Kopf des Tages

Die lesbische Millionärstochter wehrte sich

120 Millionen Dollar bot ihr Vater dem Mann, der seine Tochter Gigi Chao heiratet. Er scheiterte – und Gigi trug ihren Erfolg sogar noch zur Schau.

Lesbisches Vorbild: Millionärstochter Gigi Chao.

Lesbisches Vorbild: Millionärstochter Gigi Chao. Bild: Bobby Yip/Reuters

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Cecil Chao, ein Hongkonger Multimillionär, hat stets bekommen, wonach er griff. Nur die eigene Tochter widersetzt sich seinen Druckversuchen. Mit einer Prämie, die er letzte Woche auf umgerechnet 120 Millionen Franken verdoppelte, köderte er den perfekten Mann für seine lesbische Tochter Gigi. Dieser sollte sie zur Heterosexualität bekehren. Und den Zusammenhalt der Familie retten.

Lesbisches Vorbild

Der Vater erreichte das Gegenteil. Heute, eineinhalb Jahre nach dem ersten Angebot, gilt Gigi Chao als lesbisches Vorbild. Öffentlich zeigt sie sich mit ihrer Partnerin. Den Vater belehrt sie über die Medien. Lange wusste niemand, dass Gigi seit neun Jahren mit einer Frau zusammenlebt und diese in Frankreich geheiratet hat. In Hongkong, das Homosexualität 1991 entkriminalisierte, denke man sehr traditionell, erzählte Gigi Chao einer Zeitung. Viele Lesben und Schwule verheimlichten ihre Beziehungen, wahrten den Schein. Andere entzögen sich den Erwartungen, indem sie auswanderten.

Ein solches Doppelleben führte auch Gigi Chao. Bis ihr Vater sie zum Verkauf ausschrieb und dadurch outete – vor der Weltöffentlichkeit. Das unmoralische Angebot schaffte es überall in die News. Angeblich will Sacha Baron Cohen einen Film daraus machen. Verständlich. Die Geschichte bietet einen Kulturkampf im Zentrum von Hongkongs Geldadel. Auf der einen Seite wütet ein exzentrischer Immobilienhändler, Playboy, Helikopterfan, Besitzer eines Pools mit echtem Korallenriff. Cecil hat mit drei verschiedenen Frauen drei Kinder gezeugt.

Über 20'000 Angebote

Ihm gegenüber steht die kosmopolitische Tochter, Architektin, Chefin einer Model-Agentur, ebenfalls Helikopterpilotin. Eine Frau, die den steinernen Willen ihres Vaters bricht. Über 20'000 Angebote gingen ein. Männer aus der ganzen Welt, darunter George Clooneys Körper-Double, bewarben sich um Gigis Hand und die väterlichen Millionen. Verehrer campierten vor ihrem Büro, verstreuten Rosen. Vergeblich. «Aller Reichtum der Welt kann keinen Mann herbeischaffen, der mich anzieht», sagte die 34-Jährige. Ansonsten nahm sie das väterliche Kopfgeld gelassen. Die Aufregung habe sie sogar amüsiert.

Aktivisten munterten Gigi Chao zum Durchhalten auf. Heute kämpft sie für die Rechte der Homosexuellen, mit ihrer Mutter marschiert sie an Demos für die gleichgeschlechtliche Ehe mit. Schwule und Lesben aus Hongkongs High Society bitten sie um Rat, um das eigene Coming-out zu bewältigen.

Verpackte Abneigung

Der Streit eskalierte, nachdem Cecil das Kopfgeld verdoppelt hatte. Die Tochter antwortete mit einem offenen Brief, sanft formuliert, hart in der Aussage: Sie führe ihr eigenes Leben. Der Vater solle das begreifen und ihre Partnerin wie einen normalen Menschen behandeln.

Cecil konterte in einem Fernsehinterview. Erst gab er sich versöhnlich, zog das Kopfgeld zurück, kündigte an, Gigis Privatsphäre zu achten. Es folgte das Aber. Gigis Partnerin könne er nicht akzeptieren, niemals werde er sie in der Familie willkommen heissen. Wie bisher will Cecil die beiden ignorieren, wenn er sie an Anlässen trifft. Der Patriarch verpackte seine Abneigung als väterliche Sorge: Die Hongkonger Gesellschaft werde eine Lesbe niemals als ihresgleichen dulden.

Gigi Chao schweigt seither. Vielleicht hat sie die Widersprüchlichkeit ihres Vaters akzeptiert. Der 77-Jährige, der seine Tochter verheiraten wollte, ist selber ledig geblieben: «Ich wollte ein fröhliches Leben führen. Und mein Vermögen nicht teilen müssen.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 03.02.2014, 07:27 Uhr

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