Ein Weihnachtsgeschenk für Bethlehem

Zehntausende pilgern zu Weihnachten nach Bethlehem. Die Geburtskirche von Jesus gilt als einsturzgefährdet. Jahrelang wurde die Renovierung herausgezögert – weil sich die drei Konfessionen nicht einigen konnten.

Die Kirche wird seit September renoviert: Gläubige in der Geburtskirche von Jesus in Bethlehem.

Die Kirche wird seit September renoviert: Gläubige in der Geburtskirche von Jesus in Bethlehem. Bild: AFP

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Geburtskirche in Bethlehem ist gewissermassen die Wiege der Christenheit: Sie steht über der Grotte, in der Jesus geboren worden sein soll. Aber gerade wegen ihrer grossen Bedeutung ist sie in beklagenswertem Zustand.

Mehr als 1700 Jahren hat die Geburtskirche in Bethlehem im palästinensischen Westjordanland fast unverändert überstanden. Zahlreiche Kriege konnten der ältesten Kirche im Heiligen Land nichts anhaben, und auch die vielen Eroberer wie Perser, Kreuzfahrer, Mameluken, Türken, Engländer und zuletzt die Israelis 1967 haben sie immer verschont.

Der schlimmste Feind des Gotteshauses, das über der Grotte steht, in der Jesus Christus geboren worden sein soll, aber ist der Zahn der Zeit.

Und der hat der Basilika aus dem 5. bis 6. Jahrhundert inzwischen derart zugesetzt, dass die UNO-Kulturorganisation Unesco sie auf die Rote Liste des gefährdeten Welterbes setzte. Es droht nicht nur der Verlust unschätzbarer Kunstwerke und einzigartiger Mosaiken, sondern sogar der Einsturz des Gebäudes. Jetzt endlich haben die Arbeiten für die Instandsetzung begonnen, die nur wegen der Weihnachtstage kurz unterbrochen werden.

Interkonfessioneller Streit

Dass es so lange gedauert hat, bis das marode Dach, die bröckelnden uralten Wände, verrusste Säulen und morsche Fenster erneuert werden sollen, liegt an der enormen Bedeutung, die die Geburtskirche für die Christenheit hat. Gleich drei Konfessionen teilen sich den Bau: die katholische Kirche, die griechisch-orthodoxe Kirche und die armenisch-orthodoxe Kirche.

Peinlich genau sind die Bereiche zwischen den drei Konfessionen abgesteckt, und wehe, die Gottesmänner übertreten die unsichtbaren Grenzen innerhalb der Kirche. Wiederholt schon haben die Geistlichen deshalb beim jährlichen Grossreinemachen vor Weihnachten mit Besenstielen aufeinander eingedroschen, so 2007 und 2011. Dann musste die palästinensische Polizei anrücken und die zornigen Gottesmänner zur Räson bringen.

Und so war es auch mit der Renovierung: Weil sich die drei Konfessionen jahrzehntelang nicht über die Finanzierung einigen konnten, übernahm die palästinensische Autonomiebehörde das Zepter, die nach den Oslo-Friedensverträgen mit Israel die Verwaltung in Bethlehem ausübt.

«Wir haben die drei Konfessionen vor die Entscheidung gestellt: Entweder ihr einigt euch auf eine Renovierung oder wir übernehmen das», erinnert sich Siad Bendek, Leiter der palästinensischen Kommission für die Renovierung der Kirche.

Autonomiebehörde übernimmt

«Als sie sich einfach nicht einigen konnten, haben wir die Sache übernommen und ihnen 2008 gesagt: macht Platz und wir renovieren. Und damit waren sie sehr zufrieden», fügt Bendek hinzu, der auch Berater in christlichen Fragen des muslimischen Palästinenserpräsidenten Mahmud Abbas ist.

Die Renovierungs-Kommission rief zu Spenden für die Instandsetzung der Geburtskirche auf, aber die kamen nur tröpfchenweise. Daraufhin stellte die palästinensische Autonomiebehörde umgerechnet etwa 920'000 Franken bereit. Palästinensische Privatunternehmen steuerten noch einmal knapp 740'000 Franken bei.

Daraufhin gaben auch Länder wie Ungarn, Russland, Griechenland, Spanien und Frankreich Spenden, die jedoch eher klein und symbolisch blieben, wohl abwartend, ob es die Palästinenser wirklich ernst meinten mit der Renovierung und die Verwendung der Spenden transparent sein würde. Schliesslich standen rund 2,5 Millionen Franken bereit.

Das war zwar noch lange nicht genug, um die auf 14 Millionen Franken Gesamtkosten veranschlagten Kosten einer Renovierung von den Fundamenten bis zum First zu decken, aber für den Anfang reichte es: für eine Machbarkeitsstudie durch ein palästinensisch-italienisch-kanadisches Gemeinschaftsunternehmen. Die internationale Ausschreibung für die Arbeiten selbst gewann das italienische Restaurationsunternehmen Piacenti s.p.a. aus Prato in der Nähe von Florenz. «Es sollte alles streng nach Vorschrift und ganz transparent ablaufen», sagt Bendek.

An Weihnachten aber offen

Die Arbeiten haben im September zunächst am Dach begonnen, durch das es schon durch regnete. Auch die Fenster werden bereits erneuert. Auch sind Teile der Fresken und Mosaiken sowie Marmorsäulen im Inneren der Kirche zum Schutz während der Renovierungsarbeiten abgedeckt.

Für die Zehntausende Pilger, die zu Weihnachten aus aller Welt nach Bethlehem strömen, bleibt die Kirche aber geöffnet. Das soll möglichst während der gesamten wohl Jahre dauernden Instandsetzung der Kirche auch so bleiben. (wid/sda)

Erstellt: 22.12.2013, 23:33 Uhr

Artikel zum Thema

«Ich möchte, dass das Beste zum Schluss kommt»

Sie ist eine der wenigen deutschen Schauspielerinnen, die es nach Hollywood geschafft haben: Hanna Schygulla wird an Weihnachten 70 Jahre alt. Nun wagt sie noch einen grossen Umzug. Mehr...

Föhnsturm an Weihnachten

Keine weisse Pracht zum Fest: Die Wetterdienste prognostizieren für die Föhntäler bis zu 17 Grad an Weihnachten. Schneien dürfte es dann aber am Stephanstag. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Werbung

Weiterbildung

Ausbildung & Weiterbildung Finden Sie die passende Weiterbildung Technischer Kaufmann, Deutsch lernen, Coaching Ausbildung, Präsentationstechnik, Persönlichkeitsentwicklung

Die Welt in Bildern

Teilnehmer des jährlichen «North East Skinny Dip» rennen in das Meer bei Druridge Bay in England. (23. September 2018)
(Bild: Scott Heppell) Mehr...