Der jüngste Fitness-Trend

Schon mal was von «Sledgehammer Work-out» gehört? Harte Arbeit, die Amerikaner machens vor.

Immer härter: In Fitnessstudios gibt es jetzt das «Sledgehammer Workout». Foto: Bob Ingelhart

Immer härter: In Fitnessstudios gibt es jetzt das «Sledgehammer Workout». Foto: Bob Ingelhart

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Die amerikanische Fitnesswelt wird immer härter. Joggen gilt mittlerweile als etwas für Weicheier, Aerobic kann auch nicht mehr genügen. Jüngere Fitnesstrainer in den USA nennen sich «Kampfathleten» und schreien herum wie Unteroffiziere beim Drill. Die «New York Times» hat soeben beschrieben, dass die Amerikaner beim Sport ins Extreme tendieren. Neueste Mode in den Gyms ist der «Sledgehammer Work-out». Bei gutem Wetter sieht man die Leute, die ihm frönen, auch im Freien. Sledgehammer: Das ist der Vorschlaghammer. Ihn schwingen die echt ambitionierten Trimmer. Die Freaks der Anstrengung. Schulungs­videos auf Youtube zeigen, wo genau die linke und wo die rechte Hand am Hammerstiel ansetzt. Wie man diagonal zuschlägt und wie vertikal. Und welche Fussstellung noch mehr Hüftschwung und Beschleunigung in den Hammer bringt. Ah ja, auch der Reifen gehört erwähnt. Einer vom Traktor etwa. Auf ihm landet der Hammer. Das dämpft den Knall perfekt, sonst zieht das Eindreschen auf Holz oder so schnell Proteste nach sich.

Kurios, wenn man sich vorstellt, wie in New York Arbeiter hämmern, weil das ihr Job ist. Und zehn Meter daneben diese Freizeitkreaturen, die sie nachäffen. Wobei eigentlich alle modernen Fitnesstätigkeiten traditionelle Handlungen nachahmen, die mehr oder minder aus der Mode gekommen sind. In der Vorzeit rannte der Mensch vor Raubtieren davon. Heute rennt er auf dem Laufband, weil es kaum noch Bären oder Wölfe gibt. Einst ruderte der Mensch im Boot auf einen See, um zu fischen. Nun rudert er indoor auf der Maschine, weil kein See in der Nähe ist und ein Stück Hecht auch im Laden um die Ecke zu erhalten ist. Die gute alte Galeere gibt es auch nicht mehr.

Genauso ist es mit dem Vorschlaghammer. Die Anwältin und der Buchhalter haben einfach keine natürliche Gelegenheit, ausgiebig zu hämmern. Deshalb die künstliche Hämmerei. Ob diese sich auch in der Schweiz ausbreitet? Die «New York Times» findet es sehr amerikanisch: exaltiert, theatralisch, kompromisslos. Und fixiert auf den grossen Zusammenbruch der Zivilisation, nach dem der Mensch einen Hammer vielleicht wirklich wieder braucht. Gut, wenn er dann schon weiss, wie das geht.

Erstellt: 21.10.2014, 07:16 Uhr

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