«Ein Bürohund lohnt sich auch wirtschaftlich»

Markus Beyer vom Bundesverband für Bürohunde in Berlin sagt, wie man Ärger bei der Arbeit vermeidet.

Hunde könnten psychischen Erkrankungen im Job vorbeugen, sagt der deutsche Hundetrainer Markus Beyer. Foto: PD

Hunde könnten psychischen Erkrankungen im Job vorbeugen, sagt der deutsche Hundetrainer Markus Beyer. Foto: PD

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Sie setzen sich für mehr Hunde im Büro ein. Warum?
Weil verschiedene Studien zeigen, dass Hunde beruhigend wirken. Sie senken das Stressempfinden und können Burn-outs vorbeugen. Man weiss ja, dass die finanziellen Folgen psychischer Erkrankungen gigantisch sind. Ein Bürohund lohnt sich also auch wirtschaftlich.

Wie genau schafft der Hund das?
Beim Streicheln wird das Bindungshormon Oxytocin ausgeschüttet, und zwar ähnlich viel wie bei einer Mutter, die ihr Neugeborenes in den Armen hält. Das Hormon wirkt beruhigend, der Puls verlangsamt sich, der Blutdruck sinkt und Stresshormone werden gehemmt.

Funktioniert das auch mit Katzen?
Experten sprechen von einem ähnlichen Effekt. Katzen mögen jedoch ständige Ortswechsel nicht. Sie haben eher keine Lust, morgens in eine Box gesetzt und ins Büro kutschiert zu werden.

Und Hunden macht es Spass, den ganzen Tag im Büro zu sitzen?
Ein Hund ist glücklich, wenn er in der Nähe seines Halters sein kann – wo, ist ihm eigentlich schnuppe. Man muss sich aber sehr gut mit seinen Bedürfnissen auskennen und regelmässig mit ihm nach draussen. Das tut uns auch gut.

Das lenkt aber von der Arbeit ab.
Man kann ja auch mittags mit ihm nach draussen oder länger arbeiten. Und dass er uns zwischendurch anstupst, wirkt sich nicht negativ, sondern positiv auf uns aus. Im Büro schalten wir grösstenteils auf Autopilot und sind in der virtuellen Welt versunken. Der Hund holt uns regelmässig in die Realität und hilft uns so, dem möglicherweise krank machenden Automatismus zu entrinnen.

«Ein Hund döst 70 bis 80 Prozent des Tages.»

Dafür könnte man ja auch Kinder mit ins Büro nehmen.
Nein. Ein Kind benötigt je nach Alter eine ständige Aufmerksamkeit. Ein Hund hingegen döst 70 bis 80 Prozent des Tages. Ich werde aber immer wieder von Haltern gefragt, was für Spiele ich denn fürs Büro empfehle.

Und? Welche?
Gar keine! Das Büro ist kein Ort zum Spielen. Die Arbeitszeit soll für den Hund vor allem Entspannungszeit sein.

Der Kollege, der Angst vor Hunden hat, ist dafür doppelt gestresst.
Ja, eine solche Angst muss man ernst nehmen. Ich kann nur empfehlen, dass man versucht, sich ihr zu stellen, zumal die Angst bei vielen unbegründet ist und mit der Sozialisierung zu tun hat. Wer sich fürchtet, muss im sicheren Rahmen erleben können, wie der Hund funktioniert. So kann man sich langsam daran gewöhnen, dass nichts Negatives passiert. Dazu sind jedoch klare Regeln wichtig, das ist sowieso das Wichtigste. Man kann etwa festlegen, dass nur eine bestimmte Anzahl Tiere im Büro sein darf. Dass der Hund einen erst anschnuppern darf, wenn man es erlaubt. Oder dass man ihn nur streicheln darf, wenn der Besitzer sein Okay gibt. Die Regeln sollte man schriftlich festhalten, und zwar, bevor man Hunde zulässt.

Laut einer Befragung stört sich ein Drittel der Schweizer an Bürohunden, weil diese stinken.
Dann würde mich interessieren, ob Menschen befragt wurden, die tatsächlich einen Bürohund haben. Negativ äussern sich in der Regel Personen, die noch keine Erfahrung damit haben. Leute, die tatsächlich einen Hund im Büro haben, reagieren in den allermeisten Fällen positiv.

Manche stinken aber tatsächlich.
Ja. Das liegt entweder am feuchten Wetter oder an der Ernährung. Auf beides können Halter Einfluss nehmen. Man kann die Ernährung umstellen und dem Hund bei Regen ein Cape umhängen und ihm vor dem Büro die Füsse abtrocknen. Ausserdem können Orte wie die Mensa oder das Sitzungszimmer zur komplett hundefreien Zone erklärt werden.

Unser Bürohund ist so brav und gut erzogen, dass man ihn kaum wahrnimmt. Gibt es auch Hunde, die man besser zu Hause lässt?
Ja. Manche sind für bestimmte Funktionen gezüchtet, etwa für den Schutz. Sie sind eher weniger fürs Büro geeignet, weil sie sich verantwortlich fühlen, jeden potenziellen Eindringling anzubellen. Das kann man jedoch abtrainieren.

Und wenn er sogar Kollegen anbellt?
Dann bedeutet das, dass er seinen Halter für einen Versager hält, der nicht für Sicherheit sorgen kann. Das muss man lösen, aber nicht im Büro, sondern ausserhalb und am besten mit einem Hundetrainer. Ein Tier sollte auch zuerst stubenrein sein, bevor es ins Büro darf.

Da sind manche Halter aber anderer Meinung. Sie erwarten Verständnis für alles, was ihren Liebling betrifft.
Das liegt auch am Oxytocin, das einen dazu bringt, das Tier zu pflegen und zu schützen, ähnlich wie Eltern ihre Babys. Wenn einer etwas gegen das Tier sagt, empfindet man dies als persönlichen Angriff. Die meisten Halter sind aber sensibilisiert und wollen ihre Kollegen keinesfalls provozieren.

Was, wenn auf einmal jeder seinen Hund ins Büro mitnehmen will?
Es ist die grosse Sorge vieler Arbeitgeber, dass sie zooähnliche Zustände haben, sobald sie Hunde erlauben. Nach meiner Erfahrung bringen aber maximal 5 Prozent der Mitarbeitenden einen Hund mit. Ich sehe eher die Chancen als die Risiken, die man ja mit Regeln abfedern kann. Unternehmen können sich als tierfreundliche Arbeitgeber profilieren, und sie profitieren davon, wenn Angestellte weniger krank sind. Meine These ist: Ein Unternehmen, das Hunde zulässt, frisst seine Mitarbeiter nicht.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 22.10.2017, 17:38 Uhr

Artikel zum Thema

Hund sei Dank

Menschen können eine enge Beziehung zu Vierbeinern aufbauen. Nun untersuchen Zürcher Psychologen, wie die Tiere alten Menschen eine Lebenshilfe sind. Mehr...

Der Vegi-Hund, kommt das gut?

Die Meinungen über die vegane Ernährung für Tiere gehen auseinander, und sie werden ziemlich emotional bis unsachlich dargelegt. Mehr...

Wie ich auf den Hund kam

Analyse Er schläft, wo er will, und macht auch sonst nicht, was er soll. Aber nach einem Jahr mit Beagle Newton ist klar: Ein Familienleben ohne Hund ist unvorstellbar geworden. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Paid Post

Fünfmal selber gemacht

Ideen für Selbstgemachtes - und ein Einkaufsgutschein im Wert von 500 Franken zu gewinnen.

Kommentare

Paid Post

Fünfmal selber gemacht

Ideen für Selbstgemachtes - und ein Einkaufsgutschein im Wert von 500 Franken zu gewinnen.

Die Welt in Bildern

Hauslieferung: Der Weihnachtsbaum wird direkt zur First Lady Melania Trump und ihrem Sohn Barron Trump ins Weisse Haus geliefert. (20.November 2017)
(Bild: Carlos Barria) Mehr...