Biographie

«Dieser verdammte Neid»

Werner Bruni ist der erste Schweizer Lottokönig – astronomische 1,7 Millionen Franken war damals sein Gewinn. Nun zieht er in einem Buch die Bilanz seines Lebens.

Werner Bruni: Der ehemalige Lottomillionär lebt heute von seiner Rente.

Werner Bruni: Der ehemalige Lottomillionär lebt heute von seiner Rente. Bild: Keystone

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«Nur Geld ist noch vergänglicher als das Leben.» Diese Bilanz zieht der Spiezer Werner Bruni, als er 1985 Konkurs anmelden muss. Sechs Jahre zuvor ist er König geworden. Nicht irgendeiner: Er ist der erste Schweizer Lottokönig – astronomische 1,7 Millionen Franken war damals sein Gewinn. «Rund 700'000 Franken sind mir von diesen am Ende geblieben. Aber das Geld habe ich nie gesehen, ich hatte es nur auf dem Papier», sagt der 74-Jährige heute.

«Voll ‹a Gring breicht›»

Das ganze Land rätselt Ende April 1979: Wer ist der Glückspilz? Ein paar Tage später schon wird er an die Öffentlichkeit katapultiert. Monatelang ist er ein nationales Thema. Er wird vom Schweizer Fernsehen mit Kameras begleitet und von Medien, auch ausländischen, porträtiert. «Unzählige Male musste ich meinen Lottoschein zeigen», erinnert sich Werner Bruni. «Ich war der erste Lottomillionär – mich hat es voll ‹a Gring breicht›.» Die Geschichte des bescheidenen Installateurs, der das Leben in plötzlichem Reichtum nicht meistert, bewegt. Damals wie heute. Vier Dokumentarfilme beleuchten das Leben des gebürtigen Heimbergers. Für das Schweizer Fernsehen begleitet Reporter Christoph Müller Werner Bruni seit Jahrzehnten. Er ist längst Vertrauter und Freund geworden. Und das nicht nur, weil beide am 28. März Geburtstag feiern. «Als grundehrlich habe ich Werner Bruni vom ersten Moment an empfunden», schreibt DOK-Redaktionsleiter Müller auf der Rückseite von Brunis Buch «Lottokönig». Er habe ihn gebeten, ihm sein Manuskript zu schicken. «Ich wusste sofort: Das ist ein Stoff, der authentischer nicht sein könnte.»

«Da ist keine ‹Lugi› drin»

Es ist die Diagnose Leukämie, die Werner Bruni vor zwei Jahren sein Leben aufschreiben lässt. «Bevor es zu spät ist», habe er sich gedacht, begründet Bruni. In handgeschriebenen Sätzen fasst er seine Memoiren zusammen. Episoden aus der Zeit seiner Kindheit bis ins Heute fliessen zu einem Erzählstrom ineinander. Kurz, prägnant, ehrlich. «Ich habe das Buch nach bestem Wissen und Gewissen geschrieben. Da ist keine ‹Lugi› drin.» Das ist ihm wichtig. «Etwas zu schreiben, das nicht stimmt, hat keinen Sinn.»

Unterstützt wird Bruni vom Zürcher Mitschreiber Markus Maeder. Der Ghostwriter zeichnete für den Wörterseh Verlag bereits Evelyne Binsacks Buch «Expedition Antarctica» auf und schrieb als Autor auch das gefeierte Buch «Vom Herzchirurgen zum Fernfahrer – Der Spurwechsel des Dr. med. Markus Studer».

«Es gibt eine Gerechtigkeit»

Nachdem er alles verloren hatte, fängt sich Werner Bruni wieder. Er tut das, was er am liebsten tut und am besten kann: «Chrampfe». Bis er pensioniert wird. 46 Jahre ist der Sanitärinstallateur auf dem Bau. 25 Jahre arbeitet er allein für die Firma Hauenstein in Steffisburg. Bis er dort 1985 kündigt. Er sei schikaniert worden. «Dieser verdammte Neid», ärgert er sich noch heute.

«Mein Hobby war immer das ‹Wärche›.» Das ist noch heute so. Mit Hingabe hegt und pflegt er den Garten des Miethauses über der Spiezer Bucht, in dem er seit 22 Jahren lebt. «Zwei bis drei Stunden kann ich im Garten noch arbeiten. Dann brauche ich eine Pause.» Er steckt sich eine Brunette an, inhaliert den blauen Dunst – und sagt: «Ich weiss, dass ich unheilbar krank bin. Das stört mich nicht mehr.» Es bringe nichts, mit dem Schicksal zu hadern, sagt Werner Bruni. «Es gibt die Gerechtigkeit, dass früher oder später alle gehen müssen. Stinkreiche ‹Cheibe› würden sonst ja 100'000-jährig.» Er lacht. (Berner Zeitung)

Erstellt: 25.11.2010, 11:55 Uhr

Buch

«Lottokönig – Einmal Millionär und zurück» von Werner Bruni und Markus Maeder (Rewriter). Die Vernissage findet morgen um 20 Uhr bei Thalia, Bälliz 60, Thun, statt.

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