Brillenschlangen haben ihren Reiz

Die neuste Harry Potter Verfilmung ist in den Schweizer Kinos angelaufen. Lässt sich die Harry-Potter-Garderobe in die Liste der legendären Filmlooks einreihen?

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Film und Mode, das ist Harry Potter mit seiner unverkennbaren Brille, Sherlock Holmes mit Stock und Hut oder Mia Wallace mit ihrem Pagenschnitt. Der Look muss stimmen, damit die Figur glaubwürdig ist. Das wissen Modeschöpfer und Kostümbildner schon lange.

Unzertrennliche Medien

An den Modeschauen in Paris liess sich Karl Lagerfeld für die grosse Chanel-Show vom Kultfilm «L’année dernière à Marienbad» (1961) von Alain Resnais inspirieren. Film und Mode können nicht ohne einander. Denn wie Filmbilder erzählen auch Kleider eine Geschichte. Sie vermitteln und versetzen in Stimmungen und liefern Informationen zu den Figuren. Manchmal, verschmelzen sie so gut, dass sie unzertrennlich werden, wie James Dean und sein weisses T-Shirt oder Brigitte Bardot und die Ballerinas. Dann sind Schauspieler und Kleidungsstück zu Stilikone und Kultobjekt geworden.

Kult-Accessoires

Zum Look gehören auch Accessoires. Im Film haben diese hauptsächlich eine «erzählende» Funktion. So dienen Brillen der Figur zur Tarnung oder zur Verwandlung und manchmal ist ihre Funktion, eine erotische Wirkung zu erzeugen. Doch wenn ein Zuschauer sich dasselbe Accessoire des Leinwandhelden kauft, dann erhält der Gegenstand aus dem Film eine neue Funktion und erobert als Modeacccessoire die Welt.

Die Sonnenbrille aus «Matrix» (1999), die Pilotenbrille aus «Top Gun» (1986) oder das Ray-Ban-Modell Wayfarer aus der US-Serie Miami Vice – schliesslich entscheidet das Publikum, welches Accessoire Kult wird.

Wie verhält es sich mit der Harry-Potter-Brille? Dass viele wissen, was man darunter versteht, ist ein Anzeichen, dass sie es schon weit gebracht hat. Wenn sich auf vielen Nasen in der Stadt vor allem das Potter-Modell wiederfindet ist klar, sie hat es endgültig geschafft. Sicher ist: Ohne seine unverkennbare Brille wäre die Figur des jungen Zauberers nicht vollständig. Ohne Kostümbildner oder Designer wäre also unser Harry nur halb so perfekt.

Grosse Namen für die Filmfiguren

Nicht umsonst wird jedes Jahr an den Oscars ein Preis für das beste Kostümdesign verliehen. Darum waren und sind auch heute noch vor allem Profis am Werk. So hat Cerruti den Look der zwei Polizisten in der US-Erfolgsserie «Miami Vice» (1984-1989) kreiert, Givenchy das kleine Schwarze der Holly Golightly in «Breakfast at Tiffanys» (1961) und Pierre Balmain die Kostüme der zwei Protagonistinnen Brigitte Bardot und Jeanne Moreau in «Viva Maria» (1965). Ob Coco Chanel, Jeanne Lanvin, Giorgio Armani oder Christian Dior – die Liste der Designer ist lang, die im Filmbusiness tätig waren.

Doch nicht nur der Name des Modeschöpfers kreiert die Figur im Film. Entscheidend ist die Persönlichkeit, die dahinter steckt. «Givenchys Kreationen gaben mir immer das Gefühl von Sicherheit und Selbstvertrauen», sagt Audrey Hepburn, «die Arbeit fiel mir leichter in der Gewissheit, dass mein Äusseres perfekt stimmte.» So gesehen ist der Look für die Leistung des Schauspielers ausschlaggebend.

Denn nur wer sich sicher fühlt in dem, was er trägt, kann aufgehen in dem, was er tut. Filmfiguren haben meist den perfekten Look auf den Leib geschneidert bekommen. Wir können ihn selber kreieren. Und dabei in verschiedene Rollen gleichzeitig schlüpfen. Also warum nicht mit Ballerinas und Harry-Potter-Brille die Welt verzaubern?

Erstellt: 26.11.2010, 11:52 Uhr

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