Die Frauen nur für Bildungsthemen

Eine Untersuchung zur Gleichstellung bei der SRG bringt Missstände zutage: In den oberen Hierarchiestufen des Unternehmens fehlen Frauen fast gänzlich. Bei Diskussionssendungen sind sie stark untervertreten.

Krawattenriege: Gäste während der Jubiläumssendung «20 Jahre Arena».

Krawattenriege: Gäste während der Jubiläumssendung «20 Jahre Arena». Bild: SRG

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Eine Untersuchung über die Gleichstellung der Geschlechter bei der SRG von 1980 bis in die Gegenwart hat Schwachstellen aufgedeckt. Der Zugang der Frauen zu Führungspositionen auf höchster Ebene gestalte sich äusserst schwierig. Bei Diskussionssendungen wie der «Arena» blieben Frauen als Gesprächspartnerinnen stark untervertreten.

Die Umsetzung der Chancengleichheit in der schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG) wurde im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms 60 (Gleichheit der Geschlechter) realisiert, wie die Projektleiterinnen Ruth Hungerbühler von der Universität der italienischen Schweiz und Nelly Valsangiacomo von der Universität Lausanne mitteilten.

Die SRG bemühe sich seit den 80er-Jahren, die gesetzlich verankerten Gebote zur Gleichstellung der Geschlechter umzusetzen. Die Studie habe die Strategien untersucht, mit denen die SRG die Umsetzung der Chancengleichheit verfolgt habe und die Schwachstellen einer erfolgreichen Förderung untersucht. Demnach seien die Gleichstellungsprojekte zu wenig transparent gewesen, die Erreichung ihrer Zielsetzungen seien keinen verbindlichen Fristen unterlegen, und die finanziellen Ressourcen seien zu knapp bemessen gewesen.

SRG hat reagiert

Die SRG habe auf die neuen gleichstellungspolitischen Impulse der Gesellschaft der 80er-Jahre in zweifacher Hinsicht reagiert: Auf der einen Seite habe sie selber eine Gleichstellungspolitik etabliert mit dem Ziel, bestehende Ungleichheiten abzuschaffen sowie Frauenkarrieren zu fördern.

Auf der anderen Seite habe sie gleichstellungspolitisch relevante Aspekte in ihre allgemeinen Überlegungen zu einer Umstrukturierung der «Service public«-Anstalt und ihrer Personalpolitik in Richtung eines marktkompetitiven modernen Medienunternehmens integriert.

Unterschieden werden in der Studie drei Phasen: eine erste Phase der Reflexion von 1970 bis 1985, eine zweite Phase der Institutionalisierung (1985-1991) und eine dritte Phase der Transformation (1990-2000), während der die Gleichstellungsaktivitäten teilweise abgeschafft worden seien oder sich verlangsamt hätten.

Kaum Frauen auf höchster Ebene

Die Aktualität der Studie werde auch durch die Tatsache unterstrichen, dass sich die SRG gerade kürzlich das Ziel gesetzt habe, bis 2020 mindestens 30 Prozent Frauen im Kader zu haben.

In der Studie wird festgehalten, dass sich der Zugang der Frauen zu den Führungspositionen auf höchster Ebene des Unternehmens äusserst schwierig gestaltet habe. Frauen fehlten fast gänzlich in den oberen Hierarchiestufen der Unternehmensführung und der Programmdirektionen, während mittlere Führungspositionen - vor allem im Programmbereich und vornehmlich beim Radio - mehr und mehr auch Frauen aufwiesen. Prekäre Arbeitsverträge und Teilzeitarbeitsverträge blieben aber hauptsächlich von Frauen besetzt.

Frauen massiv untervertreten

Auf Programmebene sei im Rahmen der Informationssendungen in der Zeitspanne von 1980 bis 2010 eine Zunahme von Themen zu beobachten gewesen, welche die Stellung der Frau in der Gesellschaft zum Inhalt gehabt hätten. Eine Spezialuntersuchung zu den Debattiersendungen «Arena» von SRF und «Infrarouge» von RTS habe ergeben, dass Frauen als Gesprächspartnerinnen massiv untervertreten seien. Sie seien vor allem zu ganz bestimmten Themen wie etwa Bildung und Frauenthemen eingeladen worden, während sie bei anderen Themen wie Aussenpolitik, Wirtschaft oder Verkehr weitgehend fehlten.

Die qualitative Analyse der Diskussionssendungen zu Gleichberechtigungsthemen anlässlich des 40-Jahr-Jubiläums des Frauenstimmrechts habe Folgendes gezeigt: Die Inszenierung der Debatten folge eher einer Logik der medialen Aufmerksamkeit, als dass sie die Bedürfnisse einer differenzierten Diskussion der Schwierigkeit der Umsetzung der gleichen Rechte in die soziale Realität berücksichtigt hätten. (kle/sda)

Erstellt: 01.05.2014, 18:55 Uhr

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