Der Gucci-Schwindler ist zurück

Als falsches Modell hatte er einst die halbe Schweiz genarrt. Jetzt ist er wieder aktiv.

Der Dominikaner «warb» per Inserat für Pepe Jeans. Und auch für Emporio Armani war er angeblich als Model im Einsatz. Fotos: PD

Der Dominikaner «warb» per Inserat für Pepe Jeans. Und auch für Emporio Armani war er angeblich als Model im Einsatz. Fotos: PD

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Einer der bekanntesten Hochstapler des Landes hat kürzlich eine neue Karriere lanciert. Und er schreckt erneut nicht vor falschen Angaben zurück.

Als Zirkusdirektor und Latino-Sänger hatte sich ein junger ­Dominikaner früher ausgegeben. Als Topmodel ebenso. Damit brachte er es zu kurzzeitiger ­Prominenz. Schweizer Zeitungen und Zeitschriften druckten seine selbst gemachten Inserate, in ­denen er lasziv für Armani, Gucci und andere Luxusmarken posierte. Die rund 100 000 Franken für die Annoncen blieb der Selbstinserent jedoch schuldig. Der heute 30-Jährige hatte seine 15 Minuten Berühmtheit; die Medien hatten den Spott, als das Ganze 2007 aufflog.

Psychiater statt Haft

Das Strafgericht Baselland fand die Sache nicht so lustig, denn der junge Mann, geboren in der Karibik, aufgewachsen im Aargau, hatte auch Bekannte und Unbekannte betrogen und bestohlen. Die Richter verurteilten ihn 2012 wegen Betrugs, Urkundenfälschung und weiterer Delikte zu 30 Monaten Haft. Sie hoben aber die Strafe zugunsten einer stationären Massnahme auf, denn ein Psychiater hatte eine Persönlichkeitsstörung diagnostiziert. Jetzt, fast genau drei Jahre nach dem Urteil, zeigt sich: So erfolgreich kann die psychiatrische Behandlung nicht gewesen sein.

Der Mann, der einst eine Kochlehre abbrach, wirbt seit kurzem wieder im Internet für sich – erneut mit frei erfundenen Angaben. Er bietet Dienste als Webdesigner, als Designer und als Interiordesigner an. Seine angeblichen Kunden tragen illustre Namen wie Credit Suisse oder Cirque du Soleil. Bereits zu seinen besten Hochstaplerzeiten hatte der Dominikaner behauptet, er sei ein «hohes Tier bei der CS». Noch lieber spielte er die Rolle als Manager des weltbekannten Zirkus aus Kanada.

Rolf Hiltl weiss von nichts

Nun wirbt er damit, dass er «sechs Jahre Erfahrung in Industriedesign» habe. «Und last but not least liebe ich es, grossartige Sachen zu machen.»

Auf der Webseite, die erst seit wenigen Wochen existiert, tauchen zahlreiche weitere angebliche Kunden auf, darunter das vegetarische Restaurant Hiltl. Dort ist der angebliche Designer aber unbekannt. «Wir kennen den Herrn nicht, und er hat unseres Wissens auch noch nie und in keiner Form für uns gearbeitet», sagt Gastronom Rolf Hiltl auf Anfrage. Fast genau gleich lautet es aus einem weiteren Zürcher Restaurant, mit dessen Logo geworben wird, dem Helvti Diner. Der Leiter der Betreiberfirma erklärt, es habe nie eine Geschäftsbeziehung bestanden. Man behalte sich rechtliche Schritte vor.

Das einstige Möchtegern-Model verwendet neu statt seines spanischen einen englischen Vornamen. In seinem Internetauftritt gibt er eine Adresse in ­Zürich an: Hirschenplatz 2a. Zwar existiert der Platz, doch die Postanschrift 2a gibt es nicht.

Gestern hat der TA den jungen Mann mit den Rechercheergebnissen konfrontiert. Am Telefon erklärte der Vorbestrafte, bei der Webseite handle es sich um einen «Prototyp». Ein Teil der Kunden sei echt – etwa ein Hamburger Anwalt. Dieser wollte sich nicht zum Dominikaner äussern.

Kurz nach dem TA-Anruf war die aufwendig gestaltete Website nicht mehr erreichbar.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 13.04.2015, 23:30 Uhr

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