nach Standort nicht allzu streng gesehen werden. Und so absurd es klingen mag: Der vergangene Hitzesommer hat in vielen Gärten dazu geführt, dass die Komposthaufen zu trocken waren und gegossen werden mussten, um den Rotteprozess aufrechtzuerhalten.

Nichts Gekochtes

Nicht auf den Kompost gehören gekochte pflanzliche Lebensmittel oder solche tierischen Ursprungs. Geschweige denn Plastik oder Metall. Ebenfalls nicht empfehlenswert sind Samenstände und Wurzelreste von hartnäckigen Beikräutern sowie mit Krautfäule befallene Tomatenstauden oder Kartoffeln. Auch Asche hat auf dem Kompost nichts verloren, diese kann Schwermetalle und andere Schadstoffe enthalten.

Gut gereifter
Kompost ist ein
unverzichtbarer Bodenverbesserer.

Ein Kompost kann fortlaufend innerhalb von maximal sechs Monaten aufgebaut werden. Danach wird er in Ruhe gelassen. Zugegebenermassen bedeutet Kompostieren einiges an Arbeit, vor allem wenn sie allein getätigt wird. Deshalb ist es empfehlenswert, das Zerkleinern und Schichten als sozialen Akt in einem Rutsch zu machen.

Einfach den Gartenabraum vorerst auf gesonderten Haufen sammeln und dann ein Kompostierhappening einberufen: Die einen zerkleinern, die anderen schichten den Haufen, der Rest macht Kaffee und Kuchen. So entsteht im Nu aus Bergen von Gartenabraum ein schöner Haufen, der nun die Arbeit übernimmt. Denn bei einem von Anfang an ausgewogenen C/N-Verhältnis machen sich allerlei Lebewesen – Kompostwürmer, unsichtbare Kleinstlebewesen, Pilze und Bakterien – an die Arbeit und verwandeln die Abfälle unter Wärmeentwicklung in einen nährstoffreichen Dünger. Je kleiner die Bestandteile, desto schneller ist die Rotte abgeschlossen und desto feiner wird der Kompost.

Dosiert ausbringen

Nach drei bis sechs Monaten sollte der Rotteprozess abgeschlossen und der Kompost reif sein, er darf aber abgedeckt auch länger vor sich hin schlummern bis zur Verwendung. Er kann dosiert im Frühjahr ausgebracht werden, maximal zwei Schaufeln pro Quadratmeter für Gemüse, Stauden brauchen weniger. Mehr käme einer Überdüngung gleich und würde mehr Schaden anrichten als Nutzen bringen.

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Erstellt: 30.12.2018, 15:04 Uhr

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