Bern

Besser leben dank der Herrenrunde

Sie wollen persönlich weiterkommen, coachen sich gegenseitig in Meetings und diskutieren nur auf Englisch: Der Lifestyle Improvement Club für Männer nennt sich Social Zebras und wurde 2014 in Bern gegründet.

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Treffpunkt Bern Bahnhof, 21.30 Uhr: Ein paar Männer gehen zielstrebig auf drei junge Frauen zu, sprechen sie an und gehen plötzlich auf den Boden und machen Liegestützen. Die Frauen sind etwas irritiert. Kurz darauf sind die Männer wieder verschwunden.

Die Szene ist der Abschluss eines eher ungewöhnlichen Männerabends. Die Jungs kommen vom wöchentlichen Meeting ihres Clubs Social Zebras, wo sie sich mit anderen Männern jeweils zum Diskutieren treffen. Dafür haben sie an der Wankdorffeldstrasse ein Sitzungszimmer einer Beratungsfirma gemietet.

«Früher haben wir uns immer im Starbucks getroffen, aber wir wollten einfach frei reden können,» erklärt Sam Friederich. Dies sei auch ein Grund, warum sie lieber nur unter Männern diskutieren. «Wir Männer reden einfach in Gegenwart von Frauen nicht so gerne über persönliche Themen.»

Lohnerhöhung dank Club

Der 29-Jährige ist einer der Gründer dieses «Lifestyle Improvements Clubs», und erzählt, dass er früher eher zurückhaltend war und auf der Suche nach mehr. «Es musste einfach noch mehr geben, als dieses 0815-Leben, nur schlafen, aufstehen, und arbeiten.» 2013 lernte er mit dem 23-jährigen Stefan Meier einen Gleichgesinnten kennen. Sie fingen an, sich auf WhatsApp über Themen, die sie beschäftigen auszutauschen und sich zum Diskutieren zu treffen – auf Englisch. «Weil wir uns weiterentwickeln wollen und es die wichtigste Sprache ist», so Meier. Nach und nach kamen weitere offene und motivierte Männer dazu, wie sie sich selber beschreiben, und sie gründeten einen Verein.

Ist Social Zebras also eine Selbsthilfegruppe für Männer? «Jein», antwortet Henrik Telepski, der wie Friederich und Meier im Vorstand des Vereins ist. «Es gab kürzlich diesen Zeitungsbericht, dass Männer, die zu gut erzogen sind, schlecht im Bett wären,» sagt der 32-Jährige. «Zwar war der Feminismus ein wichtiger Schritt in der Entwicklung der Rechte der Frauen, doch viele Männer sind inzwischen verunsichert, wie sie sich verhalten sollen.»

Für ihn sei der Club wie eine Energiequelle, er habe sich dadurch in allen Lebensbereichen weiterentwickelt. «Ich bin inzwischen in einer glücklichen Beziehung und habe letzthin eine Lohnerhöhung erhalten.» Der Club scheint es also auch karrieretechnisch in sich zu haben.

Raus aus der Wohlfühlzone

Vom Psychologiestudenten über den Informatiker bis zum Unternehmer kommen die Club-Mitglieder aus allen beruflichen Ecken. Mitmachen können alle ab 18, Hauptsache männlich und motiviert. Für die wöchentliche Diskussion wird vorab ein Thema bestimmt. Am Abend der Bahnhof-Aktion ging es um das Ausbrechen aus der Comfort Zone, der Wohlfühlzone.

Dieses «Comfort Zone Crushing» scheint generell ein wichtiges Thema für die Social Zebras zu sein: Nebst den wöchentlichen Meetings veranstaltet der Club einmal im Monat die XConnection, wo die Theorie in die Praxis umgesetzt wird und auch Frauen willkommen sind.

Dabei stehen spontane Aktionen im Vordergrund. Neben Liegestützen in der Öffentlichkeit ist ein Kompliment an eine wildfremde Person nur eine weitere der 71 Aktionen, die auf ihrer Liste stehen. Und mit dieser sind sie nicht nur in Bern unterwegs. Am 21. März etwa wollen die Zebras mit Liste und Kamera bewaffnet Luzern unsicher machen.

www.social-zebras.com

//blog.social-zebras.com/ (Berner Zeitung)

Erstellt: 04.03.2015, 10:04 Uhr

Video


Youtube.com/Socialzebras

Club für Frauen

Da die Social Zebras immer wieder Anfragen von Frauen hatten, die sich für solche Meetings interessierten, ist ein Lifestyle Improvement Club für Frauen im Aufbau, wo noch Mitglieder gesucht werden. Der Verein nennt sich Vita Evas, der Aufbau und das Prinzip ist genau das Gleiche – einfach für Frauen.

www.vitaevas.com

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