Brangelina haben keine Lust auf «Erd-Ärsche»

Statt Unterstützung durch die prominenten Nachbarn wie Angelina Jolie oder Johnny Depp kamen Paparazzi und Touristenbusse.

Man wollte sie für gute Zwecke gewinnen: Angelina Jolie und Brad Pitt.

Man wollte sie für gute Zwecke gewinnen: Angelina Jolie und Brad Pitt. Bild: Daniel Deme /Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Im Sommer, wenn die Zikaden singen und der Pastis wie Milch in den Gläsern steht, wenn sich die Alten im Schatten der Platanen versammeln, kann man sich kaum einen idyllischeren Ort vorstellen. Am Ortseingang von Correns verkündet ein Schild: 1er village bio de France. Auf das Label bio ist man stolz in Correns. «Hollywood», sagen sie hier gern, «geht uns am Arsch vorbei.»

Knapp 800 Einwohner zählt das Dorf in der Provence, darunter zwei Weltstars. Vergangenes Wochenende fand wieder das alljährliche Biofest statt mit Honig- und Käseständen, mit Produzenten, die ihr Gemüse nach Mondphasen anbauen, mit Vorlesungen über ätherische Öle und einem Atelier unter dem Titel «Den eigenen Sonnenofen bauen». Die bekanntesten Bewohner von Correns haben sich nicht blicken lassen.

Vier Ausflüge in acht Jahren

Brad Pitt und Angelina Jolie? «Die halten uns doch für Erd-Ärsche», sagt einer der Alten von Correns, «des culs-terreux», Bauerntrampel auf gut Deutsch. 2008, als sich die beiden Hollywoodstars in das Schloss Miraval verliebten, aus dem Helikopter heraus, als sie ihren provenzalischen Sommersitz erst mieteten, um ihn schliesslich für geschätzte 45 Millionen Euro zu kaufen, haben die Bewohner von Correns noch Illusionen gehabt: Dass man sie vielleicht mal am Freitagmorgen auf dem Markt treffen könnte; dass die Kinder mal in der kühlen Argens planschen könnten, die durch das Dorf fliesst; dass ein Powerpaar wie dieses den Tourismus ankurbeln oder man die beiden für gute Zwecke gewinnen könnte. «Wir wollten sie für einen Verein gewinnen, der sich für die Mukoviszidoseforschung engagiert», erzählt eine Frau aus dem Tourismusbüro. «Wir haben ihnen geschrieben, auf Englisch, sie haben nicht mal geantwortet.»

Ganz am Anfang haben Pitt und Jolie den Bürgermeister mal zum Abendessen eingeladen. Heute darf man Michaël Latz auf seine berühmtesten Bürger nicht mehr ansprechen. Als die beiden im August letzten Jahres geheiratet haben, liessen sie einen Friedensrichter aus Kalifornien einfliegen. Die Ehe wurde nicht im Rathaus, sondern in der Hauskapelle geschlossen. In Correns erzählt man sich, dass sie sogar das Mehl aus den USA haben einfliegen lassen, mit dem Sohn Pax den Hochzeitskuchen gebacken hat.

Als das Magazin «Vanity Fair» im Dezember letzten Jahres eine lange Reportage aus dem Dorf brachte, nahm die ganze französische Presse die Schlagzeile auf: «Die Ungeliebten von Correns»; «Ihre Nachbarn hassen sie»; «Anwohner wütend». Einmal haben sich Angelina und Brad mit den Kindern ins Dorf gewagt: Ausflug in die Crêperie, die währenddessen für andere Kunden gesperrt wurde. Die Dorfchronik verzeichnet ganze vier Ausflüge in acht Jahren. Man kann es den Brangelinas eigentlich nicht verübeln. Kein Crêpe kann so köstlich sein, dass man es mit der Weltöffentlichkeit teilen will.

Die provençalische Landschaft wird zum Dekor

Auf Luftbildern entpuppt sich Miraval als ganzes Dorf. Im Zentrum ein Landhaus aus dem 16. Jahrhundert, umgeben von 600 Hektar Land, darunter 50 Hektar Wein. Seit die Familie Perrin, eine der grössten Weindynastien Frankreichs, bei Anbau und Kelterung beraten, sind die ortsansässigen Arbeiter entlassen. «Wir haben hier Weinbauern, Handwerker, Maurer ... Meinen Sie, einer von denen hätte mal bei denen gearbeitet? Kein Einziger», echauffiert sich ein kräftiger Kerl im Dorf. Es ist wie verhext mit dem Süden Frankreichs: Er ist so schön, dass er alle anzieht. Elton John, Rod Stewart, David Beckham, Roger Moore, Inès de la Fressange, sie alle haben hier einen Sommersitz, aber sie zerstören das Paradies, das sie suchen. Es heisst, die Preise seien so in die Höhe geschossen, dass mittlerweile nicht mal mehr die Stars mithalten können. Die luxuriösesten Villen und Güter sind in Händen der Superreichen. Als der indische Stahltycoon Lakshmi Mittal ein Domizil im Süden suchte, hat er sich beim Makler beschwert, dass man ihm nur Hausmeisterhäuschen zeige. 2008 ist Roman Abramovic fündig geworden. Für 500 Millionen Euro. Die Nachbarn, die Wein anbauen oder Ziegen haben, sie gehören nur noch zum Dekor. Für sie wiederum sind die reichen Sommergäste Schimären, die sie nie zu Gesicht bekommen: Sie reisen in verdunkelten Limousinen an, sie fliegen per Helikopter direkt in ihren goldenen Käfig.

Mit den Stars kommen die Journalisten, die Paparazzi, die Schaulustigen. In Plan-de-la-Tour, einem Dorf in der Nähe von Saint-Tropez, ist man heilfroh, dass Johnny Depp nach seiner Trennung von Vanessa Paradis seinen Sommersitz jetzt verkaufen will. «Ich wohne seit 30 Jahren hier», erzählt die Verkäuferin im Supermarkt, «habe die beiden aber nicht ein einziges Mal gesehen.» Anfangs hatten sie geglaubt, sie könnten sich in die Dorfgemeinschaft einfügen. «Das war naiv», sagt Mathieu, ein Nachbar. «Die Diskrepanz ist nicht zu überbrücken. Vielleicht in Kalifornien, aber nicht hier.» Noch ist die Provence nicht Hollywood, noch ist man nicht ganz unter sich.

Erstellt: 24.08.2015, 20:57 Uhr

Artikel zum Thema

Zerstrittenes Ehepaar: Angelina Jolie ohrfeigt Brad Pitt

Stars & Styles Heute auf dem Boulevard: +++ Jennifer Aniston heiratet heimlich +++ Victoria’s Secret will Plus-Size-Engel +++ Zoë Kravitz äussert sich zu Papas Penispanne +++ Mehr...

Jolie spricht mit Näherinnen über Arbeitsbedingungen

Seit Jahren steht die asiatische Textilindustrie im Verruf. Hollywood-Star Angelina Jolie wollte sich in Burma selbst ein Bild machen. Mehr...

Süss, tragisch, exzessiv

Angelina Jolie als Mädchen, als leidenschaftliche Joan und als Soziopathin Lisa Rowe: Zum 40. zeigen wir den Star in allen Facetten. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Weiterbildung

Lohncheck in Pflegeberufen

Qualifiziertes Pflegepersonal ist rar. Eine Pflegeinitiative setzt sich darum für höhere Löhne ein.

Die Welt in Bildern

Ganz schön angeknipst: Ein Mitglied des Bingo Zirkus Theater steht anlässlich des 44. internationalen Zirkusfestivals in Monte Carlo auf der Bühne. (16. Januar 2020)
(Bild: Daniel Cole ) Mehr...