Biker kritisieren Wald-Studie des Bundes

Eine Umfrage zeigt: Biker und Velofahrer sind der grösste Störfaktor in Schweizer Wäldern. Biker selbst beurteilen die Studie des Bundesamts für Umwelt als nicht repräsentativ.

Kritik an der Bafu-Studie: Ein Biker am Zürcher Uetliberg.

Kritik an der Bafu-Studie: Ein Biker am Zürcher Uetliberg. Bild: Keystone

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Schweizerinnen und Schweizer sind zufrieden mit ihrem Wald – zu diesem Schluss kommt eine repräsentative Umfrage im Auftrag des Bundesamts für Umwelt (Bafu).

Der Wald gilt bei fast allen als beliebter Freizeitort und als Rückzugsmöglichkeit zur Erholung. Gemäss der Befragung fühlen sich 88 Prozent der Personen im Wald sehr wohl, 95 Prozent aller Befragten empfinden es als entspannend, im Wald in der Natur zu sein.

Biker kaum befragt

Doch laut der Umfrage gibt es auch Störfaktoren, welche die Leute nerven. Rund 43 Prozent der Befragten fühlen sich bei der Erholung im Wald mindestens teilweise durch andere Personen gestört. Am häufigsten sind Velofahrende oder Mountainbiker die Ursache, gefolgt von Hundebesitzern mit ihren Vierbeinern (siehe Grafik). Dass Biker als grösster Störfaktor im Wald empfunden werden, wird in der Bikeszene aber infrage gestellt.

«Laut meinen Informationen liegt das Durchschnittsalter der besagten Umfrage fast bei 60 Jahren und deshalb sind Biker in dieser Umfrage kaum vertreten», kritisiert Samuel Hubschmid, Präsident von Trailnet. Der Verein betreibt in der Grossregion Bern verschiedene Bikestrecken. Trailnet führt derzeit auch die Kampagne gegen das neue Waldgesetz im Kanton Bern. Das neue Waldgesetz will das Biken in Wäldern faktisch verbieten.

Zum zweiten Mal durchgeführt

Hubschmid – in der Bikeszene bekannt als Noodlez – ist der Meinung, dass die Umfrage durch das hohe Durchschnittsalter nicht die Bevölkerungsmeinung abbildet. «Laut offiziellen Statistiken sind Mountainbiker zwischen 25 und 45 Jahre alt. Wäre diese Alterskategorie in der Umfrage repräsentativ vertreten, würde auch das Resultat anders aussehen, ist Hubschmid überzeugt.

Tatsächlich ist das Durchschnittsalter der Umfrage höher als das Schweizer Durchschnittsalter. Dies aber vor allem, weil erst Personen ab dem 18. Lebensjahr befragt wurden. Die Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft hatte die Telefon- und Onlinebefragung gemeinsam mit dem Forschungsinstitut GfS Zürich im Auftrag des Bundesamts für Umwelt durchgeführt. Insgesamt wurden rund 3000 Personen befragt. Die Befragung wurde nach 1997 bereits zum zweiten Mal durchgeführt.

Holznutzung ist akzeptiert

Die Holzproduktion ist heute bei der Bevölkerung stärker im Bewusstsein als bei der Umfrage 1997. 83 Prozent der Befragten finden die Holznutzung wichtig für die hiesige Wirtschaft, und nur jeder zehnte ist der Meinung, im Schweizer Wald würden zu viele Bäume geschlagen. Nur 22 Prozent unterstützen aber eine intensivere Bewirtschaftung; 1997 waren noch 45 Prozent für eine stärkere Nutzung gewesen. Die Waldpolitik 2020 des Bundesrates plädiert dafür, das nachhaltig nutzbare Holznutzungspotenzial auszuschöpfen. Derzeit werden pro Jahr rund 6 Millionen Kubikmeter Holz geschlagen. Laut dem Bund könnten und sollten aber pro Jahr rund 8 Millionen Kubikmeter gefällt werden. Durch die stetige «Unternutzung» wird der Wald vielerorts immer dichter. Das Bafu will die Bevölkerung für dieses Thema sensibilisieren und veranstaltet am 21.März auf dem Bundesplatz ein Event zum Thema.

Hoher Nutzen für wenig Geld

Die Mehrheit der Interviewten ist zudem der Meinung, dass diese Leistungen zugunsten der Allgemeinheit etwas kosten dürfen. 2010 richtete der Bund insgesamt 83 Millionen Franken für den Wald aus, der ein Drittel der Landesfläche der Schweiz ausmacht. 58 Millionen entfielen dabei auf die Pflege des Schutzwaldes. Verglichen mit den über 3 Milliarden Franken, die der Bund pro Jahr für die Landwirtschaft ausgibt, sind die Beiträge für den Wald ein Pappenstiel. Laut einer Studie des Bafu aus dem Jahr 2005 wird der «monetäre Erholungswert des Waldes» auf rund 10 Milliarden Franken pro Jahr geschätzt.

Erstellt: 18.02.2012, 21:21 Uhr

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