Ein charmanter Hauch Vergangenheit

Pin-up-Model und Burlesque-Tänzerin Zoe Scarlett jettet um die Welt und lebt in den 50er-Jahren. «Stress wäre für mich, jeden Morgen um acht im Büro zu sitzen», sagt die Baslerin.

So hat Zoe Scarletts Burlesque-Show vor zwei Jahren ausgesehen.


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Der knallrote Lippenstift sitzt perfekt, ebenso die blonden Löckchen, der dunkle Lidstrich und der überraschend feste Händedruck. Kraft in den Händen, das braucht Pin-up-Model und Burlesque-Tänzerin Zoe Scarlett. Immerhin wurde die Baslerin beim Herumschrauben an einem alten Ami-Schlitten entdeckt. «Ich war mit einer Renntruppe auf Tour. Als ich schmutzig unter einem Auto hervorkroch, sah mich ein Fotograf.» Die Bilder prangten auf Auto-Magazinen von Basel bis New York.

Das war vor sieben Jahren. Heute jettet Zoe Scarlett selbst um die Welt und wird mit «The Petits Fours Revue» am Montag auch im Basler Häbse-Theater haltmachen. Das Model rangiert aktuell auf Platz acht der internationalen Pin-up-Charts, wird in einem Atemzug mit Burlesque-Grösse Dita Von Teese genannt, hat Aufträge von Thomas Sabo, Ashton Martin, Les Ambassadeurs und ja, auch von Burger King. «Ich liebe Fast Food», erklärt Scarlett, «und ich würde nie für etwas werben, hinter dem ich nicht hundertprozentig stehe!»

Aufgewachsen in der Retro-Welt

Denn Zoe Scarlett ist vor allem eines: durch und durch sie selbst. Echt. Sie sagt, was sie denkt, strahlt, wenn die Schoggi Mélange kommt, taucht genüsslich den Löffel in den Schlagrahm und erklärt, wie scheisse sie echte Pelze findet, oder Mädchen, die sich volltätowieren lassen, nur um auf irgend ein Magazin-Cover zu kommen. «Das bringt sie nicht weiter, das ist ein echtes Problem. Ich habe selbst Tattoos, aber so, dass ich sie wenn nötig verbergen kann.» Ein Flammenherz mit Bibelspruch zum Beispiel. Sie sei keine «Schubladengläubige», nicht katholisch oder reformiert. Aber sie glaube von Herzen an Gott. Daran, dass manche Dinge einfach passieren müssen. Wie ihr Zusammentreffen mit einem österreichischen Mönch vor zwei Jahren, den sie heute zu ihren Freunden zählt. Und vielleicht auch ihre Karriere, die eigentlich gar nicht anders hätte kommen können: Das Pin-up-Model wuchs in einer 50er-Jahre-Retro-Welt auf, liebt Burlesque und gibt «immer lieber gleich zweihundert Prozent!».

Werbeverträge einhalten, für Kampagnen shooten, an den eigenen Shows tüfteln, Interviews geben, Burlesque-­Workshops leiten, und all das bestimmt nie am selben Ort: «Im März habe ich genau vier Tage frei. Noch. Aber Stress, nein, den macht man sich selbst! Stress wäre für mich, jeden Morgen um acht im Büro zu sitzen und um fünf mit dem Trämli wieder heimzufahren. Tag für Tag.» Sie nehme sich auch Auszeiten, erklärt Scarlett: Im August war sie fünf Tage in Memphis. Zusammen mit 75 000 weiteren Elvis-Fans. «Das war dann richtig intim», meint sie, die 980 Elvis-Songs auf ihrem iPod hat, ­lächelnd.

Und eine Zoe Scarlett hat natürlich auch Fans. Viele Fans. Einer davon lebt mit einer speziellen Form von Muskelschwund im Pflegeheim. Ihn hat Scarlett überrascht: «Er kann nicht mehr ­lächeln, aber seine Augen haben so gestrahlt!» Zu 75 Prozent werden ihre Shows von Frauen jeden Alters besucht. Das sei ein wunderbares Kompliment, denn: «Wir Frauen sind einander ja die härtesten Kritikerinnen, gell!»

Das Herz in Basel

Zoe Scarlett ist mit den Gedanken an mindestens drei Orten gleichzeitig, quirlig und dennoch aufmerksam, in sich ruhend. Zufrieden. Gerade ist sie von einem Auftrag in Hamburg nach Hause gekommen. «Eine meiner liebsten Städte! Guck!», ruft sie, kramt ihr konstant vibrierendes, pink eingefasstes iPhone hervor und zeigt einen Schnappschuss vom Hamburger Hafen.

Aber am schönsten sei immer das Heimkommen. Für die Karriere auswandern? Die Antwort kommt blitzschnell: «Nein! Ich bin eine Zigeunerin, mich kann man überall auf der Welt hinstellen – solange ich weiss, dass ich wieder heim kann.» Und wenn das Heimkommen auf sich warten lässt, dann telefoniert sie halt. Mit ihrem Grosi zum Beispiel. Oder mit dem Bruder, der in den USA in derselben 50er-Jahre-Welt lebt wie die kleine Schwester in Frick.

Dann erzählt sie begeistert von der «Petits Fours Revue»: «Es ist eine Komposition aus den verschiedensten Darbietungen, da gibt es zum Beispiel Travestie-Künstler, Sänger, Comedy oder eben Burlesque.» Sie schwärmt von den talentierten, ja atemberaubenden Darstellern und erwähnt ganz nebenbei, dass sie seit 2012 immer wieder Star-Gast der Show ist. Was wünscht man sich denn, wenn man scheinbar all seine Ziele erreichen kann? «Na ja, einen 68er Chevy Camaro, zum Beispiel. Obwohl, auch den hatte ich schon mal», meint Scarlett augenzwinkernd.

Die «Petits Fours Revue» mit Zoe Scarlett gastiert am Montag, 18. März, um 20 Uhr im Häbse-Theater in Basel.

Erstellt: 17.03.2013, 12:04 Uhr

Marilyn Monroe lässt grüssen: Zoe Scarlett. (Bild: Tobias Stahel)

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