Das verdammt Beste von Plan B

Facebook-Managerin Sheryl Sandberg lehrte Frauen, Karriere zu machen. Jetzt lehrt sie, zu trauern.

Sagenhaft reich, sagenhaft berühmt - und sagenhaft traurig. Foto: AP

Sagenhaft reich, sagenhaft berühmt - und sagenhaft traurig. Foto: AP

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Ob arm oder reich, der Tod macht alle gleich. Das ist ein altes Totentanz-Motiv, gilt aber auch für Milliardäre im Silicon Valley. Nur dass diese heute neue Wege finden, mit der Brutalität des Todes umzugehen.

Sheryl Sandberg stammt aus wohlhabenden Verhältnissen und hat zwei Abschlüsse von der Eliteuniversität Harvard. Sie ist sagenhaft reich geworden als die ordnende rechte Hand von Facebook-Gründer Mark Zuckerberg. Sagenhaft berühmt geworden ist sie mit «Lean In», einem buchlangen Manifest, in dem sie Frauen anleitete, Karriere zu machen. Darin schrieb sie: «Ich kenne keine einzige Frau in einer Führungsposition, deren Lebenspartner ihre Karriere nicht voll – und ich meine voll – unterstützt.»

Wut von der Seele geschrieben

So einen Mann hatte sie. Aber David Goldberg, ebenfalls tätig im Online­geschäft, fiel auf einer Ferienreise in Mexiko von einem Laufband, schlug unglücklich mit dem Kopf auf und war sofort tot. Jetzt, einen Monat nach dem Unfall, hat sich Sandberg ihre Trauer und ihre Wut über den Verlust von der Seele geschrieben. Auf Facebook.

Sheryl Sandberg schreibt von der Leere in ihr, die ihr das Atmen schwer macht, seit die Liebe ihres Lebens tot ist. Sie schreibt, dass sie den Menschen, denen sie begegnete, nicht ins Gesicht schauen konnte, weil sie nicht wusste, wie sie mit ihnen sprechen sollte. Dass sie sich abends im Bett vor Verzweiflung an ihre Mutter kuscheln musste, bis sie doch noch einschlafen konnte.

Mit 45 Jahren, also sicher nicht mehr unter dem Verdacht pubertierender Mitteilungsseligkeit, tut Sandberg also selbst, was sie als Facebook-Managerin predigt. Sie kehrt ihr Privatestes ins Öffentliche. Die 1734 Wörter intime Trauerbekundung waren augenblicklich ein Internetphänomen. Innert Stunden wurde der «Gefällt mir»-Knopf beim Eintrag über 600'000-mal angeklickt, über 217'000-mal wurde der Beitrag geteilt und über 60'000-mal wohlwollend kommentiert.

Weit entfernt von der Realität

Die Reaktionen kamen von Leuten, die selber vom Tod eines nahen Menschen betroffen waren. Und sie kamen von Frauen, die mit Sandbergs sonniger «Lean In»-Botschaft wenig hatten anfangen können. Die Journalistin Annalisa Merelli schreibt auf «Quarz»: «Ich war häufig genervt von ihren Ratschlägen, die sie uns – wie ich und viele Frauen fühlten – von oben herab gab, elitär und unendlich weit entfernt von der alltäglichen Realität der grossen Mehrheit.» Für Merelli gehörte Sandberg zu den Leuten, die unfähig sind, das Ausmass ihrer unglaublichen Privilegiertheit wahrzunehmen. Jetzt sind Frauen wie Merelli versöhnt mit Sandberg, wenn sie erklärt, «ich habe vorher alles falsch gemacht». Vorher war sie die Topmanagerin, die Macherin. Jetzt gibt sie zu, dass sie Hilfe braucht.

Ein Freund habe ihr geraten, nach dem Tod ihres Mannes nun einen «Plan B» ohne ihn zu entwickeln. Sandberg schrie zurück: «Ich will Dave, ich will Plan A.» Darauf legte der Freund den Arm um sie und sagte: «Plan A steht nicht zur Verfügung. Dann lass uns einfach das verdammt Beste aus Plan B machen.»

Erstellt: 05.06.2015, 23:20 Uhr

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