Der Schweizer Pionier der künstlichen Beschneiung

Leo Jeker versorgt Schweizer Skipisten seit 50 Jahren mit Kunstschnee. Von Umweltschützern angefeindet und von der Konkurrenz belächelt, erlangte er internationale Berühmtheit.

Gehört heute zur Standardausrüstung: Eine Schneekanone im Skigebiet St. Moritz.

Gehört heute zur Standardausrüstung: Eine Schneekanone im Skigebiet St. Moritz. Bild: Keystone

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Der Mann ist ein Unikum unter den Bündner Bergbahn-Betreibern und Pionier der künstlichen Beschneiung in der Schweiz: Leo Jeker nimmt seinen 50. Winter in Angriff - und ist seit einem halben Jahrhundert für das gleiche Bergbahn-Unternehmen tätig.

Die Funktion ist nach so langer Zeit natürlich nicht mehr die gleiche wie zu Beginn. Der 68-jährige Jeker ist aus dem operativen Geschäft der Savognin Bergbahnen ausgestiegen. Als Verwaltungsrat arbeitet er an speziellen Projekten und bei der strategischen Ausrichtung der Firma mit.

Der ehemals längste Lift der Schweiz

Erstmals in Kontakt gekommen ist Jeker mit den Bergbahnen in Savognin als KV-Stift eines Anwaltsbüros in Landquart. Er bereitete am 25. Mai 1962 nicht nur die Gründung der Bergbahn durch die Gemeinde und vier Private vor, sondern erstellte auch die Eröffnungsbilanz.

Kurze Zeit später erfolgte der Bau der Transportanlagen, darunter eines 2,4 Kilometer langen Lifts, dem seinerzeit längsten schweizweit. Die Bergbahn in Savognin zog Jeker in den Bann. Er heuerte beim Unternehmen an, stieg bis zum Direktor auf und wurde Aktionär.

Europas grösste Schneeanlage

Eine markante Neuerung in der Geschichte der Mittelbündner Bergbahn stellte der Bau der damals europaweit grössten Beschneiungsanlage im Sommer 1978 dar. Am 23. November des gleichen Jahres schneiten die Kanonen erstmals auf das Savogniner Skigebiet.

Umweltschützer liefen Sturm, von anderen Bergbahn-Bossen wurde Leo Jeker belächelt. Bilder vom weissen Schneeband auf dem letzten grünen Teilstück zur Talstation in Savognin erlangten schweizweit und darüber hinaus Bekanntheit.

Im Ausland weckten die Schneekanonen Interesse. In Cars reisten Leute an, um die Anlagen zu besichtigen. Jeker konnte Delegationen aus Schladming (A) und Bormio (I) begrüssen, wo später alpine Skiweltmeisterschaften durchgeführt wurden. Die Schneekanonen von Savognin waren sogar in Japan bekannt.

«Heute lacht niemand mehr»

Schneeanlagen gehören heute zur Standardausrüstung von Bergbahnen. Weisse Bänder gibt es nicht nur in Savognin, sie sind unterdessen sichtbares Zeichen schneesicherer Talabfahrten. «Heute lacht niemand mehr», sagt Leo Jeker im Gespräch mit der Nachrichtenagentur sda.

Der Schneekanonen-Pionier, der in Graubünden auch ein bekannter Politiker ist und 2007/08 Standespräsident und somit «höchster Bündner» war, hat sein Lebenswerk inzwischen verkauft. Markus Schröcksnadel, Sohn des österreichischen Skiverbandspräsidenten Peter Schröcksnadel, und die Brüder Anton und Peter Schmidl erwarben 51 Prozent der Aktien.

Verkauf nach Österreich

Wieso der Verkauf nach Österreich? In den eigenen Reihen bekundete der Nachwuchs laut Jeker kein Interesse am Geschäft mit Bergbahnen. Deshalb wurde das Unternehmen an jemanden veräussert, der vom Business etwas versteht und investiert. Diese Bedingungen erfüllten die neuen Besitzer aus Österreich, die dort bereits Eigentümer mehrerer Skigebiete sind.

Leo Jeker wurde von den neuen Besitzer gebeten, noch eine gewisse Zeit im Verwaltungsrat zu bleiben. «Ich weiss nicht», beantwortet er die Frage nach dem wie lange.

Jekers Name wird mit Savognin in Verbindung bleiben. Zumal der immer noch angefressene Schneesportler regelmässig im Skigebiet anzutreffen ist und sich am liebsten persönlich um das Wohlergehen der Gäste kümmert. (mpl/sda)

Erstellt: 05.01.2012, 12:34 Uhr

Kunstschnee-Pionier Leo Jeker. (Bild: Keystone )

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