Hintergrund

Der Vintage-Boom im Web

Secondhand-Mode – pardon, Vintage – erlebt eine Imageaufpolierung sondergleichen. Der neuste Trend heisst Re-Commerce und macht das Shoppen aus zweiter Hand zu einem neuen Erlebnis.

Wer wills kaufen? Von Userinnen auf Materialworld.com angebotene Secondhand-Stücke.

Wer wills kaufen? Von Userinnen auf Materialworld.com angebotene Secondhand-Stücke.

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Nicht nur Fernsehserien wie Mad Men, auch die andauernde Wirtschaftskrise, die wachsende Sorge um die Umwelt und die Präsenz der Fair-Trade-Thematik haben in letzter Zeit dazu beigetragen, dass Secondhand immer weniger als Notlösung wahrgenommen wird. Im Gegenteil, wer hip und trendy sein will, trägt mindestens ein Stück Vintage-Fashion auf sich. (Lesen Sie auch:«Ist mein Stil okay?»)

Secondhandshops gibt es in der (urbanen) Schweiz schon lange, neu am Vintage-Angebot sind die immer zahlreicheren Onlineshops. Ende der Neunziger begann zwar bereits Ebay damit, gebrauchte Mode online zu versteigern beziehungsweise zu verkaufen (und ist bis heute mit über zwei Millionen Artikeln die Site mit dem grössten Fashion-Angebot aus zweiter Hand). Das Problem beim Shoppen über Ebay oder auch Ricardo.ch ist, dass die Suche nach dem richtigen Stück sich als weit schwieriger herausstellt als bei anderen Produkten. Das kleine Schwarze ist eben nicht gleich das kleine Schwarze. Und wenn die Verkäuferin keine genauen Angaben macht oder womöglich auch noch ein schlechtes Foto reingestellt, wird ihr kleines Schwarzes wohl nie gefunden, geschweige denn gekauft. (Lesen Sie auch: «Die Minirock-Lüge der Frau»)

Die Zukunft heisst Re-Commerce

Womit der Erfolg des sogenannten Re-Commerce zu erklären ist: Das Prinzip basiert auf mehr Sorgfalt und Bequemlichkeit. Die Produkte werden sorgfältig vom Plattform-Anbieter ausgesucht, und nur Qualitätsware landet im Online-Angebot. Ausserdem wird der gesamte Verkaufsablauf als eigentlicher Service angeboten, so muss niemand mehr im dunklen Keller Fotos des Vintage-Mantels schiessen. Denn auch wenn der Mantel von hervorragender Qualität ist, sobald das Foto schlecht ist, wird der Mantel auch nicht gekauft. Eine solche Re-Commerce-Plattform wird diesen Monat aufgeschaltet: Materialworld.com, die aus den USA sogar international liefert. Auch 99dresses.com funktioniert nach einem ähnlichen Prinzip.

Doch auch in der Schweiz gibt es einige kleine und feine Secondhand-Boutiquen, die zum grössten Teil ebenfalls einen Onlineshop zu bieten haben – so das man sich die Vintage-Stücke nicht vom anderen Ende der Welt zuschicken lassen muss. Hier unsere Auswahl:

Kleidung

  • Fizzen: Bereits seit zwanzig Jahren zelebriert der Shop Vintage-Kultur mit einem breit gefächertem Sortiment und vereint diese gekonnt mit frisch entdeckten Labels aus der ganzen Welt. Shops in Zürich, Bern, Basel, Luzern und online.
  • Silvia Freivogel, Designer Second Hand: Sogar schon seit drei Jahrzehnten tätig, findet man hier exklusive Designerstücke in bester Qualität aus der letzten Saison zu erschwinglichen Preisen. Ausserdem bietet die Geschäftsführerin Silvia Freivogel auf Wunsch auch eine persönliche Stilberatung an. Shop in Basel.
  • Markentussi: Designermode zu humanen Preisen. Die Besitzerin ist gleich ihr bestes Aushängeschild, die Wahlzürcherin war einst Model und merkte eher durch Zufall, dass nicht nur sie auf Marken steht. Termine vereinbart man übers Internet, dafür erwarten einen Tee und Guetzli und eine persönliche Style-Beratung. Shop in Zürich und Onlineshop.
  • Dotti’s Vintage: Dotti liebt Punkte, schöne und alte Sachen und die Schweiz. Und das merkt man. Kleider, Schuhe, Haar- und sonstiger Schmuck werden auf ihrer Site ansprechend präsentiert. Wer keine Lust hat, sich sein Outfit selber zusammenzustellen, findet ausserdem das «Outfit der Woche», das immer 20 Prozent günstiger als im Einzelverkauf ist. Shop in Zürich und Onlineshop. (Lesen Sie auch: «Weshalb Frauen Stöckelschuhe tragen»)

Accessoires

  • Second Hand Bags: Der erste Onlineshop der Schweiz mit Secondhand Designer Taschen, hundertprozentige Originale von Louis Vuitton, Louis Vuitton, Prada, Gucci, Hermès etc.
  • Vintage Now: Das Sortiment von Vintage Now umfasst das gesamte 20. Jahrhundert und ausnahmslos Originale vom Clutch aus Pailletten bis zum Aschenbecher aus den 70-ern.

Kinder

  • Milomila: Der stilvolle Onlineshop spürt besondere Kleidungsstücke für Knirpse von 0 bis 10 auf: bewährte Labels, Klassiker, kultige Trouvaillen. Das Sortiment besteht aus Markenkleidern in Secondhand-Deluxe-Qualität sowie aus fabrikneuen Schnäppchen von letztjährigen Kollektionen. Neuheiten von Catimini, Petit Bateau, Oilily, Oshkosh etc. gibt es wöchentlich, bis zu 85 Prozent günstiger als in der Boutique und portofrei!
  • Schtäcketööri: «Wenn der Schuh schon wieder drückt», sehen sich die meisten Eltern gezwungen, bereits nach wenigen Wochen aufs Neue nach bequemen Tretern für ihren Nachwuchs zu suchen. Die erste Schweizer Online-Kinderschuhbörse bietet Markenschuhe zu moderaten Preisen sowie Trouvaillen für die Kleinsten – aber auch nostalgische Spielsachen, Vintage Geschirr, Schmuck etc. aus alten und neueren Zeiten.

Wirtschaftsexperten sind sich einig: Re-Commerce wird vermehrt Fuss fassen. Dieses Jahr werden ungefähr ein Dutzend solcher Plattformen weltweit lanciert. Mit etwas Glück sehen wir der Geburt einer solchen in der Schweiz bereits vor dem Winterschlussverkauf entgegen.

Hat Ihnen der Beitrag gefallen? Dann lesen Sie auch «Die Minirock-Lüge» auf Clack.ch – Ihrem Online-Magazin. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 07.08.2012, 21:36 Uhr

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