Ein Mann fürs Grobe

Ein neuer Film stellt den Scientology-Chef David Miscavige als gewalttätigen Manipulator dar.

Existenzielle Krise: David Miscavige. Foto: PD

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David Miscavige ist ein Mann fürs Grobe. Der 55-jährige Sektenboss der Scientologen überlebte bisher alle Anfeindungen. Auch dank seinem Geheimdienst, einem Heer von Anwälten und seinen beiden Botschaftern Tom Cruise und John Travolta. Doch nun wird es eng für ihn: Der neue Dokumentarfilm «Going Clear: Scientology and the Prison of Belief» des Regisseurs Alex Gibney löste in den USA heftige Reaktionen aus. Hochrangige Aussteiger, unter ihnen Pulitzer-Preisträger Lawrence Wright und der mit einem Oscar gekrönte Regisseur Paul Haggis, porträtieren die Sekte als Glaubensgefängnis und geben einen erschreckenden Einblick ins streng gehütete Innenleben von Scientology.

Obwohl dem Scientology-Führer in den USA die Fetzen um die Ohren fliegen, gab er am vergangenen Samstag den Schweizer Scientologen überraschend die Ehre. Bei einer pompösen Feier zur Eröffnung des neuen Luxustempels in Basel hielt er stramm die Fahne hoch. Das Signal an die Scientologen in aller Welt: Es geht aufwärts!

Was nach Aufbruch klingt, ist in Wirklichkeit eine Durchhalteparole. Die Reise nach Basel war für den angeschlagenen Miscavige ein willkommenes PR-Instrument, um von der existenziellen Krise abzulenken.

Miscavige versuchte mit allen Mitteln, den Film zu verhindern. Der Scientology-Führer liess ganzseitige Inserate schalten, etwa in der «New York Times», und schwärzte Regisseur Gibney mit Unterstellungen an.

Zudem schickte Miscavige seinen «Aussenminister» John Travolta an die Front, der den Film als Machwerk brandmarkte. Ohne Scientology wäre er nicht das, was er heute sei, liess er verlauten. «Oh, mein Gott. Ich hätte das nicht ohne Hilfe von Scientology durchgestanden», sagte er zum mysteriösen Tod seines Sohnes Jett.

Der amerikanische Bezahlsender HBO, der den Film produzierte, engagierte viele Anwälte, um ihn zu prüfen. Offenbar mit Erfolg: Miscavige blieb bisher ungewohnt stumm; 5,5 Millionen Zuschauer schauten den Film ungestört an.

Toilettenböden mit der Zunge reinigen

Die Enthüllungen der Kronzeugen, die Interviews, das Archivmaterial und die internen Dokumente haben es in sich. Seine ehemaligen Mitarbeiter zeichnen von Miscavige das Bild eines Psychopathen, der seine Untergebenen schlage und foltere. Seine Geheimdienstmethoden machten auch nicht vor der eigenen Familie halt. Miscavige habe auch seinen Vater beschatten lassen, der der Sekte den Rücken gekehrt hatte. Als er dabei erfuhr, dass dieser einen Herzinfarkt erlitten hatte, habe er gesagt: «Lass ihn sterben.»

Aussteiger berichten, Scientologen seien schon wegen geringfügiger Vergehen bestraft worden und hätten Toilettenböden mit der Zunge und WC-Schüsseln mit Zahnbürsten reinigen müssen.

Der Film dokumentiert auch, dass die Top-Shots aus Hollywood nicht von der Bespitzelung verschont bleiben. So habe Miscavige die Ex-Frau von Tom Cruise, Nicole Kidman, nach deren Trennung ausspionieren und mit dem Segen von Cruise ihr Telefon abhören lassen.

Cruise allerdings, der Busenfreund des Sektenbosses, äusserte sich zum Film noch nicht. Bereits wird in Hollywood spekuliert, der Filmstar habe langsam die Nase voll von den Skandalen um Scientology.

Erstellt: 29.04.2015, 19:26 Uhr

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