«Darunter trägt frau nichts»

Jeans, das ist der Stoff für immer neue Überraschungen: Die Mode-Fachfrau Silvia Aeschbach verrät, weshalb Frauen in Denim und nichts als Denim in diesem Frühling und Sommer die beste Figur machen.

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Frau Aeschbach, es heisst, wir alle erlebten diese Modesaison ein blaues Wunder...
Silvia Aeschbach: So ist es. Und es kommt sogar in allen Schattierungen, von stone washed bis zu dark denim: der Jeans-Look. Als Jeanshemd, als Overall, als Shorts, als Hosen. Und ganz Mutige tragen diesen Sommer gar eine Latzhose.

Wie das? Was bedeutet das?
Jeans waren nie wirklich out. Nur die Formen und Schnitte variierten. Einen so grossen Jeans-Boom wie jetzt gibt es aber nur alle Jahre mal. Und Jeanshemden trug man das letzte Mal in den Neunzigerjahren. Hier kann man schon fast von einem Jahrzehnte-Trend sprechen.

Welche Regeln gilt es zu beachten beim grossen Denim-Trend?
Am modischsten ist und bleibt die blaue Jeans. Natürlich können sie auch schwarze tragen, aber wenn sie wirklich mit der Mode gehen wollen, bleiben sie bei Blau. Und wenn man mehrere Jeans-Teile miteinander kombiniert – ein Jeanshemd womöglich mit Jeans-Shorts –, dann bitte darauf achten, dass alles Ton in Ton bleibt.

Welcher Schnitt muss es denn sein?
Der Trend fordert eine schmale Silhouette. Letzten Sommer waren noch weite, luftige Kleidchen en vogue, die man über Jeans oder Leggings trug - diesen Sommer aber ist mehr Figurbetontes gefordert. Ich rate aber Frauen, die weibliche Formen haben, beim letztjährigen Trend zu bleiben. Man soll sich schliesslich nicht zum Sklaven der Mode machen.

Und wenn die Frau in Denim Bein zeigen will: Tut sie dies mit Shorts oder mit einem Mini?
Mit Vorteil in Shorts in diesem Sommer. Und zwar in Shorts, die man rauf- oder runterkrempeln, also in der Länge je nach Lust und Laune justieren kann. Natürlich wird man auch den Mini und ohnehin viel Bein in diesem Sommer sehen. Aber Shorts sind das Kleiderstück der Stunde.

Sie sprachen eingangs von Jeanshemden. Ist das Ihr Ernst? Soll man tatsächlich wieder Jeanshemden tragen?
Oh ja! Man glaubt es kaum, Jeanshemden waren lange Jahre ein absolutes No-Go. Aber jetzt sind sie zurück - auch wenn das einige womöglich nicht so recht glauben mögen. Doch: Jeans-Hemden sehen toll aus im All-over-Denim-Look, so wie bei Chloé auf dem Catwalk gesehen. Jeanshemden trägt man hochgeknöpft und über die Hose. Die Ärmel dürfen hochgekrempelt sein. Aber, wie gesagt, sehr wichtig: Alles Ton in Ton.

Und was ist mit dem sogenannten Boyfriend-Style, der Frauen dazu bringt, in ausgebeulte Jeans zu steigen, die ihren Freunden passen könnten?
Dieser Boyfriend-Jeans-Trend wird seit mehreren Saisons immer wieder ausgerufen. Ganz durchsetzen konnte er sich allerdings nicht. Wenn Frauen tatsächlich in diese Jeans steigen, dann aber nur in Kombination mit einem eng anliegenden Oberteil. Denn unten weit und oben weit - das geht nicht.

Gibt es denn bestimmte Marken, bestimmte Jeanslabel, die diese Saison besonders in sind?
Nun, bei den Jeans ist die Markenvielfalt ja schier unendlich. Emanzipierte Kundinnen können sich mit Bestimmtheit selber die richtige aussuchen. Wichtig ist: Dass sich eine Frau gut fühlt in ihrer Jeans, dass sie sich ein Label aussucht, das ihr entspricht.

Wirklich? Spielt es denn unter Trendsettern keine Rolle mehr, ob die Jeans tief oder hoch geschnitten ist? Ob am Gesäss Taschen sitzen - oder keine?
Nehmen wir gerade das Beispiel der hoch geschnittenen Jeans. Sie wird zwar seit ein, zwei Jahren schon von einigen Designern und Labels gepusht - aber dieser Schnitt schafft den Durchbruch nicht. Zum Glück, denn er sieht nur an den wenigsten Frauen wirklich gut aus.

Und was trägt die modebewusste Frau diesen Sommer unterm Jeans-Hemd?
Nicht viel. Nichts.

Erstellt: 15.04.2010, 12:18 Uhr

Silvia Aeschbach ist Inhaberin des Zürcher Stilbüros und bietet Stil- und Imageberatungen sowie Kleiderschrank-Checks an. (Bild: Sava Hlavacek )

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